Hauptgestüt Altefeld besteht seit 100 Jahren

Gestüt Altefeld hat in 100 Jahren legendäre Pferde hervorgebracht

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Mit drei gekörten Altefelder Hengsten: vorn Doris Graf mit Altefelds Götterfunken, dahinter Elsa Graf mit Graf Skalde und schließlich Fenja Graf mit Prämienhengst Graf Faedo an der Auffahrt Alterhof. 

Vor 100 Jahren wurde mit dem Hauptgestüt Altefeld der Abschluss in der Geschichte der preußischen Gestüte geschaffen. Heute sorgen Manfred Graf und Familie für Leben auf dem Gestüt.

Wer auch nur ein bisschen in den Annalen des Hauptgestüts Altefeld auf den Höhen des Ringgaus stöbert, der stellt erstaunt fest, dass mit diesem Kleinod der Pferdezucht eine schier unglaubliche Anzahl legendärer Pferde, Menschen und Institutionen verbunden ist. Altefeld – das ist jener Ort, an dem sich wie in keinem zweiten die Spuren aus 100 Jahren Pferdesport und der Zucht von Vollblütern, Trakehnern und Warmblütern kreuzen.

„Der Erwerb des Gestütes durch Manfred W. Graf im Jahr 1981 stellt einen Glücksfall für die Bewahrung des Kulturgutes Pferd in unserem Land dar“, schrieb Breido Graf zu Rantzau als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung einst. „Ihm und seiner Gattin Doris ist es zu verdanken, dass wir uns auch heute noch – 100 Jahre nach der Gründung – an diesem herrlichen Gestüt erfreuen dürfen.“

Die Anfänge

Schon Friedrich Barbarossa (1122-1190) soll einst Pferde in der prachtvollen Landschaft des Ringgau-Hochplateaus gezüchtet haben. Ortsnamen wie Pferdsdorf deuten darauf hin, dass in der Region schon früh Pferdezucht betrieben wurde. Als im ausgehenden Mittelalter die Ritter von ihren Burgen hinab ins Tal zogen, wurde der Ringgau als eine Art „Almweide“ für Pferde genutzt.

Die Gründung

Nachdem beschlossen worden war, das staatliche Vollblutgestüt von Graditz (Landkreis Nordsachsen) nach Altefeld zu verlegen, kaufte die preußische Gestütsverwaltung das Gelände im Jahr 1913 vom Landgrafen Chlodwig von Hessen. Mit der Gründung des preußischen Hauptgestüts Altefeld 1913 durch Oberstallmeister Burchard von Oettingen kamen ostpreußische Gestütswärter nach Altefeld.

Das neue Hauptgestüt hatte eine Gesamtfläche von 3150 Morgen – 1000 Morgen Wald, 1150 Morgen Weide, 300 Morgen Wiese, 600 Morgen Ackerland und 100 Morgen an Gebäuden, Wegen und Umland. Während der Zeit des Ersten Weltkriegs erfolgten die wichtigsten Aus- und Umbauarbeiten.

Der Beginn

Im Februar 1919 schließlich kamen die ersten 33 Vollblutstuten aus Graditz und vier weitere vom Hauptgestüt Beberbeck (Hofgeismar, Landkreis Kassel) nach Altefeld. Und ebendieses Jahr, in dem der Gestütsbetrieb regulär aufgenommen wurde, ist der Grundstein für die 100-Jahr-Feier.

Der Begründer der erfolgreichsten deutschen Hengstlinie, Dark Ronald, wechselte im Übrigen am 21. Oktober 1920 von Graditz nach Altefeld – zu einem Preis von 500 000 Goldmark.

Die Geschichte

Altefeld war im Laufe der vergangenen 100 Jahre Hauptgestüt, Heeresgestüt und Heeresvollblutgestüt. Als Pensionsgestüt wurde Altefeld zum Gastgeber für die Gestüte Schlenderhahn und Oppenheim sowie für die Pferde von Adolf Schindling. Die Ansiedlung des Traditionsgestüts Wanfried zu Beginn der 1960er-Jahre schließlich machte Altefeld zu einem Zentrum der deutschen Vollblutzucht. Verzeichnet wurden beeindruckende Rennerfolge. Bis zur Auflösung des Gestüts Wanfried 1981 gab es insgesamt acht Derbysieger: Dionys, Alchimist, Birkhahn, Asterblüte, Kaliber, Kilometer, Ilix und Elviro.

Die Ära Graf

Das Gestüt Altefeld ist heute mustergültig gepflegt; die historischen Gebäude aus Naturstein top in Schuss. Kein Wunder, spürt man die Begeisterung und den nimmermüden Elan der Besitzer Manfred und Doris Graf und ihrer vier Töchter, die sich mit Herz und Seele dem Gestüt verschrieben haben. „Altefeld in der Herbstsonne liegend, das war für mich ein Schlüsselerlebnis“, schwärmt der gebürtige Münchner von dem Moment im Jahr 1981, als er das Gestüt, „ein wunderschöner Ort mit großer Geschichte“, das erste Mal erblickte. 

Elsa-Luise Graf gewann mit der selbst gezogenen (Altefelder Brandzeichen) Stute Dornröschen das Reitpferdechampionat der ZfdP-Bundesschau 2018 in Altefeld.

Und dann ging alles ganz schnell: Am 15. November war der Kauf perfekt, am 1. Dezember erfolgte die Übergabe. Schlicht: Ein fantastischer Neubeginn nach dem Ende der ruhmreichen Ära Waldfried.

Die Philosophie

Man könne mit einem Gestüt nur verwachsen sein, wenn man auch täglich dort tätig sei – „Ich betrachte Altefeld als ein großes Geschenk“, sagt Manfred Graf. In den Sommermonaten tummeln sich an die 100 eigene und Pensionspferde auf den Koppeln des seit 1999 ökologischen Betriebs. Heu und Stroh werden selbst produziert. „Wir verwenden seit 1981 nur wirtschaftseigene Düngemittel. Der Verzicht auf chemische Stoffe soll der Umwelt und besonders den auf Gestüt Altefeld befindlichen Pferden und Rindern zum Vorteil sein.“ Edles Blut tat auch den von Manfred Graf gezüchteten Erfolgssportpferden gut: Die Altefelder Hengstdynastie Fenris, Graf Faedo und dessen Sohn Graf Skalde führt namhaftes Vollblut im Pedigree.

Das Gestütsmuseum

Tradition und Moderne, Vollblutzucht und Warmblutzucht, in Altefeld sind die Übergänge nahtlos erfolgt, einst und jetzt bestens miteinander verknüpft.

Das Bild zeigt den legendären Vollbluthengst Herold im Hauptgestüt Altefeld. Er stammt ab von Dark Ronald aus der Hörnisse und war Derbysieger 1920. Herold ist der Vater von Alchimist. Das Ölgemälde stammt von J. Gordon und befindet sich im Altefelder Gestütsmuseum. Dessen Exponate haben Manfred und Doris Graf in liebevoller Arbeit zusammengetragen. Auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist eine Dokumentation der Altefelder Geschichte zu sehen – unter anderem Bilder, Sättel, Zaumzeug, Zeugnisse der architektonischen Gestütsentwicklung und des Werdegangs bis heute

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