Burkhard Scheld ist heute 100 Tage im Amt des Gemeindechefs von Herleshausen

Fitnesstrainer über Nacht

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Das Bäumchen auf der Tischecke hat Burkhard Scheld zum Amtsantritt geschenkt bekommen. In das Büro, in dem zuvor 18 Jahre lang sein Vorgänger Helmut Schmidt gewirkt hatte, brachte er erst mal seine eigene Ordnung hinein.

Herleshausen. Fitnesstrainer, Krisenmanager und Psychotherapeut: Diese drei Berufe hat sich Burkhard Scheld innerhalb kürzester Zeit angeeignet.

Heute ist er 100 Tage im Amt des Herleshäuser Gemeindechefs. Bereut hat er seine Entscheidung nie: „Auch wenn es eine schwere Zeit im Moment ist, bin ich gerne Bürgermeister.“

Der Amtseid war noch nicht geschworen, da begleitete der 53-Jährige seinen Vorgänger Helmut Schmidt schon im Amt, arbeitete sich in die Belange der Gemeinde ein. Schutzschirm, Eröffnungsbilanz, neue Satzungen - ohne sein profundes Wissen aus seiner Zeit als Kämmerer im Wartburgkreis wäre er aufgeschmissen, sagt er.

Seinem Ziel, in Herleshausen keine öffentliche Einrichtung zu schließen, ist er bisher treu geblieben. Das Hallenbad bleibt, wie auch die Dorfgemeinschaftshäuser. „Ich bin nicht der böse Bürgermeister, aber ich bin gezwungen hauszuhalten“, sagt er. Fitmachen will er die Gemeinde für die Zukunft. Und die Unannehmlichkeiten auf möglichst viele Schultern verteilen.

Dazu gehört auch der Schutzschirm. Ein Freund davon ist er nicht, aber unterschrieben hat er. „Mit meinem Namen habe ich uns für acht Jahre an einen strengen Sparplan gebunden“, sagt er. Die Verantwortung lastet auf ihm. Aber die Motivation, das Beste draus zu machen, wiege mehr, so Scheld. Für den Bürger.

Von der Geburt bis in den Tod geht ihn jetzt alles etwas an. Alles, was in seiner Gemeinde passiert. Eine Hauptaufgabe des Bürgermeisters: Termine managen. Hier ein 100. Geburtstag, dort eine Jahreshauptversammlung. Die ganze Nacht hat es durchgeschneit. Und so soll es laut Wettervorhersage weitergehen. Im Bauhof herrscht Personalmangel, und der Winterdienst am Wochenende muss geregelt werden. „Als Bürgermeister erfährt man, was Schnee bedeuten kann“, sagt Scheld. Dann ist er auch noch als Krisenmanager tätig.

Baustellen hat Burkhard Scheld genügend auf seinem Schreibtisch liegen. Der Wasser- und Abwasserzweckverband, dem Herleshausen angehört, will Kanäle sanieren. Soll die Gemeinde sich anschließen, Straßen und Gehwege sanieren? Und wenn ja, sollen die Kosten über die Straßenausbaubeitragssatzung dann an die Bürger weitergegeben werden? „Das will gut überlegt sein in Zeiten klammer Kassen“, sagt Scheld. Was er tut, muss er dem Bürger verkaufen können - mit guten, greifbaren Argumenten.

Den Frauenbörnern schenkte er kürzlich 15 Tankgutscheine. Aus eigener Tasche. „Als Bürgermeister muss man da vorsichtig sein“, sagt er. Seit dem vergangenen Sommer schon ist in dem Herleshäuser Teilort die Durchfahrtstraße komplett gesperrt. Wegen des Wetters ruhen die Bauarbeiten seit Längerem und vorerst auch weiterhin. „Die Gutscheine sollten eine kleine Entschädigung sein für die Unannehmlichkeiten“, sagt Scheld.

Auf dem Tisch vor Schelds Vorzimmer steht ein Körbchen mit Äpfeln. „Herleshäuser Gesundheitstage“ ist darauf zu lesen. Beim Einkaufen sah er es und brachte es mit. „Über die Gesundheit“, sagt er, „geht nichts.“ Von Montag bis Samstag ist er als Bürgermeister unterwegs. Nur den Sonntag hält er sich nach Möglichkeit frei. „Mit seinen körperlichen Ressourcen muss man gut umgehen“, sagt er. Dass seine eigene Ehefrau seine Sekretärin ist, kommt ihm da zugute: „Wir können am Frühstückstisch schon den Tag besprechen, wenn es mal eng wird“, sagt Scheld. Jeden Donnerstag, von 16 bis 18.30 Uhr, hält er in der Verwaltung eine Bürgersprechstunde ab. Und das ist ihm immer noch das Liebste am Chefamt: der vielschichtige Kontakt zu den Bürgern - Geschichten anhören, Leute kennenlernen, weiterhelfen.

Von Stefanie Müller

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