Zwei weitere Kunstobjekte am Tag der Grenzöffnung der Öffentlichkeit übergeben

Grenzerfahrung als Kunst

„Aus der Enge in die Weite“: So heißt das Kunstobjekt von Tobias Michael. Anschaulich verlässt der stilisierte Mensch die Enge der – der Berliner Mauer nachempfundenen – Betonelemente, stößt sich von ihnen ab und betritt den freien Raum. Foto: Skupio

Netra/ Herleshausen. Gleich zwei weitere Denkmäler der Reihe „Kunst an der ehemaligen innerdeutschen Grenze“ konnte Lothar Quanz (SPD), Vizepräsident des Hessischen Landtages und Initiator des Projekts unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beider Gemeinden am Samstag enthüllen.

Der Tag war bewusst so gewählt worden, schließlich öffnete sich am 9. November 1989 die Grenze. „Es handelt sich jedoch auch um den Schicksalstag der Deutschen. Angefangen mit der Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann 1918 über den versuchten Putsch Hitlers 1923 und die Pogromnacht 1938 bis hin zur Grenzöffnung 1989 steht der Tag für das Sehnen der Menschen nach Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit, welches sich erst mit der Grenzöffnung erfüllte“, erklärt Quanz. Die Kunstwerke sollen daher nicht nur die Grenze und die Teilung Deutschlands symbolisieren, sondern vielmehr die Grenzerfahrung an sich darstellen.

„Ich freue mich deshalb besonders, dass wir den Termin halten konnten, und möchte den beiden Gemeinden Ringgau und Herleshausen und ihren Bauämtern einen ganz besonderen Dank für die gute Zusammenarbeit aussprechen“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Wichtig ist mir bei dem Projekt, die Kunstwerke konkret statt abstrakt zu gestalten. Sie sollen damit so anschaulich sein, dass jeder Bürger sofort etwas damit anfangen kann. Dass das Projekt in der Bevölkerung angekommen ist und gut angenommen wird, hat die große Zahl der Gäste bei der Enthüllung gezeigt“, so Quanz.

Tafeln mit den Namen der Kunstwerke werden an diesen noch angebracht. Die „Menschenkugel“ steht im Zentrum Netras. Zwei große Granitsteine symbolisieren die Trennung. „Darauf thront eine Kugel aus 250 Menschen. Die Botschaft ist: Wo Menschen zusammenhalten, wird die Trennung überwunden“, erklärt Quanz.

Der Name des zweiten Kunstwerks zwischen Herleshausen und Lauchröden lautet „Aus der Enge in die Weite“ und zeigt einen hölzernen Menschen, der aus einem engen Mauerspalt ins Freie drängt. „Absichtlich sind die Betonelemente der Berliner Mauer nachempfunden“, so Quanz. Der Politiker hofft, dass die Menschen in Hessen und Thüringen die Kunstwerke als gemeinsames Werk betrachten. „Es wäre unheimlich kompliziert gewesen, die Kunstwerke in beiden Ländern zu installieren“, berichtet er.

Danken möchte Quanz aber vor allem der Sparkassenstiftung und der Sparkassen-Kulturstiftung, die das Projekt mitfinanzieren. Den Gemeinden entstanden keine Kosten. Bis 2014 sind noch drei weitere Kunstobjekte geplant.

Von Wolfram Skupio

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