Hellmuth Karasek begeisterte auf Gut Hohenhaus

Freude für Gaumen und Geist

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Hautnah: Hellmuth Karasek signierte mit persönlicher Widmung für Annette aus Weimar (links) und Ute aus Gera. Foto: Möller

Gut Hohenhaus. Über 70 Gäste des Hotels Hohenhaus, eine bunte Mischung aus mehreren Bundesländern, warten gespannt auf den Mann, der sie heute mit brillanten Wortwitz, tiefschürfender Satire und jenen Kleinigkeiten aus dem täglichen Leben unterhalten will, die vor phantastischen und skurrilen Erlebnissen nur so strotzen: Dr. Hellmuth Karasek.

80 Jahre jung und kein bisschen leise, so stellte sich der bekannte Literaturkritiker und Buchautor aus Hamburg am Freitagabend auf Hohenhaus vor, dokumentierte im legeren Outfit und wasserblauen Sneakers - die Freizeitschuhe musste er nach eigenen Worten anbehalten, da er nach Salzburg zum zweiten Mal seine dunklen Socken für die schwarzen Schuhe vergessen hatte -, das noch viel Elan in ihm, dem Meister der pointierten Glosse, dem ständigen Beobachter seiner Umwelt, steckt.

So war es für den studierten Germanisten ein Leichtes, die von Hohenhaus ausgelobten vier K’s, Kunst, Kultur, Kulinarik und Karasek zu verbinden. In Sachen Kunst und Kultur hat sich das ehemalige Rittergut unter seinem neuen Direktor Valentin Resetarits hohe Ziele gesetzt, die in der Kulinarik von Sternekoch Ingo Bockler und seiner Crew auf First-Class-Niveau bereits umgesetzt sind. Mit Hellmuth Karasek als viertes K versetzte das Landhotel selbst den Meister in Erstaunen, „denn ich habe noch nie bei solch einem erlesenem Menü gelesen“.

Zwischen „Cappuccino“ vom Badischen Spargel mit gebackenem Schinkensegel und „Weidmannsheil in Herleshausen“, Rehrücken aus der eigenen Jagd mit Zwiebelgewächsen, ging Hellmuth Karasek in sich, fand mit seiner „Tonprobe“ den ersten Anklang, um dann aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ zu rezitieren und hier „Die Geschichte vom Daumenlutscher“ zum Anlass nahm den anwesenden Frauen aus dem Herz zu sprechen. „Fort geht nun die Mutter und - Wupp! Den Daumen in den Mund!“, so lautet seine Lieblingszeile. „Damit ist das Verhalten von Männern treffend charakterisiert.“ Karasek scheut sich nicht in der Folgezeit, auch etwas tiefer aus dem Nähkästchen zu plaudern. Denn der Witz ist auch bei dem anerkannten Kulturkritiker der Versuch, durch gesprochene oder geschriebene, besonders strukturierte fiktive Erzählung den Zuhörer oder Leser durch einen von ihm unerwarteten Ausgang, zum Lachen anzuregen. Und das schaffte Hellmuth Karasek jedes Mal aufs Neue, zumal wie er sagt, „nackte Männerbeine einen ästhetischen Widerwillen erzeugen“.

Zwischen Käse und Dessert - „Champagnerbeere“, gab Hellmuth Karasek seinen „Senf“ dazu, nahm die gespannten Zuhörer mit auf seine Reise durch Deutschland weckte Lust auf Witze, die man nicht erzählt, oder klärte auf über Dialektgeschichten. Zwischen seinen Auftritten, zeigte sich Hellmuth Karasek als charmanter Plauderer - der Chronist durfte an seinem Tisch sitzen -, stand er Ute und Holger aus Gera sowie Annett und Karl-Heinz aus Weimar auf jede Frage Rede und Antwort und legte selbst noch beim Signieren seiner Bücher, kurz vor Mitternacht, seinen ihm eigenen Humor an den Tag.

Von Dieter Möller

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