Kerzen zum Gedenken

Drei Flüchtlinge ertrinken auf dem Weg nach Herleshausen nahe des Lagers Idomeni

Tiefe Trauer um die Flüchtlinge, die auf dem Weg in ein sicheres Leben in Herleshausen den Tod fanden: Über 50 Herleshäuser versammelten sich, zündeten Kerzen an, legten Blumen nieder und schwiegen gemeinsam. Foto: Berg

Herleshausen. Pure Verzweiflung hat die drei afghanischen Flüchtlinge (Namen der Redaktion bekannt) in den Grenzfluss zwischen Griechenland und Mazedonien getrieben.

Der schlammige, Hochwasser führende Strom Malareva schien ihnen die bessere Alternative zum Flüchtlingslager Idomeni zu sein, wo ihnen Hunger, Dreck und mangelnde Hygienebedingungen seit Tagen zusetzten.

Angetrieben hat die beiden Schwestern, eine davon im sechsten Monat schwanger, und den Ehemann der Älteren die Hoffnung auf ein besseres Leben: Nach Herleshausen sollte es gehen, ein sicherer Ort, wo bereits ein Teil ihrer Familie lebt. „Doch die Geschichte der drei endet in einer furchtbaren Tragödie“, sagt Herleshausens Pfarrer Martin Vogel von Frommannshausen.

Heftige Regenfälle ließen den Strom am 14. März immer weiter anschwellen, große Steine wurden aus dem Flussbett gerissen, Untiefen entstanden. „Die 16-jährige Schwester, bepackt mit einem schweren Rucksack und ihrem Anorak, sank plötzlich hinab“, sagt von Frommannshausen. „Auch die ältere Schwester, die sie an der Hand hielt, wurde unter Wasser gezogen. Bei dem Versuch, die beiden zu retten, traf ein Stein den Ehemann. Alle drei ertranken.“

„Die Geschichte der drei endet in einer furchtbaren Tragödie.“

Geborgen wurden die Flüchtlinge erst Tage später mithilfe eines Baggers. Ein Mitglied der Familie reiste von Herleshausen in die mazedonische Stadt Gevgelija, um seine Angehörigen zu identifizieren.

Über die Familie der Ertrunkenen, die sich stark in der Herleshäuser Kirchengemeinde einbringt, erfährt von Frommannshausen vom Schicksal der Flüchtlinge. Er ruft eine Gedenkveranstaltung vor der Burgkirche ins Leben, an der sich über 50 Herleshäuser beteiligen.

Als mitfühlend-gespannt habe er die Atmosphäre erlebt, berichtet der Pfarrer. Viele der Anwesenden legen Blumen nieder, alle entzünden eine Kerze, tragen sich in die ausliegenden Kondolenzbücher ein, geben Briefe mit tröstenden Worten für die trauernde Familie ab. Aus Rücksicht auf die muslimische Tradition wird beim gemeinsamen Singen auf Instrumente verzichtet; lediglich ein Glockenspiel durchdringt die Stille.

„Als Geste der Verbundenheit habe ich im Anschluss zu einer Fußwaschung geladen – ganz in der Tradition des Papstes, der selbiges in einer Asylbewerberunterkunft in Rom gemacht hat“, sagt von Frommannshausen. Er sei froh, dass sich sowohl Flüchtlinge als auch Herleshäuser so zahlreich dazu entschlossen hätten, ein starkes Signal der Nächstenliebe und der Gemeinsamkeit zu setzen.

Unglück beherrscht Schlagzeilen 

Das Schicksal der drei Ertrunkenen hat in den vergangenen Tagen überregional Schlagzeilen gemacht. Unter anderem berichten die Magazine Spiegel, Zeit und Focus von dem Tod der drei „unbekannten Afghanen“, die in einer Gruppe von 26 Menschen durch den Fluss Malareva illegal von Nordgriechenland nach Mazedonien einreisen wollten. Im Flüchtlingslager Idomeni sind zurzeit etwa 14 000 Menschen untergebracht – ausgelegt ist das Auffanglager direkt am Grenzübergang für 1500. Kurz vor dem Tod der drei Flüchtling wurde in Flugblättern, die mit „Kommando Norbert Blüm“ unterzeichnet waren, dazu aufgerufen, die Grenze nach Mazedonien illegal zu überqueren.

Von Emily Spanel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare