Empfang zum 120-jährigen Geburtstag

Herleshausener Arztpraxis Marsch besteht seit drei Generationen

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Seit 2008 führt er die Herleshäuser Institution als Privatpraxis: Dr. Hans-Peter Marsch. Heute bietet er unter anderem Akupunktur und Neuraltherapie an. Seine Kenntnisse erweiterte er während drei China-Aufenthalten. Seit 45 Jahren unterstützt ihn Birgit Lehmann bei der Arbeit.

Herleshausen. Der Herleshausener Allgemeinmediziner Dr. Hans-Peter Marsch ist ein vielbeschäftigter Mann. Doch wenn sich der 71-Jährige Zeit nimmt und Anekdoten aus seiner 34-jährigen Berufspraxis erzählt, klingen seine Erinnerungen wie eine Mischung aus Geschichtsroman, Familiensaga und Spionagethriller. Derzeit gibt es Anlass genug, zurückzublicken: Am kommenden Dienstag, 20. Januar, feiert die Praxis Marsch ihr 120-jähriges Bestehen.

„Seit 1895 hat sich natürlich viel verändert“, sagt der eloquente Mediziner, der die Praxis in dritter Generation leitet. „Mein Großvater, Sanitätsrat Emil Marsch, eröffnete die Praxis damals in der Herleshäuser Sackgasse – er praktizierte im Parterre, in der ersten Etage der Tierarzt.“ Um die Jahrhundertwende folgte der Umzug in das Anwesen am Hainertor 11a, in der sich die Praxis noch heute befindet. „Hausbesuche wurden damals noch hoch zu Ross erledigt – heute undenkbar“, erklärt der Theaterfreund und lacht. Der Sanitätsrat sei bald darauf der Erste gewesen, der sich ein Auto gekauft habe – einen Opel. „Er war ein Exot in unserer Gegend“, erzählt Hans-Peter Marsch, der sämtliche Originaldokumente, unter anderem den Führerschein, sorgsam gesammelt und archiviert hat.

Relikte aus Großvaters Zeiten: Marsch betreibt das Privatmuseum „Doktorstube der Jahrhundertwende“ im Nebengebäude der Praxis.

Nach dem Tod des Großvaters 1945 („Sein Goldenes Doktorjubiläum hat er nich erlebt“), schuf Dr. Erich Marsch die Voraussetzungen, um die Praxis übernehmen zu können. „Mein Vater hatte zunächst Bergingenieurwesen studiert – doch als es in den Kaligruben in Heringen keine Arbeit mehr für ihn gab, schloss er ein Medizinstudium in Jena und Leipzig an“, sagt Marsch. 1944 geriet der Vater in russische Kriegsgefangeschaft. Als Sanitätsarzt hatte er am Russlandfeldzug teilgenommen und die Schlacht bei Stalingrad erlebt.

„Meine Mutter Ilse kehrte derweil mit mir und meinen drei Geschwistern von Berlin, wo ich auch geboren wurde, zurück nach Herleshausen.“ Nach seiner Rückkehr 1950 praktizierte der Vater als Arzt – Hausbesuche erledigte er im gesamten Südringgau mit einer alten Mofa: „Und zwar bei Wind und Wetter, bei Eis und Schnee. Unzählige Male ist er gestürzt“, erinnert sich Marsch und schmunzelt. 1973 schließlich übernahm er selbst die Praxis. 5000 Nachtdienste leistete er ab, half in seinen Anfangsjahren sogar fünf Kindern auf die Welt. Während der Teilung Deutschlands nahm er an der nahen Grenze DDR-Häftlinge in Empfang, die von der Bundesrepublik freigekauft wurden. „Diese Menschen erlitten zum Teil schlimme Folter – der letzte Patient kam am 16. November 1989, also wenige Tage nach dem Mauerfall, bei mir an.“ Etwa 15 Personen gebe es noch, die von Großvater, Vater und Enkel Marsch behandelt worden seien, weiß der Mediziner. Wie alle Herleshausener sind sie eingeladen zum Empfang anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Arztpraxis Marsch – einer Institution der Gemeinde.

Von Emily Spanel

Herleshausener Arztpraxis Marsch besteht seit 120 Jahren

120 Jahre Arztpraxis Marsch in Herleshausen

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