Mangel bleibt chronisch

In der Gemeinde Herleshausen fehlt es an Ärzten 

Unterversorgt: Der Gemeinde Herleshausen mangelt es an Hausärzten und einer adäquaten Vertretungsregelung. Nun hat auch noch die Zahnarztpraxis Jörg Salzmann ihre Pforten geschlossen. Symbolfoto: Archiv

Herleshausen. Der Ärztemangel in der Gemeinde Herleshausen bleibt chronisch. Eine zusätzliche Lücke in das in jüngster Vergangenheit ohnehin stark dezimierte Versorgungsangebot hat die überraschende Schließung der Zahnarztpraxis Jörg Salzmann gerissen.

„Und erkennt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Notwendigkeit zum Handeln nicht schnell, blicken wir einer sehr, sehr schwierigen Zukunft entgegen“, sagte Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld am Dienstagabend vor der versammelten Gemeindevertretung.

Die Verantwortung für die Ärzte vor Ort trage nicht etwa die Kommune, sondern die KV. „Rein statistisch gesehen“, so der Bürgermeister mit einem Kopfschütteln, sei die Region momentan mit Hausärzten überversorgt. „Wenn sich aber beispielsweise in der Kreisstadt Eschwege viele Ärzte niederlassen, in Herleshausen aber kein einziger, ist diese Rechnung meilenweit von der Realität entfernt.“

„Gravierende organisatorische Mängel“ bescheinigt Scheld zudem der Poliklinik Eisenach. Diese hat ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) an der Herleshäuser Gartenstraße installiert. Fällt die dort angestellte Ärztin in einem Teilzeit-Beschäftigungsverhältnis etwa wegen eigener Krankheit oder Urlaub aus, ist ein langer Atem gefragt: Zwar sei zuletzt eine Vertretungspraxis im thüringischen Seebach (Wartburgkreis) angegeben gewesen – von den Patienten aus Herleshausen wollte man dort aber offenbar nichts gewusst haben. „Von einem Unternehmen der Größe der Poliklinik Eisenach kann man erwarten, eine angemessene Vertretungsregelung zu finden“, konstatierte Johann Bussas von der SPD-Fraktion.

Schlicht „nicht zumutbar“ sei die Fahrtstrecke von 30 Kilometern von Herleshausen nach Seebach, erklärte Walter Göpel (WSRG). Er forderte, nicht nur das Gespräch mit dem MVZ in Eisenach zu forcieren, sondern auch das Gespräch mit allen Ärzten in der näheren Umgebung – etwa in Netra und in Gerstungen – zu suchen. „Die momentane Situation ist nicht zu akzeptieren“, bilanzierte Erich Möller (CDU). „Die Gemeinde Herleshausen hat in kürzester Zeit nahezu alle Ärzte verloren. Der Druck wächst.“ 

Böse Überraschung: Jörg Salzmann gibt Arztsitz zurück

Jörg Salzmann hat seine Zahnarztpraxis an der Herleshäuser Bahnhofstraße zum 30. Juni geschlossen. Böse Überraschung für die Kommunalpolitiker: Auch seinen Arztsitz hat Salzmann zurückgegeben. Das birgt zusätzliche, gravierende Probleme für die Gemeinde. „Nun muss nicht nur ein neuer Zahnarzt gefunden werden – dieser benötigt auch eine neue Genehmigung für seine Praxis“, erläuterte Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld. Und da die Praxisausstattung technisch veraltet und das Gebäude Baumängel aufweise, müsse kräftig investiert werden. 

Eine gute Nachricht aber hatte Scheld auch parat: Ein Interessent sei bereits gefunden, erste Gespräche geführt und mehrere Begehungen der Räumlichkeiten absolviert. „Richtet der Interessent die Praxis ein, soll die Kommune das restliche Gebäude auf Vordermann bringen“, so der Bürgermeister. Eine Mindestvoraussetzung sei etwa der Bau eines behindertengerechten Zugangs. Rund 25.000 Euro müsse die Gemeinde dafür aufbringen – und das schnell, denn die Zeit drängt. 

Zugutekommen könnte der Kommune dabei die interkommunale Zusammenarbeit mit Sontra und Nentershausen. Letztgenannte Gemeinde würde zugunsten der Herleshäuser Zahnarztpraxis auf Fördermittel in genannter Höhe verzichten. „Ob dieser Lösungsansatz umsetzbar ist, muss nun in Gesprächen mit der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen abschließend geklärt werden“, sagte Burkhard Scheld. (esp)

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