Hessisch-thüringischer Stammtisch: Letzter Teil der Reihe „Die Grüne Grenze“

Getötet mit 41 Schüssen

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Gut gefüllt: Rund 100 Zuhörer besuchten jetzt den Hessisch-Thüringischen Stammtisch in Herleshausen.

Herleshausen. So trifft man sich wieder. Beim hessisch-thüringischen Stammtisch im Gemeinschaftshaus Herleshausen zog der Obersuhler Hans-Karl Gliem jetzt mit seinen spannenden Geschichten unter dem Motto ,,Die Grüne Grenze im Wandel der Zeit“ seine Zuhörer in den Bann. Der Saal war voll.

Rund 100 geschichtsinteressierte Hessen und Thüringer hörten den letzten Teil der Vortragsreihe.

Gliem, der beim Bundesgrenzschutz diente, präsentierte in der Beamerschau mit technischer Unterstützung von Helmut Schmidt, eindrucksvolle Fotos des Grenzverlaufes aus vier Jahrzehnten. ,,Die Werra war ein deutsch-deutscher Grenzfluss. Kanuverkehr war zu DDR-Zeiten nicht erlaubt und auf BRD-Seite das Angeln nur bis zur Flussmitte“, erzählt Gliem, was sicher so manchem Zuhörer noch gut in Erinnerung ist. Und dann gibt´s das ,,Blaue Wunder“ bei Göringen. ,,Es ist schon ein Erlebnis, über diese Brücke zu gehen“, gerät Hans-Karl Gliem fast ins Schwärmen. Unter der Brücke hängt kein Sperrgitter mehr. 1982 waren bis zu 20 Sperrgitter in der Werra, die für Fluchtwillige ein Unterschwimmen unmöglich machten. Lebensgefahr.

1961 begannen entlang der Werra bei Göringen Rodungsarbeiten. 1962 verlegten Spezialkräfte der Grenztruppen der NVA im zweireihigen Stacheldrahtzaun dann Bodenminen.

Über die Stellungen der sowjetischen Truppen auf dem Wacholderberg oberhalb der Ruine Brandenburg, im Volksmund auch Stechberg genannt, berichtete Silvio Liebchen. Er war Berufsunteroffizier bei der Grenztruppe der NVA. ,,1962 wurden junge Wehrpflichtige nach nur einem halben Jahr Grundausbildung an die Grenze verlegt. Diese Unerfahrenheit, aber wohl auch die Angst vor Repressalien durch die Vorgesetzten müssen Ursache für das tödliche Geschehen am 13. August 1962 gewesen sein.

Augenzeuge dabei war auch Eberhard Kühn (80), der damals Reichsbahner war und bei seinem Dienst im Stellwerk Herleshausen Ost den Fluchtversuch mit tödlichem Ende für den DDR-Bürger Jankkowski beobachtete. Die DDR-Bürger Klaus Raab und Hans Joachim Jankowski wollten westlich von Göringen ,,rübermachen“ und wurden gegen 10.30 Uhr festgenommen. Das Protokoll: ,,Jankowski versuchte, sich durch Flucht der Festnahme zu entziehen. Auf Anruf und Warnschuss reagierte er nicht. Postenführer Gefreiter Hacker gab insgesamt 41 Schuss aus der Maschinenpistole ab. Jankowski wurde am Rücken tödlich verletzt. Nüchterne Worte über das Ende eines Menschenleben, die Silvio Liebchen vorlas: ,,Der Grenzposten wurde zur Auszeichnung vorgeschlagen.“ Nach der Auszeichnung wurde er aber sofort versetzt.

Von Ludger Konopka

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