Werra-Grenzpark gegen das Vergessen

In Herleshausen ist eine Gedenkstätte für den ehemaligen Grenzübergang geplant

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Lange Zeit das Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde Herleshausen: der Grenzübergang im Jahr 1980.

In Herleshausen ist eine Gedenkstätte geplant. Das Großprojekt soll der Öffentlichkeit am morgigen Dienstag im Zuge einer Gemeindevertretersitzung detailliert vorgestellt werden.

Ein Leben in Freiheit fällt nicht vom Himmel. Es ist ein kostbares Gut, um das sich bemüht werden muss. Gegen das Vergessen, für Demokratie und Toleranz nun treten die Herleshäuser ein – und zwar mit der Planung der Gedenkstätte. 

Der Beginn

Die Alleinstellungsmerkmale Herleshausens herausarbeiten, Begegnungsmöglichkeiten schaffen – diese Ziele verfolgten die Akteure im Zuge der Vorbereitungen zur 1000-Jahr-Feier, die im Jahr 2016 begannen. 

„Ein wesentliches, wenn nicht gar das größte Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde war über viele Jahrzehnte die Grenzkontrollstelle, das Tor im Eisernen Vorhang“, sagt Anette Wetterau.

Die Idee

Ideen, dieses Alleinstellungsmerkmal erlebbar zu machen, gab es viele – unter anderem das Vorhaben einer Dauerausstellung auf dem Bahnhofsvorplatz, welches sich 2017 zerschlug (wir berichteten). „Eine Gruppe von sechs Personen verfolgte nun das Ziel der Errichtung eines offenen Grenzparks, am östlichen Ortsausgang ,An der Salzwiese’ gelegen“, sagt Anette Wetterau.

Projektskizze: Dieses Bild soll Besucher künftig an der Salzwiese in Herleshausen erwarten. Am Dienstagabend erklären die Akteure vom Projektbüro Beier und Wellach die genaue Konzeption.

Der Grenzpark

Mit konkreten Vorstellungen ging es in die Vorplanung: Robust, betreuungsunabhängig und nach modernen pädagogischen Ansätzen gestaltet für Besucher aller Generationen sollte das Projekt sein. Die Herleshäuser Kleingruppe knüpfte Kontakte unter anderem zur Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. 

Draufsicht: die Planung des Herleshäuser Grenzparks im Detail.

Eine glückliche Fügung: der Kontakt zum Projektbüro Beier und Wellach in Berlin, eingefädelt durch Klaus Gogler. „Dieses Büro arbeitete zu dieser Zeit ein Gefängnis in Kaßberg (Chemnitz) zu einer Gedenkstätte um – ein Ort, von dem die Gefangenen über Herleshausen in die Freiheit gelangten“, erklärt Anette Wetterau.

Die Finanzen

Der Werratalverein Südringgau mit seinem Vorsitzenden Helmut Schmidt stellte den offiziellen Förderantrag, um die Finanzierung der Feinkonzeption realisieren zu können: 35.000 Euro wurden im Dezember 2018 genehmigt. Durch die Gemeindegremien wurde der Ankauf des vorgesehenen Grundstücks von Hessen Mobil beschlossen.

Der Verein

Um die Realisierung des Herleshäuser Projekts gezielt und fokussiert voranzutreiben, hat sich zum 3. Oktober der gemeinnützige Verein Werra-Grenzpark gegründet. Den Vorsitz hat der Markershäuser Gero von Randow übernommen – er ist auch der erste Ansprechpartner in Sachen Unterstützung und Vereinsbeitritt. 

In dem Werra-Grenzpark liege die große Chance, Herleshausen im engen Schulterschluss mit dem Wartburgkreis überregional nach vornezubringen.

Die Sitzung

Die Sitzung der Gemeindevertretung Herleshausen findet am morgigen Dienstag, 5. November, statt. Los geht es um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Gemeinschaftshauses an der Bahnhofstraße 15 in Herleshausen. 

Das Planungsbüro b+w aus Berlin wird das Projekt Werra-Grenzpark detailliert vorstellen. Weiterhin steht der Bericht über den Haushaltsvollzug zum 30. Juni auf der Agenda. Festgelegt werden soll auch der Verkaufspreis für die Baugrundstücke im Baugebiet Am Goldberg II

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