Weidende Wahrzeichen

Rund um Gut Hohenhaus leben vom Aussterben bedrohte Braune Bergschafe

Rar, robust – und äußerst sehenswert: Die Braunen Bergschafe rund um Gut Hohenhaus bei Holzhausen. Typisch sind die dichte, cognacfarbene Wolle, der ramsnasige Kopf und die breiten Hängeohren. Foto: Spanel

Holzhausen. Das Braune Bergschaf gilt als eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Tatsächlich aber sind die seltenen Tiere auch im Werra-Meißner-Kreis zu finden: Rund um Gut Hohenhaus bei Holzhausen.

Selten ist ihr Anblick, und doch so vertraut. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört die friedlich grasende Herde Brauner Bergschafe fest zum Bild des Gutes Hohenhaus bei Holzhausen. Ein Wahrzeichen, vom Aussterben bedroht. Und doch: Eigentlich in den Alpen beheimatet, haben die cognacfarbenen Tiere mit Seltenheitswert auf den Wiesen rund um das Gut wenig zu meckern. Seit dem Jahr 1994 schon wächst und gedeiht die putzmuntere Kolonie.

Die Wahl, sagt Gutsverwalter Stephan Boschen, sei seinerzeit nicht grundlos auf diese speziellen Tiere gefallen. Robust sollten sie sein und hauptsächlich für die Pflege des weitläufigen Geländes eingesetzt werden. Nicht zuletzt sei der Zufall zur Hilfe geeilt: Auf dem Rückweg vom Skiurlaub in den Alpen fiel der Familie Boschen die außergewöhnliche Rasse mit dem schmalen Kopf und den breiten Hängeohren ins Auge.

Informationen wurden eingeholt, der Beschluss gefasst – und schon kamen die ersten drei Braunen Bergschafe, eines davon trächtig mit weiteren drei Lämmern, per Anhänger aus Bayern nach Holzhausen, um hier eine neue Heimat zu finden.

Noch immer ist der Bestand der Braunen Bergschafe akut bedroht. Kaum mehr 1000 Tiere gab es einst, und auch heute ist die Nutztierrasse noch längst nicht über den Berg. Dabei ist das Braune Bergschaf durchaus vermehrungsfreudig, hält sich im Gegensatz zu anderen Rassen nicht an bestimmte Jahreszeiten oder Zyklen: Dadurch können Braune Bergschafe mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen. „Asaisonal“, werde dieses Verhalten genannt, erklärt Stephan Boschen.

Einen kompetenten Ansprechpartner in Sachen Haltung, Pflege und Zucht Brauner Bergschafe, die sich im Übrigen durch eine hohe Qualität an Wolle – die sich hervorragend verfilzen, verspinnen und zu Loden verarbeiten lässt – sowie einen geringen Fettanteil im Fleisch auszeichnen, hat der Gutsverwalter in Schäfer Klaus-Jürgen Honig aus Kaufungen gefunden; und auch in Waldkappel hat sich die Familie Schenk den Braunen Bergschafen verschrieben. „Eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt Stephan Boschen – auch aus rein praktischen Gesichtpunkten. Hin und wieder etwa müssten Böcke ge- und austauscht werden, um die Herde gesund erhalten zu können.

Aus rund 20 Tieren besteht selbige rund um Gut Hohenhaus – „und so“, sagt Stephan Boschen, „soll es auch in der Zukunft bleiben“.

Wussten Sie schon, dass ... 

... das Braune Bergschaf aus dem Alpenraum stammt? Hauptzuchtgebiete sind Oberbayern, das Tiroler Oberinntal und das Engadin in der Schweiz.

... das seltene Nutztier zu den größeren Vertretern seiner Rasse zählt? Jährlingsböcke bringen es auf ein Lebendgewicht von bis zu 90 Kilogramm; Altböcke können sogar bis zu 120 Kilogramm wiegen. Mutterschafe haben ein Gewicht zwischen 60 und 85 Kilogramm.

... es am Tegernsee lange eine fürstliche Stammzucht-Herde gab? Es heißt, Ludwig II, König von Bayern (1845 - 1886), ließ für seine Bediensteten Loden aus der Braunen Bergschafwolle herstellen.

... das Braune Bergschaf in Bayern fast ausgerottet war? Weiße Bergschafe etwa brachten deutlich mehr Schlachtgewicht. Erst in den 1970er-Jahren begannen Schafhalter wieder mit der Reinzucht. (esp)

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