Verein "Lebendige Burg" Tannenberg auf experimenteller Wanderung

Der Holzschuh dröhnt im Kopf

Wolle hält trocken. Auf dem Marsch im Regen testen die Mitglieder des Vereins „Lebendige Burg“ Tannenberg die Funktionalität rekonstruierter Mittelalterbekleidung. Von links: Mathias Alt, Frank Ludewig, Stephan Rieß und Stefan Ley. Fotos: Weber

Holzhausen. Sechzehn Kilometer Fußmarsch über den Werra-Burgensteig in mittelalterlicher, exakt rekonstruierter Bekleidung - dieses ehrgeizige Ziel verfolgten die Mitglieder des Vereins „Lebendige Burg“ der Tannenburg.

Von Holzhausen liefen sie bis nach Nentershausen, um das Material zu testen und über die Selbsterfahrung zu erleben, wie sich Mobilität im Mittelalter hautnah angefühlt haben kann.

Mit Hut und Stock. Ein Hut, ein warmer Mantel aus Wolle und ein Wanderstock sind die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände des Pilgers. Hier Frank Ludewig.

„Unser Experiment fällt somit unter den Begriff der Experimentelle Archäologie, das wissenschaftliche Erproben mittelalterlicher Lebensweise im Selbstversuch“, erklärt Frank Ludewig aus Kassel, und Martin Schneider fügt hinzu: „Das Lagerleben, Militär, Handwerk und Kochen, solche Dinge sind inzwischen ja zur Genüge erprobt worden. Wir wollten uns deshalb dem Aspekt der Mobilität zuwenden.“

Im Mittelalter waren viele Leute auf den Straßen unterwegs, angefangen vom Bauern, der seine Waren zwölf Kilometer in der Kiepe bis zum nächsten Markt trug, über den Pilger, Kaufmann bis zum Adligen, der natürlich vorzugsweise auf dem Pferd ritt. Welche Erfahrungen konnten beim Experiment gesammelt werden? „Das Wetter war kühl und regnerisch, so konnten wir testen, ob die rekonstruierte Kleidung den Anforderungen entspricht“, erklärte Stephan Rieß von der Tannenburg.

Die Woll- und Leinentuniken mit ihren weiten Schnitten erwiesen sich dabei als optimal, ebenso wie moderne Funktionskleidung es heute leistet. „Obwohl man beim Laufen warm wurde, trug die Kleidung zur Kühlung bei, während in den Pausen die Wolle den kalten Wind von außen nicht hindurch ließ“, sagte Matthias Alt aus Fulda. Die aus Holz geschnitzten Schuhe erwiesen sich im Matsch als sehr wasserresistent.

Der Umhang sitzt. Jens Kertscher pilgerte ebenfalls ausstaffiert in mittelalterlicher Gewandung mit.

„Allerdings habe ich immer versucht, möglichst im Gras zulaufen, sonst dröhnt jeder Schritt im Kopf“, räumt Frank Ludewig ein. Durch das Laufen auf Asphalt, was bei der modernen Wegführung nicht zu vermeiden war, nutzten sich die Holzschuhe auf der 16 Kilometer langen Strecke jedoch um einen halben Zentimeter ab.

„Das ist aber insofern kein Problem, als im Mittelalter auch die Angehörigen der unteren Sozialschichten sich Holzschuhe relativ einfach selbst schnitzen konnten, wenn sie abgelaufen waren“, ergänzte Stefan Ley von der Tannenburg. Lederschuhe waren viel teurer in der Herstellung und wurden deshalb vor allem von den sozialen Oberschichten getragen. „In Lederschuhen hatte man jedoch keine Federung wie heute“, sagt Frank Ludewig. „Man läuft damit gewissermaßen direkt auf dem Boden.“

Für die Vereinsmitglieder war das Experiment erfolgreich, denn die mittelalterliche Kleidung hat ihr Praxistauglichkeit und ihre guten Eigenschaften auf dem Marsch bewiesen.

Von Kristin Weber

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