Nicht vergessen, stets bewahren

Gäste aus Kentucky/USA besichtigen Stolpersteine und gedenken der eigenen Vorfahren

Herleshausen. Für Ray Newton aus Bowling Green, Kentucky/USA, war es ein sehr bewegender Moment. Er stand vor dem Geburtshaus seiner Mutter an der Gartenstraße in Herleshausen.

Eben vor diesem Haus, aus dem seine Mutter Adelheit Müller (später Alice Newton) und die Großeltern Marianne und Isidor Müller im Herbst 1936 in die Vereinigten Staaten auswanderten und so dem immer größer werdenden Druck der Nazis auf die in Herleshausen und Nesselröden lebenden Juden entgingen. Auch Newtons Onkel, Moses Max Müller flüchtete bereits im Winter 1933 nach Los Angeles.

Wütender Mob

Helmut Schmidt vom Arbeitskreis Stolpersteine in Herleshausen berichtete anhand der Aufzeichnungen, unter welchen enormen Anfeindungen Newtons Mutter in den 1930er-Jahren leben musste. So erzählte er, dass Adelheit Müller unter anderem von einem jungen Mann aus Eisenach in ein Herleshäuser Café eingeladen wurde. Dieser junge Mann wurde einen Tag später von einem wütenden Mob gezwungen, mit einem Schild um den Hals durch Herleshausen zu laufen, auf dem geschrieben stand: „Ich bin ein Schwein, lasse mich mit einer Jüdin ein.“ Um der Lynchjustiz zu entgehen, wurde der Mann zum Schutze verhaftet. Der damalige Bürgermeister ließ den Eingesperrten nachts frei und empfahl ihm, sich nicht mehr in Herleshausen blicken zu lassen. Die Familie aus der Gartenstraße zog dann in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach New York City. Solche Ereignisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, Vergangenes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Weitere Steine

Der Arbeitskreis Stolpersteine sorgt dafür, dass eben diese Menschen nicht vergessen werden. Mittlerweile hat der Verein mit Unterstützung rund 80 Stolpersteine in Herleshausen und weitere 15 in Nesselröden verlegen lassen. Sie alle stammen aus der Hand des Künstlers Gunter Demnig und laden zum Verweilen und Gedenken ein. Insgesamt sollen es 115 der Messingquader werden.

Ort der Erinnerung

Ray Newton, dessen Tochter Elaina Hill und der in Frankfurt lebende Cousin Eric Brück waren sichtlich gerührt. Die Namen ihrer Vorfahren mit dieser wichtigen Bedeutung zu lesen, erfreute sie, und sie bedankten sich bei Bürgermeister Burkhard Scheld und Helmut Schmidt für diese große Anerkennung. Für Ray Newton wird die Erinnerung bleiben, dass in Herleshausen noch ganz lange seiner Mutter gedacht wird.

Von Manuel Ebel

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