So originalgetreu wie möglich

Fassaden der Risalite des Schlosses in Nesselröden werden restauriert

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Eingerüstet: Vor den Risaliten des Schlosses Nesselröden stehen (von links) Bauleiter Sven Raecke, Denkmalpfleger und Restaurator Eric Schiecke sowie Eigentümer Prof. Dr. Friedrich Kruse.

Die Sanierung des Schlosses Nesselröden schreitet weiter voran. Derzeit stehen diffizile Arbeiten an den Fassaden der beiden Risalite an.

Nachdem im vergangenen Jahr insbesondere der Turm der herrschaftlichen Anlage aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert in den Fokus gerückt war (wir berichteten), stehen derzeit diffizile Arbeiten an den Fassaden der beiden Risalite an. Als Risalite werden die vorspringenden Gebäudeteile, welche den Treppenturm flankieren, bezeichnet.

Gesamteindruck erhalten 

Ein Mammutprojekt, welches Denkmalpfleger und Restaurator Eric Schiecke sowie Bauleiter Sven Raecke (beide Erfurt, Thüringen) Schritt für Schritt begleiten. „Die zusätzliche Herausforderung neben der eigentlichen Restauration“, erklärt Eigentümer Prof. Dr. Friedrich Kruse aus Erlangen (Mittelfranken), bestehe darin, den Gesamteindruck des Schlosses zu erhalten. 

Durch das Verwenden bestimmter Putze und ausgewählter Sande mit genau abgestimmten Körnungen soll das kunstgeschichtlich bedeutenste Gebäude der Renaissance an der unteren Werra bald wieder erstrahlen – so originalgetreu wie möglich.

Sandsteine nach vorn gekippt

Müssen ersetzt werden: Sogenannte Muscheln, die bei der Sanierung in den 30er-Jahren geklammert wurden.

Sandsteine vor allem rund um die Fenster, Putze sowie Zierwerk und Ornamentik sind über die Jahre durch eindringende Feuchtigkeit und Schädlingsbefall stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Teilweise sind die Sandsteine seit der letzten Sanierung in den 1930er-Jahren sogar nach vorn gekippt.

„Die Standfestigkeit der Giebel ist bereits wieder gegeben“, sagt Prof. Dr. Friedrich Kruse. Seit September laufen die Arbeiten für den aktuellen Bauabschnitt; abgeschlossen werden sollen sie nach Möglichkeit bis Monatsende. Aufgebracht werden soll nun unter anderem wieder rote Farbe – „die nährt sich nicht nur dem Original wieder an, sondern bietet dem Stein gleichzeitig Schutz“, erklärt Bauleiter Sven Raecke. Weiterhin werde der Farbton des Putzes angeglichen.

Abgeschlossen ist die Schlosssanierung damit noch nicht: im kommenden Jahr steht die Ostfassade an.

Bedeutende Anlage der Renaissance

Das Schloss Nesselröden ist gemeinsam mit seinen Nebengebäuden eine der bedeutendsten Schlossanlagen der Renaissance an der unteren Werra. Der imposanteste Bestandteil der Anlage ist das Herrenhaus. Es wurde, wahrscheinlich innerhalb einer älteren Wehranlage, zwischen 1592 und 1594 von Burkhardt Treusch von Buttlar erbaut. 

Tiefe Risse ziehen sich durch die Fassade.

Nachdem der Nesselröder Zweig dieser Familie im 19. Jahrhundert erlosch, ging die Domäne in den Besitz der Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld über. 1930 erfolgte eine Sanierung des Gebäudes, die insbesondere Fassade und Dach betraf. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

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