Eigene Geschichte entschlüsseln

Fragen und Antworten zur Beratung für Betroffene von SED-Unrecht 

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Herleshausen. Gelegen an einer Transitstrecke, den Grenzbahnhof auf Gemeindegebiet – die einzigartige geografische Lage Herleshausens macht den Ort bis zum Jahr 1989 besonders interessant für die DDR-Staatssicherheit.

Mit großer Intensität wird das Gebiet überwacht; ein Netz an informellen Mitarbeitern wacht mit Argusaugen über geplante Republikfluchten in Richtung Westen.

Anlässlich es 28. Jahrestags des Mauerfalls findet nun der Beratungs- und Informationstag „Wie kann ich meine Stasi-Akte einsehen“ in Herleshausen statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

? Was ist anlässlich des Beratungs- und Informationstags geplant?

! Ein Archivar des Stasi-Unterlagen-Archivs schildert am Donnerstag, 9. November, im Gemeinschaftshaus Herleshausen, wie die DDR-Geheimpolizei das einstige Zonenrandgebiet ausspähte, den deutsch-deutschen Reiseverkehr überwachte und den Postfluss kontrollierte. Eine Text- und Fotodokumentation wird den Vortrag, der um 18 Uhr beginnt, visuell begleiten. Es laden ein die Außenstelle Erfurt des Stasi-Unterlagen-Archivs (BStU), die Gemeinde Herleshausen, der Werra-Meißner-Kreis sowie der Werratalverein Zweigverein Südringgau.

? Werden Fragen der persönlichen Betroffenheit geklärt?

! Ja. Bereits ab 14 Uhr besteht die Möglichkeit für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene, sich im Konferenzzimmer des Herleshäuser Gemeinschaftshauses zur Einsicht in die Stasi-Akten beraten zu lassen. Hier kann direkt ein Antrag auf Akteneinsicht gestellt werden. Ein Personaldokument ist erforderlich. Ein Mitarbeiter des Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird vor Ort zu Rehabilitierungsmöglichkeiten und sozialen Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen beraten.

? Was bedeutet Rehabilitierung in diesem Zusammenhang?

! Zugrunde liegen die SED-Unrechtsbereinigungsgesetze. Beraten und unterstützt werden Betroffene und Hinterbliebene hinsichtlich der strafrechtlichen (Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz), verwaltungsrechtlichen (Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Organe gegen Eingriffe in Gesundheit, Vermögen und Beruf) sowie beruflichen Rehabilitierung (Nachteilsausgleich für politisch motivierte Eingriffe in Ausbildung und Beruf).

? Wer hat noch einen Nutzen vom Beratungs- und Informationsangebot?

! Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Medienvertreter und natürlich Geschichtsinteressierte. Entsprechende Publikationen für die diversen Interessensgebiete werden bereitgehalten. Ebenfalls ist spezielles Informationsmaterial über die korrekte Nutzung von Stasi-Unterlagen für Forschung und in den Medien vorhanden. Weitere Einblicke in das Stasi-Unterlagen-Archiv zu speziellen Themen ermöglichen kostenfrei ausliegende Dokumentenhefte, sagt Wolfgang Brunner, Leiter der Außenstelle Erfurt des BStU.

• Termin: Donnerstag, 9. November, 14 bis 18 Uhr, Gemeinschafthaus Herleshausen, Bahnhofstraße 15.

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