Jüdische Familie Süßkind auf den Spuren ihrer Vorfahren in Nesselröden

Besuch der Süßkinds in Nesselröden mit Empfangskomitee – und zwei Hühnern.
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Besuch der Süßkinds in Nesselröden mit Empfangskomitee – und zwei Hühnern.

Die Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine freuten sich jüngst über den Besuch der Familie Süßkind – diese war aus Israel angereist, um sich in Nesselröden auf Spurensuche zu begeben.

Dan, Gidon und Yael Süßkind waren als große Gruppe mit ihren Kindern und Enkelkindern zunächst nach Bebra gereist, um dort an der ersten Verlegung von Stolpersteinen teilzunehmen. In der Apothekenstraße 10 stand das Haus ihrer Vorfahren, von denen fünf in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Darunter auch die in Nesselröden geborene Großmutter Jenny Süßkind, geborene Wallach.

Über ihre Eltern, Dr. Siegfried Süßkind und Gertraude, geborene Levi, die sich nach ihrer Flucht in Palästina kennengelernt und 1937 dort geheiratet haben, sagte Yael Süßkind-Keller in einer kurzen Ansprache: „Sie bauten ihr neues Leben in Israel auf, hatten drei Kinder und dann sieben Enkelkinder. Das war ihr Sieg über die Geister des Bösen und den grausamen Tod ihrer Eltern und anderer Familienmitglieder. 

Wir alle haben ein glückliches Leben geführt, aber der Schmerz, der nie verheilte und kaum jemals zur Sprache kam, hinterließ eine tiefe seelische Narbe. Die Nazis ermordeten sechs Millionen Juden, konnten aber den menschlichen Geist nicht ermorden. Dass wir heute hier stehen mit unserer großen Familie, ist der Sieg von uns allen über das Böse und die grässliche Vergangenheit.“

Besuch der Süßkinds in Nesselröden mit Empfangskomitee – und zwei Hühnern.

Nach den Feierlichkeiten in Bebra sowie dem Besuch der jüdischen Friedhöfe in Bebra und Bad Hersfeld inklusive des jüdischen Museums in Rotenburg an der Fulda kam Gidon Süßkind mit seiner 14-köpfigen Familie nach Nesselröden, wo seine Großmutter Jenny 1890 als Tochter von Moses Wallach und Janette, geborene Weißkopf, im Gebäude an der Holzhäuser Straße 1 geboren ist. 

„Auch wenn das „Empfangskomitee“ durch die Urlaubszeit überschaubar war, war es doch fast auf den Tag genau nach drei Jahren ein freudiges Wiedersehen, und dank der Hausherrin glänzten die fünf Stolpersteine der Wallach-Familie wie zum besonderen Gruß“, sagt Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises.

Auch das Grab von Gidons Urgroßmutter (väterlicherseits), Sophie Frank, geborene Först, die aufgrund der Ereignisse der Pogromnacht von Bebra nach Eisenach geflohen war und kurz darauf in Eisenach – aus Angst, hier etwas ähnliches erleben zu müssen – den Freitod gewählt hatte, wurde am späteren Nachmittag noch besucht.

Die Gäste aus Israel bedankten sich herzlich bei Familie Rimbach für die erwiesene Gastfreundschaft und für die Pflege der Stolpersteine. Die nächste Stolpersteinverlegung in Herleshausen findet am Freitag, 11. Oktober, statt. Darunter werden sich auch drei Steine für Euthanasie-Opfer befinden.

red/esp

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