Die Kirche im Dorf lassen 

Das Gotteshaus in Markershausen überzeugt mit Eleganz und Finesse 

Markershausen – Verhältnismäßig jung ist das Gotteshaus zu Markershausen. Erst 1743 ist ein Kirchlein in Herleshausens kleinstem Ortsteil errichtet worden – auf ausdrücklichen Wunsch der Dorfgemeinschaft und gemeinsam finanziert durch die Markershäuser von Buttlars und die Gemeinde.

Untrennbar verknüpft sind die Geschichten Markershausens, der Familie von Buttlar und der Kirche. So entstand die Ortschaft im 9. Jahrhundert als Siedlung im Schutz der ehemaligen Ritterburg und der heutigen Ruine Brandenfels. Bis ins vergangene Jahrhundert hinein war die Familie der Freiherren Treusch von Buttlar-Brandenfels im Ringgau weit verbreitet. Markershausen gehörte zum Familienzweig Buttlar-Willershausen.

„Nach der Reformation hielt der von der Familie angestellte Willershäuser Pfarrer private Andachten im Gutshaus ab“, sagt Kirchenvorsteher Gero von Randow. Als schließlich mehr und mehr Markershäuser an den Gottesdiensten teilnahmen, war der Kirchenbau beschlossene Sache.

„1828 wurde diese erste Kirche unter der Leitung von Johann Friedrich Matthei durch den heutigen, klassizistisch ausgestalteten Bau ersetzt“, sagt Gero von Randow, der die Geschichte unter anderem der Markershäuser Kirche in Archiven erforscht hat.

Wer heute das Gotteshaus zu Markershausen betritt, erkennt allein mit Kanzel und Altar eindeutige Attribute evangelisch-lutherischer Kirchenarchitektur. Die aus Holz geschaffene Einheit stammt noch aus dem Vorgängerbau von 1746 und symbolisiert Martin Luthers Lehre von der Predigt als zentraler Mittelpunkt des Gottesdienstes. Klare Formen, schlichte Eleganz und architektonische Finesse – das ist es, was die Kirche zu Markershausen prägt.

Außergewöhnlich ist auch das erhaltene Patronatsgestühl. Bis zur Neuzeit war dieses Ausdruck der Sonderstellung adliger Familien als Patron – sie übten etwa die Gerichtsbarkeit aus, setzten die Pfarrer ein und wahrten Distanz zur Bevölkerung. Eine Markershäuser Besonderheit sind die, den gesamten Altarraum umfassende Bauweise – vor allem aber die im offenen Winkel zur Gemeinde hin schmaler werdenden Seitenteile. Ein perspektivischer Trick, der eine große Raumtiefe aus dem quadratischen Grundriss erzeugt. 

Souvenir aus Fernost: Eine Tempelglocke klingt in der Kirche

Eines der wenigen Exemplare in Europa: die Tempelglocke.

Eine waschechte Rarität findet sich im Kirchenschiff der Kirche zu Markershausen – eine buddhistische Tempelglocke. Nur sehr wenige solche Exemplare sind im europäischen Raum bekannt. Die Markershäuser Glocke hat General Freiherr Wolfgang Treusch von Buttlar-Brandenfels (1861-1928) bei seiner Rückkehr vom Boxer-Aufstand 1902 aus China mitgebracht. Später stiftete die Familie die Glocke der Kirche zu Markershausen. 

Glocken dieser Art sind im buddhistischen Religionsraum verbreitet. Im Gebetsraum des Tempels dienen sie der Gebetserhörung – etwa vergleichbar mit einem Rosenkranz. Mit einem Klöppel wird nach jedem Gebet entsprechend der Anzahl der Noppen im oberen Bereich der Glocke leicht auf die Rosette im unteren Bereich geschlagen – in der Hoffnung, dass damit die Gebete mit dem Ton zu Buddha fliegen und erhört werden. Die Tempelglocke wurde im Jahr 2012 in einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche zu Markershausen aufgenommen.

Umbettung von Särgen aus der Familiengruft unter dem Kirchenschiff sorgte einst für Zwist

Unter dem Kirchenschiff verborgen lag einst eine begehbare Familiengruft. Im Zuge der grundlegenden Sanierung des Markershäuser Gotteshauses im Jahr 1967 wurde diese zugemauert – spannende Geschichten zu dem Unterbau aber gibt es bis heute reichlich zu erzählen. Die Särge 14 Särge waren es, die im Jahr 1958 noch in der Familiengruft Platz fanden. Sie alle sind in das durch die Witwe des Generals Wolfgang Treusch von Buttlar, Lili Stetsen, errichtete Mausoleum am Ortsausgang in Richtung Frauenborn überführt worden.

Das Mausoleum 

„Per asprera ad astra“, zu deutsch etwa: „Durch Bitternis zu den Sternen“: Diese Inschrift ist über dem Eingang des Mausoleums der Familie Treusch von Buttlar-Brandenfels eingemeißelt. Gebaut worden ist die Grabstätte auf Initiative der Amerikanerin Lili Stetsen, die ihrem am 17. Oktober 1928 in Zwesten (Schwalm-Eder-Kreis) verstorbenen Ehemann Wolfgang Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels eine besonders prunkvolle letzte Ruhestätte errichten wollte. 

Der Ort

Kleinod: die Kirche zu Markershausen in der Außenansicht. Nur an einer Seite ist das ursprüngliche Fachwerk erhalten geblieben; an drei Seiten ist das Gotteshaus verschindelt.

 Sie muss „seiner Majestät schönsten Offizier“, wie der Generaloberst genannt wurde, sehr geliebt haben, berichtet Baronin Margarete von Buttlar in einer Sonderausgabe des Magazins „Werraland“ aus dem Jahr 2014. So wollte Lili Stetson die Grabstätte an einem Ort errichten, den ihr verstorbener Mann besonders mochte: Sie wählte einen Platz oberhalb des Gutshofs Markershausen. 

Der Streit 

Walter Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels wollte den Bau verhindern. Er, Onkel des Toten, begründete das damit, dass die Arbeiter und Baugeräte zum Einbringen der Ernte benötigt würden. Er erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen den Bau: Das führte zu ausgiebigen Familienstreitigkeiten. Wolfgang wurde also einbalsamiert und vorübergehend am Fuß des Schlossbergs beigesetzt. Lili Stetsen jedoch verwirklichte ihr Projekt, und so wurde das Mausoleum 1930 fertiggestellt. Walter Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels blieb das Bauwerk ein Dorn im Auge. Nach dem Wunsch der Erbauer sollen alle Herren von Markershausen in der Familiengruft ihre letzte Ruhe finden. So wurde auch Wolfgangs Sohn Fritz, der im Mai 1932 in München tödlich verunglückte, dort beigesetzt. Horst sen. Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels und dessen Sohn Horst sind die vorerst letzten, die dort im Oktober 1974 beziehungsweise im August 1979 begraben wurden.

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