Fronten in Herleshausen  sind verhärtet

Vorwürfe, Beleidigungen und eine Sitzungsunterbrechung: Gemeindevertreter entzweien sich über Grüngut-Sammelplatz

Wohin mit dem Grünschnitt aus dem eigenen Garten? Über diese Frage entzweiten sich die Gemeindevertreter Herleshausens in ihrer jüngsten Zusammenkunft am Dienstagabend so sehr, dass die Sitzung unterbrochen werden musste – Beleidigungen inklusive.

Die Ausgangssituation

Der jahrelang genutzte Sammelplatz zwischen Herleshausen und dem Ortsteil Wommen (Kiesgrube) wurde im Februar geschlossen. „Der Platz war nie ein offizieller, sondern lediglich ein geduldeter“, begründete Bürgermeister Lars Böckmann den Schritt. Sein Vorhaben: Die Eröffnung eines neuen Sammelplatzes, der alle Auflagen erfülle und „nicht wie bisher gegen die Abfallverordnung verstößt“, in Herleshausen. Die Formalitäten aber ziehen sich bis zum heutigen Tag.

Die SPD

Mehrfach hakte die SPD-Fraktion in den vergangenen Gemeindevertretersitzungen in Sachen Sammelplatz nach. „In der entsprechenden Information wird auf eine andere Lösung verwiesen und unseren Bürgern zugemutet, ihren Grünschnitt nach Weidenhausen zu fahren“, beklagt Helmut Wetterau für die SPD-Fraktion.

Der Vorwurf

Die Begründung für die Schließung des Platzes sei von Bürgermeister Lars Böckmann frei erfunden worden, teilt die SPD-Fraktion mit: Das hessenweite Modellprojekt sei auch auf der Fläche „Kiesgrube“ möglich. Das hätten Nachfragen bei Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann ergeben. „Es hat weiterhin nie naturschutzrechtliche Auflagen des Kreises gegeben.“ Für solche Lagerplätze zuständig sei auch nicht der Kreis, sondern das Regierungspräsidium (RP) in Kassel.

Die Anträge

Um den Platz Kiesgrube nun mit sofortiger Wirkung wiedereröffnen zu lassen, wollte die SPD-Fraktion einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung heben lassen – zum Missfallen von Lars Böckmann: Der bat inständig darum, den Antrag zurückzunehmen. „Denn das Ergebnis wäre die endgültige Schließung: Der Platz verstößt klar gegen die Abfallordnung. Am Ende leiden also die Bürger unter dem Vorstoß.“

Der Gemeindevorstand

Der Bürgermeister wies nun seinerseits einen Beschluss des Gemeindevorstandes vor: An zwei Terminen im Jahr soll der Grünschnitt vorerst entgegengenommen und durch Bauhof-Mitarbeiter fachgerecht entsorgt werden. Nichts von diesem Beschluss gewusst habe man, echauffierten sich daraufhin die SPD-Mitglieder des Gemeindevorstands – ungeachtet ihres nicht gegebenen Rederechts im Gremium. Ein „Lügner“ sei Bürgermeister Böckmann gar. Knackpunkt: Die Gemeindevorstandssitzung hatte erst eine halbe Stunde vor der Gemeindevertretersitzung stattgefunden. Beide SPD-Mitglieder waren nicht von Beginn an anwesend.

Das Ergebnis

Der Antrag der SPD-Fraktion hat es nach Abstimmung nicht auf die Tagesordnung geschafft. Der Gemeindevorstandsbeschluss hat nun mindestens bis zur nächsten Sitzung Gültigkeit. Für die verbale Entgleisung entschuldigte sich das SPD-Vorstandsmitglied öffentlich.

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