Arbeitsamt und Krankenkasse verweigern Leistungen mit gegensätzlichen Begründungen

Kein Geld für Bernd Kubon

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Krank oder gesund? Bernd Kubon ist zwischen die Krankenversicherung und die Agentur für Arbeit geraten. Beide verweigern Leistungen, und der 54-jährige Fernfahrer weiß nicht, wovon er seine Rechnungen bezahlen soll. Seit August bekommt er kein Geld.

Herleshausen. Bernd Kubon fühlt sich als Spielball zwischen seiner Krankenkasse und der Arbeitsagentur. Beide verweigern Leistungen mit exakt gegensätzlichen Begründungen.

Kubons Krankenversicherung, das ist die Knappschaft mit Sitz in Philippsthal, behauptet, er sei nach mehrmonatiger Krankheit wieder gesund und habe deswegen nicht länger Anspruch auf Krankengeld. Die Arbeitsagentur in Eschwege versagt dem arbeitslosen Berufskraftfahrer aus Herleshausen Leistungen mit der Begründung, er stehe dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, weil er noch krank sei. Deswegen habe er auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Für Kubon bedeutet das im Ergebnis, dass er seit August kein Geld mehr bekommt. „Wir leben vom Einkommen meiner Frau und einer kleinen Unfallrente, die ich bekomme“, sagt er. Das Geld reiche vorn und hinten nicht. „Wir mussten sogar unsere Miete schon stunden lassen“, klagt der Trucker, der früher im Güterfernverkehr in ganz Europa unterwegs war. Die Leidensgeschichte des heute 54-Jährigen begann vor sechs Jahren, als er während einer Tour in Italien einen Herzinfarkt bekam. Eineinhalb Jahre konnte er danach nicht arbeiten.

Arbeitslosigkeit und Krankheit wechselten sich in der Folge ab. Zuletzt war Kubon seit Mitte August vergangenen Jahres krank geschrieben und wurde infolgedessen arbeitslos. Diabetes war diagnostiziert worden. Eine Bewegungseinschränkung an der linken Hand machte ihm zu schaffen. Psychische Probleme kamen hinzu. Im Mai dieses Jahres wurde die Hand operiert. „Ich kann noch nicht wieder richtig zufassen, wie soll ich da einen Vierzigtonner fahren?“, fragt Kubon.

„Grundsätzlich hat er Recht mit seiner Kritik“, sagt Inge Opaterni von der Knappschaft und bezieht den Zuspruch auf das Kompetenzgerangel zwischen Krankenkasse und Arbeitsamt. Sie sieht die Verantwortung dafür allerdings bei der Bundesagentur. Der medizinische Dienst der Versicherung begleite Kubon seit Jahren, habe ein fundiertes Gutachten erarbeitet, aus dem ganz klar hervor gehe, dass er arbeitsfähig sei. Die Arbeitsagentur lasse diese Gründlichkeit vermissen, habe lediglich „nach Aktenlage“ bescheinigt, dass genau das Gegenteil zutreffe.

Das ist nach Ansicht des Leiters der Arbeitsagentur in Eschwege, Uwe Kümmel, zu kurz gedacht. Bernd Kubon habe selbst erklärt, aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten zu können und entsprechende ärztliche Atteste vorgelegt. Um Leistungen der Arbeitsagentur beziehen zu können, müsse er dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und das auch erklären. Und an die Adresse der Knappschaft sagt Kümmel: „Es ist auch keine Lösung, die Leute zu uns zu schicken.“

Aus Sicht der Knappschaft ist eine stationäre Reha-Maßnahme empfehlenswert, um Kubon auf seinen Diabetes einzustellen, eine weitere Gewichtsabnahme und vor allem eine Nikotinkarenz zu erreichen. Für Inge Opaterni liegt das Problem aber grundsätzlich an ganz anderer Stelle: „Herr Kubon hat selbst kein Interesse daran, als gesund zu gelten.“

Von Harald Sagawe

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