Sieben Stationen der Passion

In Willershausen wird vor dem Osterfest der Kreuzweg gegangen

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Bibelverse, Meditationen und Gesänge: (von links) Birgit Lehmann und Pfarrerin Katharina Siebert erinnern auf dem Willershäuser Heiligenberg an den Leidensweg Jesu. Mit dabei sind in diesem Jahr auch die Vorkonfirmanden.

Willershausen – Klirrend kalt, ja eisig ist es, als sich 20 Jugendliche und Erwachsene jüngst aufmachen, den Willershäuser Kreuzweg zu laufen. Wir haben sie dabei begleitet.

Schweigend, gemeinsam allein mit den Gedanken, die nach dem hektischen Alltagstrubel im Kopf herumgehen – und mit allem, was das Herz schwer macht. Den Leidensweg Jesu nachzuempfinden hat sich der Zug aufgemacht – angeleitet und begleitet mit Gebeten, Meditationen und Gesängen.

Tim, der im nächsten Jahr Konfirmation feiert, geht der Gruppe mit dem hölzernen Vortragekreuz voran. An insgesamt sieben Stationen vom Ortschild Willershausens bis hinauf zum Heiligenberg macht der Zug Halt. Die heilige Zahl sieben spielt in der christlichen Frömmigkeit eine wichtige Rolle – erinnert sei an die sieben Bitten im Vaterunser, die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz, die sieben Gaben des Heiligen Geistes und die sieben Schmerzen Mariens.

Hölzernes Vortragekreuz: Tim geht der schweigenden Gruppe voran.

In Willershausen markieren einfache Holzkreuze diese Punkte des Innehaltens. Im Wechsel erinnern die Pfarrerinnen Katrin Klöpfel, die den erkrankten Dr. Manfred Gerland vertritt, und Katharina Siebert sowie Maja Möller-Janus und Birgit Lehmann dort an den biblischen Leidensweg Jesu von der Burg Antonia bis hin zur „Schädelstätte“ Golgatha. Themen des christlichen Heilswegs werden im Zusammenspiel meditiert; das Lied „Holz auf Jesu Schulter“ von Jürgen Henkys begleitet die Laufenden.

Ziel der Gruppe ist das Andachtsbild, ein Abguss einer Pieta aus dem nahen Eichsfeld auf dem Heiligenberg. Hier werden die Gläubigen, mittlerweile innerlich und äußerlich erwärmt durch Bewegung und Gedanken, dazu eingeladen, eigene Sorgen, Schmerzen und Verlusterfahrungen vor Gott im Gebet auszubreiten – und ihn um Verwandlung und Hilfe zu bitten.

Zielort: die „Schmerzensmutter“, die Pieta.

Seit Jahrhunderten schon begleitet Willershausen die Tradition des Kreuzwegs – bereits vor 600 Jahren, so ist es in der Chronik des Ortes nachzulesen, kamen Wallfahrer und Pilger in den Ort. Vermutlich hat es auch zu dieser Zeit eine Kapelle auf dem Heiligenberg gegeben, bestückt mit einem Bild der lauretanischen Jungfrau Maria. „Wundersame Dinge“ seien hier geschehen, heißt es, und viele Menschen seien gesund geworden.

Das Geheimnis dieses wundersamen Weges jedenfalls kann bis heute nur der ergründen, der den Mut hat, ihn auf sich zu nehmen – allein oder in der Gruppe, in jedem Jahr, vor dem Osterfest.

Hintergrund: Leidensgeschichte Jesu

Der Kreuzweg ist die Darstellung der Leidensgeschichte Jesu, die Nachbildung des Weges, den Jesus als letzten seiner Erdenwege gegangen ist, als er das Kreuz nach Golgata hinauftrug (Johannes 19,17). Ausgehend vom Ort der Verurteilung, der Burg Antonia, dem Sitz des Landpflegers Pontius Pilatus führte der Weg durch die engen belebten Gassen Jerusalems und endete an der sogenannten „Schädelstätte“, die auf Hebräisch Golgata heißt. Diese Schmerzensstraße (via dolorosa) sind Christen seit den ersten Jahrhunderten immer wieder nachgegangen, und seit dem 4. Jahrhundert nach Christus setzte eine regelrechte Wallfahrt zu den Stätten des Wirkens und Sterbens Jesu im Heiligen Land ein.

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