Arbeitskreis gebildet - 21 Steine sind geplant

Grünes Licht für Stolpersteine

Abgestimmt: Rund 60 Bürger sind zu der Versammlung gekommen. Sie alle unterstützen die Aktion Stolpersteine.

Herleshausen. Das ganze Wochenende über hat Helmut Schmidt, Herleshausens ehemaliger Bürgermeister und leidenschaftlicher Chronist, sein Fotoarchiv auf Vordermann gebracht.

Aus gutem Grund: Gut 60 interessierte Bürger sind am Dienstagabend zu seinem Vortrag über die jüdischen Spuren in der Gemeinde gekommen.

Sie alle unterstützen die Idee des Männertreffs und des Wandervereins, die Aktion Stolpersteine, die an deportierte und vertriebene Menschen erinnern will, nach Herleshausen und Nesselröden zu holen, und wollen dabei helfen. 21 Stolpersteine sollen es nach derzeitigem Kenntnisstand erst mal werden.

„Wir trampeln nicht auf den Opfern herum, sondern erinnern uns mit den Stolpersteinen aktiv an sie.“

Karl-Heinrich Göpel

Dass sich mit Namen viel verbinden lässt, wissen die Herleshäuser. Wo es möglich war, tragen die Gräber auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof oberhalb des Ortes die Namen der dort Begrabenen. Damals war es Karl Fehr, der in seiner Funktion als Standesbeamter die Verstorbenen registrierte und ordentlich begraben ließ. Auf dem angrenzenden jüdischen Friedhof verhält es sich genauso. Dort wurden bis 1930 auch Eisenacher Juden beigesetzt.

So einige Überraschungen hatte Helmut Schmidt für seine Zuhörer auf Lager. Kaum einer wusste noch, dass der evangelische Kindergarten 1925 mit Rosel Wolf eine jüdische Kindergärtnerin hatte. Auf dem Bild, das Schmidt zeigte, sind knapp 20 Kinder, von denen zehn Jungen später im Zweiten Weltkrieg umkamen. Schmidt zeigte Personalausweise von jüdischen Mitbewohnern, die mit einem großen J gekennzeichnet sind. Er zeigte die Häuser jener Herleshäuser, die unter qualvollen Umständen in Konzentrationslagern umgekommen sind.

Was er macht, sei nicht nur Spurensuche, sondern auch Spurensicherung, will er damit sagen. Umso mehr freute es ihn, dass auch Konfirmanden und Mitglieder des Jugendraums Second Home anwesend waren, um über die Zeit des Schreckens mehr zu erfahren. „Wir sollten tunlichst mit Zeitzeugen sprechen, die noch leben, damit das Wissen nicht verloren geht“, mahnte Schmidt.

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem jüdischen Leben in der Gemeinde und bekommt regelmäßig Fotos und Dokumente zugesandt. Es ist wie ein Puzzle, das sich langsam, aber stetig zusammensetzt. Ein weiteres Teil davon wären die Stolpersteine des Kölner Erinnerungskünstlers Gunter Demnig.

„Wir wollen uns nicht nur anonym erinnern, sondern an konkrete Namen und Menschen - deshalb auch die vielen Bilder“, sagte Manfred Gerland vom Männertreff, der noch am Votragsabend einen Arbeitskreis mit zwölf Mitgliedern gründete. Gemeinsam wollen sie Kontakt mit Gunter Demnig aufnehmen und Sponsoren für die Steine finden. 2100 versprochene Euro kamen am Dienstagabend bereits zusammen. Eine Eschwegerin, deren Großeltern aus Herleshausen deportiert wurden, möchte zwei Stolpersteine beisteuern.

„Ich finde das Engagement hier in Herleshausen toll. Und vor allem, dass so viele junge Menschen mitmachen“, sagte Birgit Ziplies-Ariel. Die gebürtige Breitzbacherin ist mit einem Juden verheiratet und wohnt seit 31 Jahren in Jerusalem. In der jüdischen Gemeinschaft finde man das Projekt Stolpersteine sehr gut, sagte sie. Auch sie wolle dem Arbeitskreis helfen.

Von Stefanie Müller

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