Hausbesuche hoch zu Ross

Herleshäuser Arztpraxis Dr. Marsch besteht seit 125 Jahren

Eingespieltes Team: Birgit Lehmann gehört ununterbrochen seit 50 Jahren zum Team der Arztpraxis Dr. Marsch. Eingestellt worden ist sie noch von Dr. Erich Marsch, Vater Dr. Hans-Peter Marschs (rechts). Unser Bild stammt von der Jubiläumsfeier im vergangenen Sommer.
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Eingespieltes Team: Birgit Lehmann gehört ununterbrochen seit 50 Jahren zum Team der Arztpraxis Dr. Marsch. Eingestellt worden ist sie noch von Dr. Erich Marsch, Vater Dr. Hans-Peter Marschs (rechts). Unser Bild stammt von der Jubiläumsfeier im vergangenen Sommer.

Während ihrem 125 Jährigen bestehen erlebte die Arztpraxis viele Höhen und Tiefen. Wir blicken noch einmal zurück.

Der Herleshäuser Allgemeinmediziner Dr. Hans-Peter Marsch ist ein viel beschäftigter Mann. Doch wenn sich der 76-Jährige Zeit nimmt und Anekdoten aus seiner 37-jährigen Berufspraxis erzählt, klingen seine Erinnerungen wie eine Mischung aus Geschichtsroman, Familiensaga und Spionagethriller. 

Derzeit gibt es Anlass genug, zurückzublicken: Am Montag, 20. Januar, feiert die Praxis Marsch ihr 125-jähriges Bestehen.

Viel Veränderung in 125 Jahren 

„Seit 1895 hat sich natürlich viel verändert“, sagt der Mediziner, der die Praxis in dritter Generation leitet. „Mein Großvater, Sanitätsrat Emil Marsch, eröffnete die Praxis damals in der Herleshäuser Sackgasse – er praktizierte im Parterre, in der ersten Etage.“ 

Um die Jahrhundertwende folgte der Umzug in das Anwesen am Hainertor 11a, in der sich die Praxis noch heute befindet. „Hausbesuche wurden damals noch hoch zu Ross erledigt – heute undenkbar“, erklärt Theaterfreund Dr. Hans-Peter Marsch mit einem Lächeln. Der Sanitätsrat sei bald darauf der Erste gewesen, der sich ein Auto gekauft habe – einen Opel. 

Ein Exot in Herleshausen 

„Er war ein Exot in unserer Gegend“, erzählt Hans-Peter Marsch, der sämtliche Originaldokumente, unter anderem den Führerschein, sorgsam gesammelt und archiviert hat.

Nach dem Tod des Großvaters 1945 („Sein goldenes Doktorjubiläum hat er nicht mehr erlebt“) schuf Dr. Erich Marsch die Voraussetzungen, um die Praxis übernehmen zu können.

„Mein Vater hatte zunächst Bergingenieurwesen studiert – doch als es in den Kaligruben in Heringen keine Arbeit mehr für ihn gab, schloss er ein Medizinstudium in Jena und Leipzig an“, sagt Marsch. 1944 geriet der Vater in russische Kriegsgefangenschaft. 

Von Stalingrad nach Herleshausen 

Als Sanitätsarzt hatte er am Russlandfeldzug teilgenommen und die Schlacht bei Stalingrad erlebt. „Meine Mutter Ilse kehrte derweil mit mir und meinen drei Geschwistern von Berlin, wo ich auch geboren wurde, zurück nach Herleshausen.“

Nach seiner Rückkehr 1950 praktizierte der Vater als Arzt – Hausbesuche erledigte er im gesamten Südringgau mit einem alten Mofa: „Und zwar bei Wind und Wetter, bei Eis und Schnee. Unzählige Male ist er gestürzt“, erinnert sich Dr. Hans-Peter Marsch und schmunzelt. 1973 schließlich übernahm er selbst die Praxis. 5000 Nachtdienste leistete er ab, half in seinen Anfangsjahren sogar fünf Kindern auf die Welt.

Zum 125-Jährigen gibt es einen Empfang 

Während der Teilung Deutschlands nahm er an der nahen Grenze DDR-Häftlinge in Empfang, die von der Bundesrepublik freigekauft wurden. „Diese Menschen erlitten zum Teil schlimme Folter. Der letzte Patient kam am 16. November 1989, also wenige Tage nach dem Mauerfall, bei mir an.“ 

Einige wenige Personen gebe es noch, die von Großvater, Vater und Enkel Marsch behandelt worden seien, weiß der Mediziner. Wie alle Herleshäuser sind sie eingeladen zum Empfang anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Arztpraxis Marsch – einer Institution der Gemeinde.

Feier am 20. Januar

125 Jahre Praxis Dr. Marsch in Herleshausen werden am Montag, 20. Januar, gebührend gefeiert. Los geht es um 11 Uhr in den Praxisräumen am Hainertor 11a. Statt Geschenken wird eine Spende für die Südringgauschule Herleshausen erbeten. Dr. Hans-Peter Marsch und das gesamte Praxis-Team freuen sich auf zahlreiche Besucher. Die Feier klingt gegen 16 Uhr aus.

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