TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT Wie Kameramann Carl-Heinz Eberth die Grenzöffnung erlebt

Vor 29 Jahren fiel die Grenze - Mit offenem Mund vor dem Fernseher

Grenzöffnung am Grenzübergang Herleshausen 
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Übergang Herleshausen: Die Trabis rollen Richtung Westen.

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989 wurden die Grenzen geöffnet. Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wiedervereinigt. Die DDR war Geschichte, das wiedervereinte Deutschland geboren.

Werra-Meißner. An der Kieler Förde startete gestern ein zweitägiges Bürgerfest anlässlich zum Tag der deutschen Einheit. Schleswig-Holstein ist Gastgeber, weil Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) amtierender Bundesratspräsident ist und somit auch Gastgeber der Einheitsfeier, wie es seit 29 Jahren üblich ist. Eine halbe Million Menschen werden dort erwartet.

Kameramann Carl-Heinz Eberth ist bei Einheitsfeier auf Wartburg 

Doch wie haben Menschen in der Region den ersten Tag der deutschen Einheit verbracht? Carl-Heinz Eberth war am 3. Oktober 1990 auf der Wartburg bei Eisenach als berichtender Kameramann vor Ort. Ost- und Westdeutsche kamen zusammen, um diesen geschichtsträchtigen Tag zu feiern. „Ein riesiges Feuerwerk erleuchtete den Himmel über der Wartburg. Die Menschen fielen sich überglücklich in die Arme, es wurde kräftig gefeiert und einige Tränen wurden vergossen“, erinnert sich Eberth.

Glaube an Wiedervereinigung schon begraben

Überglücklich wird die Grenze überwunden: am Grenzübergang Katharinenberg bei Wanfried.

Während der deutschen Teilung hatten die Menschen den Glauben an ein vereinigtes Deutschland verloren. Umso erstaunter waren sie, als am 9. November 1989 Günter Schabowski, damals Erster Sekretär der Berliner SED-Bezirksleitung, in einer Pressekonferenz bekannt gab, dass die Grenzen ab sofort geöffnet sind.

Carl-Heinz Eberth war am 9. November 1989 bei seiner Familie in Schemmern zu Besuch. Abends schauten sie wie üblich die Nachrichten, als die Neuigkeit der Grenzöffnung bekannt gegeben wurde. „Ich saß staunend und mit offenem Mund vor dem Fernseher. Nach fünf Minuten bin ich, ohne zu zögern, mit dem Auto nach Herleshausen an den Grenzübergang gerast. Meine Kamera hatte ich als Kameramann zum Glück immer im Auto “, erinnert er sich. 

Sie kamen mit Fackeln und Fahnen

Der Morgen des 10. November: Unendlich reihen sich die Autoschlangen aus Richtung Osten gen Westen. Die Ankömmlinge werden jubelnd begrüßt. 

In den folgenden Stunden kamen die ersten jubelnden Menschen aus der DDR mit Fahnen und Fackeln über den Grenzübergang in Herleshausen. Morgens, am 10. November, waren die Autoschlangen grenzenlos. Kameramann Eberth hatte in diesen Tagen Arbeit ohne Ende. Er fuhr zu allen Grenzübergängen in der Region und drehte und fotografierte, wie die glücklichen Menschen aus dem Osten plötzlich über die Grenze liefen oder fuhren. „Das Gefühl der Grenzenlosigkeit und Freiheit kann keiner nachvollziehen, der das nicht miterlebt hat“, erzählt der Kameramann.

Weitere Grenzübergänge öffnen

Tage- und nächtelanger Ansturm auf die Freiheit: Der Übergang Rittmannshausen- Ifta gewährt vielen Ostdeutschen den Weg in die Freiheit.

In den folgenden Tagen wurden weitere Grenzübergänge geöffnet. Dafür mussten stellenweise Zäune abgerissen werden und Straßen neu geteert werden. „Brücken und Straßen wurden in wenigen Wochen errichtet, wofür heute mehrere Jahre nötig sind“, schmunzelt Eberth. In den Wochen und Monaten nach der Grenzöffnung befand sich das Land im Ausnahmezustand. Mit Begrüßungsgeld ausgestattet, erkundeten die Ostdeutschen den Westen und kauften Dinge ein, die es im Osten nicht gab. Die Lage, was aus dem geteilten Deutschland werden könne, war lange nicht eindeutig. Der „Kanzler der Einheit“, Helmut Kohl, musste lange Verhandlungen mit den Siegermächten führen. „Es war ein Glücksfall in der Geschichte, sagt Eberth heut, „dass nach über 40 Jahren der Teilung beide deutsche Staaten wieder vereint wurden.“ (ce)

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