Einheit

Kein Treffen am Köpfchen: 30. Gedenkfeier zur Erinnerung an Grenzdemo ausgefallen

Treffen am Pferdsdorfer Köpfchen 2008: (vorne von links) der inzwischen verstorbene Pferdsdorfer Tino Kleditzsch, Uta Döll aus Spichra, Magdalena Janus aus Willershausen, Werner Nowatzky (Ehrenbürgermeister der Gemeinde Krauthausen) und der ebenfalls inzwischen verstorbene Willershäuser Jürgen Wittich.
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Treffen am Pferdsdorfer Köpfchen 2008: (vorne von links) der inzwischen verstorbene Pferdsdorfer Tino Kleditzsch, Uta Döll aus Spichra, Magdalena Janus aus Willershausen, Werner Nowatzky (Ehrenbürgermeister der Gemeinde Krauthausen) und der ebenfalls inzwischen verstorbene Willershäuser Jürgen Wittich.

Am 20. November 1989 kamen sie zum ersten Mal zusammen: die Willershäuser, die Archfelder, die Pferdsdorfer und die Spichraer. Es war die erste Demonstration der Bürger aus den zwei hessischen und den beiden thüringischen Orten.

Willershausen – Die Menschen, die hier direkt an der Grenze lebten, wollten ein Zeichen setzen. Wie so viele andere Menschen in der damaligen DDR, aber auch auf Seiten der BRD. Mit ihrem stillen Protest forderten sie die Öffnung der Grenze.

Es ist zur alljährlichen Tradition der Ortsteile von Herleshausen auf hessischer Seite und Krauthausen auf thüringischer Seite geworden, erzählt Willershausens Ortsvorsteher Helmut Wittich. Und das ist kein Wunder. Denn die Grenze trennte nicht nur das Land, sondern auch Familien und Freunde.

In diesem Jahr wären die Menschen zum 30. Mal zur Gedenkfeier zusammengekommen. Doch coronabedingt wird eine Pause eingelegt, so der Ortsvorsteher. Die Erinnerung solle dennoch und vielleicht auch gerade deswegen aufrecht erhalten werden.

An jenem 20. November im Jahr 1989 versammelten sich die Menschen aus Ost und West mit Kerzen in den Händen auf dem „Pferdsdorfer Köpfchen“. Zwischen ihnen hohe Metallzäune. Doch sie waren aufgestanden, „gegen die Mächtigen im Staat“, wie es in einem älteren Bericht heißt. Sie forderten „Der Zaun muss weg“. Genau das passierte dann auch am 23. Dezember 1989.

Der Aufruf zur Demonstration.

Im Folgejahr fand dann das erste Erinnerungstreffen am „Pferdsdorfer Köpfchen“ statt, erzählt Ursula Rößler. Die 69-Jährige interessiert sich seit ihrer Jugend für die Ortsgeschichte. Bei der ersten Demonstration 1989 hatten die Menschen mit ihren Kerzen auf beiden Seiten der Zäune gestanden und die Namen ihrer Verwandten gerufen. So heißt es. Und daran erinnern können sich auch heute noch einige Menschen aus den Orten.

Es sind aber nicht mehr viele, sagt Rößler auch. „Natürlich ist nach über 30 Jahren die Zahl der unerschütterlichen „Erinnerer“ kleiner geworden.“ Dennoch käme jedes Jahr wieder eine Gruppe zusammen, bei Kerzen- und Feuerschein. Erfreulich sei, dass auch immer viele Jüngere teilnehmen. Das sei besonders wichtig, damit die Erinnerung erhalten bleibe.

Auftakt der Erinnerungsfeier in der ehemaligen Grenzzone bilde immer die Andacht eines Pfarrers – entweder aus den hessischen oder den thüringischen Grenzgemeinden. Einen ganz besonderen Teil bildete außerdem ein Zwiegespräch zwischen Jung und Alt, das an die Demonstration erinnert. Geschrieben wurde es 1990 eigens von den ehemaligen Pfarrern aus Pferdsdorf und Willershausen für die erste Gedenkfeier, erzählt Rößler. Ab und an gäbe es auch musikalische Begleitung.

Im Anschluss, bei Glühwein und anderen warmen Getränken, bliebe auch noch Zeit für Gespräche und manchmal auch, um gemeinsam Bilder anzuschauen und sich an die Zeit zu erinnern, so die 69-Jährige. Denn die Feier finde stets ihren Abschluss mit einem gemütlichen Beisammensein im Dorfgemeinschaftshaus in Pferdsdorf oder Willershausen – jährlich wechselnd.

Und dort kämen Jung und Alt besonders gut ins Gespräch. „Die Älteren erinnern sich gerne der vergangenen Tage und die Jungen fragen“, freut sich Rößler. (Von Hanna Maiterth)

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