Arbeit doppelt preisgekrönt

Interview mit Dr. Marlene Laufer aus Herleshausen zu ihren Forschungen zur Zuckerrübe

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Wertvolle Kulturpflanze: die Zuckerrübe. Wird die Befalls- und Besiedlungsstrategie der Viren, die sie angreifen können, entschlüsselt, können Ernteminderungen und -ausfälle vermieden werden.

Herleshausen – Die Zuckerrübe, Königin der Feldfrüchte, wird in Hessen auf rund 14 200 Hektar Ackerland angebaut. Ein wichtiges Standbein ist sie für die heimischen landwirtschaftlichen Betriebe, noch dazu die bedeutendste Zuckerpflanze der gemäßigten Breiten.

Besonders um die Erforschung der Zuckerrübe verdient gemacht hat sich eine Herleshäuserin: Dr. Marlene Laufer, geborene Dach, ist gleich mehrfach für ihre Erkenntnisse ausgezeichnet worden.

Woher stammt Ihr Interesse an der Zuckerrübe?

Dr. Marlene Laufer: Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Meine Eltern haben einen eigenen Betrieb in Herleshausen: Neben der Haltung von Milchkühen mit eigener Nachzucht, Grünlandbewirtschaftung und Rotkleevermehrung werden Getreide, Mais und eben Zuckerrüben angebaut. Nach dem Abitur habe ich zusätzlich praktische Erfahrungen gesammelt.

Wissenschaftlich untermauert haben Sie Ihre Erkenntnisse an der Universität Göttingen.

Ja, während des Studiums der Agrarwissenschaften. Ein Semester verbrachte ich in den USA: Schwerpunkt war ein Praktikum beim United States Department of Agriculture. Meine Masterarbeit schließlich fertigte ich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) an – 2014 wurde diese Arbeit von der Jugendförderung Franken ausgezeichnet.

Damit nicht genug: Auch Ihre Dissertation ist preisgekrönt.

(lacht) Richtig. Beschäftigt habe ich mich mit den sogenannten Benyviren und deren Krankheitskomplex an der Zuckerrübe.

Was genau haben Sie erforscht?

Das „Beet necrotic yellow vein virus“ (BNYVV) ist das bekannteste Benyvirus. Es ist weltweit verbreitet und löst die viröse Wurzelbärtigkeit an Zuckerrüben aus. Hierdurch können bei anfälligen Sorten wirtschaftliche Schäden von bis zu 80 Prozent entstehen. Ein weiteres Benyvirus ist das „Beet soil-borne mosaic virus“ (BSBMV), welches bisher kaum erforscht wurde. Beide Viren sind nahe verwandte Spezies mit einem ähnlichen Wirtspflanzenkreis, jedoch unterschiedlicher Molekularbiologie. Die Ursachen für diese Unterschiede sind bis heute zum Großteil unverstanden.

Was ist das Ziel Ihrer Forschungen?

Der wichtigste Aspekt ist, dass das BNYVV in der Zuckerrübe durch pflanzliche Resistenzeigenschaften kontrolliert wird. Dadurch bleibt der Zuckerrübenanbau wirtschaftlich. Die BNYVV-Resistenzen sind jedoch in der Dauerhaftigkeit durch das Auftreten von resistenzüberwindenden Varianten begrenzt. Für das BSBMV sind bisher keine natürlichen Resistenzen bekannt und die wirtschaftlichen Schäden bisher nicht erforscht. Hier besteht nun die Gefahr: Was passiert in der Zuckerrübe, wenn beide Benyviren sie gleichzeitig befallen? Was für Auswirkungen hat dies auf den Zuckerrübenertrag und die BNYVV-Resistenz?

Es gelang Ihnen, die Viren zu klonen.

Mit Hilfe molekulargenetischer Methoden untersuchte ich die Interaktionen zwischen der Zuckerrübenpflanze als Wirt und den beiden Benyviren BSBMV und BNYVV. Durch die Herstellung infektiöser Klone konnten erstmals unter künstlichen Bedingungen Studien über die Austauschbarkeit des Genoms beider Viren betrieben werden.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Auf jeden Fall in der Landwirtschaft. Sehr gerne möchte ich auch die Forschung rund um die Zuckerrübe intensivieren – allerdings erst nach der Geburt meines zweiten Kindes und der anschließenden Elternzeit (lächelt).

Zur Person 

Dr. Marlene Laufer (geborene Dach) ist 32 Jahre alt und in Herleshausen aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte Dr. Marlene Laufer eine Ausbildung zur staatlich geprüften landwirtschaftlich-technischen Assistentin in Lüneburg (Norddeutschland) sowie in Asendorf (Landkreis Diepholz) bei der Deutschen Saatgutveredelung AG. An der Georg-August-Universität Göttingen nahm sie im Jahr 2008 das Studium der Agrarwissenschaften auf. Für ihre Masterarbeit wurde sie erstmals im Jahr 2014 ausgezeichnet. Nach bestandener Prüfung absolvierte sie ein Praktikum in Uganda. Dr. Marlene Laufer ist verheiratet und Mutter einer Tochter. 

Fördersummen von bis zu 2000 Euro

Die Jugendförderung Franken der süddeutschen Zuckerwirtschaft unterstützt junge Leute im Zuge ihrer Ausbildung. Gefördert werden Studiengänge in den Bereichen Agrarwissenschaften, Ernährung und Umwelt. Die Jugendförderung Franken vergibt außerdem jährlich den Förderpreis der süddeutschen Zuckerwirtschaft. Mit diesem Preis werden Bachelor-, Masterarbeiten oder Disserationen ausgezeichnet, die wissenschaftliche Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Zuckerrübenanbaus bringen. Hervorragende Bachelor- und Masterarbeiten werden mit maximal 1000 Euro honoriert; Dissertationen mit maximal 2000 Euro. Weitere Informationen gibt es im Internet unter https://bisz.suedzucker.de.

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