„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“

Gedenktafel in Herleshausen erinnert an Flucht und Vertreibung

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Einweihung einer Gedenktafel zu Flucht und Vertreibung an der katholischen Kirche in Herleshausen. 

Herleshausen – Eine Gedenktafel erinnert in Herleshausen nun an das dunkle Kapitel "Flucht und Vertreibung". 

Zwischen April und Oktober 1946 kamen in Eschwege sieben Transporte mit 8164 Vertriebenen aus dem Sudetenland und ein Transport mit 1574 Vertriebenen aus Ungarn an. Sie wurden auf die Kommunen des Kreisteiles verteilt – mit fast ausschließlich evangelischen Einwohnern.

Die Bevölkerung stieg in den Dörfern des Südringgaus durch die zugewiesenen, überwiegend katholischen Vertriebenen im Schnitt um 25 Prozent. Wohnraumnot und fehlende Arbeitsplätze in der damaligen Zonenrandlage mit der Grenze zur Ostzone trugen dazu bei, dass viele Flüchtlinge und Vertriebene später in die deutschen Ballungsräume oder gar ins Ausland abwanderten. Trotzdem sind einige geblieben und haben die Dörfer mit ihrer Kultur, ihrem Fleiß und ihrem Glauben bereichert – und haben somit auch zum späteren Wirtschaftswunder beigetragen.

Zu Fronleichnam erinnerte ein Gottesdienst in der katholischen Kirche in Herleshausen an die Geschichte der Flüchtlinge und Vertriebenen. Im Anschluss enthüllte Helmut Schmidt (69, Vorsitzender des Arbeitskreis Flucht und Vertreibung) im feierlichen Rahmen eine Gedenktafel, die an diese Geschichte erinnert.

Zahlreiche Fotos laden neben wenig Text zu einer Zeitreise ein. Mit Blick auf die Tafel sagte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Und so sahen die Gäste, dass im Saal der Gaststätte Rausel am 1. Mai 1948 die ersten Andachten der katholischen Gemeinde seit Jahrhunderten stattfand.

Dank sagte Schmidt Corina Teister aus Zürich, die die Tafel in Erinnerung an ihre Großeltern Wendelin Zimmermann (geboren 1924 in Gánt/Ungarn) und Ottilie Engel (geboren 1919 in Rabenseifen/Sudetenland) gespendet hat. Beide sind in Wommen beziehungsweise in Altefeld angekommen. „Wir hoffen, dass die Radfahrer auf dem Werratalradweg anhalten, um sich die Gedenktafel anschauen“, sagte Helmut Schmidt. 

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