Anekdoten von der Feuerwehr

Mit Schlappen zum Einsatz: Anekdoten aus 40 Jahren bei der Feuerwehr Herleshausen

Sehen und gesehen werden spielen bei der Bekleidung eine wichtige Rolle: Udo Schulz (links) mit einer alten Einsatzuniform und Matthias Sömmer mit dem neuen Modell.
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Sehen und gesehen werden spielen bei der Bekleidung eine wichtige Rolle: Udo Schulz (links) mit einer alten Einsatzuniform und Matthias Sömmer mit dem neuen Modell.

Anekdoten und Geschichten von den Feuerwehren der Gemeinde Herleshausen: Feuerwehrmänner berichten von ihren Erlebnissen der vergangenen Jahrzehnte.

Herleshausen – Ein einfacher Blaumann, die Gummistiefel aus dem heimischen Schuhregal und ein mit schwarzer Farbe überpinselter ehemaliger Wehrmachtshelm – das war die erste Feuerwehruniform von Udo Schulz. Aufbewahrt wurde sie zu Hause, erklärt der einstige Gemeindebrandinspektor Herleshausens. Er war mehr als 40 Jahre aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Wie so viele andere Einsatzkräfte und ehemalige Kräfte im Werra-Meißner-Kreis kann der 60-Jährige auf einen Schatz an Erinnerungen und Erlebnissen aus seiner aktiven Zeit zurückgreifen. Normalerweise werden die Mitglieder für ihren langjährigen Einsatz geehrt, erklärt Schulz’ Nachfolger Matthias Sömmer (49). Doch in diesem Jahr ist alles anders. Also fischen Schulz und Sömmer für uns in ihren Erinnerungen, packen lustige Anekdoten aus, erzählen von Situationen, die schwierig zu bewältigen waren, und von den größten Veränderungen in all den Jahren.

Veränderungen

Immer mehr Aufgaben: Vor allem zwei Dinge hätten sich verändert, so Schulz: die Zahl der Einsätze und die Ausstattung. „Wenn wir in den 1970ern vier oder fünf Einsätze im Jahr hatten, dann war das schon viel.“ Heute haben die Wehren in der Gemeinde Herleshausen im Schnitt 40 Einsätze. Mussten früher hauptsächlich Brände auf Feldern und in Mülltonnen gelöscht werden, kommen die Freiwilligen Feuerwehren heute auch dann zum Einsatz, wenn eine Tür geöffnet, jemand aus einem der oberen Geschosse eines Wohnhauses geborgen und wenn Straßen durch Öl verunreinigt wurden und gesäubert werden müssen. „Oft ist gerade die ältere Generation, die allein lebt, auf Hilfe angewiesen“, sagt Sömmer.

Bei den Fahrzeugen und der Schutzkleidung führte die Entwicklung vom Holzwagen zum motorisierten Einsatzfahrzeug, vom Blaumann über Regencapes bis hin zu Atemschutzgeräten mit Anzügen, die wenigstens für eine Minute einer Temperatur von etwa 1000 Grad Celsius standhalten, wie Schulz erklärt. Ob er, der einst im Blaumann und normalen Gummistiefeln losgezogen ist, die aktuellen Diskussionen um Stiefellängen belächelt? „Nein. Denn der Schutz der Einsatzkräfte ist wichtig und muss an die Anforderungen angepasst werden“, erklärt der 60-Jährige, der bei der Gemeinde Herleshausen unter anderem für die Ausstattung der Wehren zuständig ist.

Kuriose Geschichten

Samba-Latschen und Atemschutz: Schulz wisse auch, dass es für viele ein Anpassungsprozess ist und Neuerungen erst mal akzeptiert werden müssen. Er denkt an seine Anfangszeit bei der Feuerwehr zurück. „Die älteren Feuerwehrmitglieder sind regelmäßig in Samba-Latschen und kurzer Hose zum Einsatz gekommen.“ Für sie sei wichtiger gewesen, dass sie da sind und nicht, wie sie aussehen, erzählt der 60-Jährige schmunzelnd.

Besonders kurios sei es auch gewesen, als Anfang der 1980er-Jahre nach einem Einsatz an einer Raststätte auf dem Gelände des Bauhofs ein Container abgeladen werden musste, in dem sich kontaminierter Schnee befand. Womit kontaminiert? Das habe damals nicht abschließend geklärt werden können. Während Schulz und sein Cousin in Atemschutzausrüstung den Schnee fachmännisch mit einem Saugrüssel absaugten, lugten die älteren Kollegen neugierig und ungeschützt über den Rand des Containers. „Das würde es heute auch nicht mehr geben“, erinnert sich Schulz lachend zurück.

Die Einsatzfahrzeuge haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Früher zog die Wehr mit einem Holzwagen los. Repro: Hanna Maiterth

In der Redaktion kursiert eine Geschichte, in der es heißt, bei einem Gebäudebrand wurde einmal von der falschen Seite gelöscht, weil die Einsatzkräfte in dem Ortsteil alkoholisiert waren. Ob das stimmt? Kurz schweigen Sömmer und Schulz, geben dann aber zu, dies sei in einer Silvesternacht passiert, als sich eine Rakete verirrt habe. Kurze Zeit später sei dann aber auch die Einsatzabteilung für diese Nacht angerückt. „Im Nachgang kann man nur sagen, die Feuerwehr im Ortsteil wollte helfen“, so Schulz.

Goldene Stunde

Nichts für schwache Nerven: Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren – egal ob in der Gemeinde Herleshausen, im Kreis oder anderswo – kommen auch immer wieder an ihre Grenzen. Insbesondere dann, wenn es Tote gibt, wie Sömmer und Schulz erklären. Es habe eine Zeit beim Bau der Autobahn gegeben, wo es immer einen Todesfall gegeben habe. „Wenn alle Gliedmaßen dran waren, war das noch gut“, sagt Schulz. Oft sei es auch so, dass die Wehrmitglieder erst nach einem Einsatz wirklich realisierten, was passiert ist. „Es ist die goldene Stunde“, sagt Sömmer, der nach einem Suizid einen Toten vom Strick befreien musste. Schulz wiederum kommt an keinem Sixt-Laster vorbei, ohne dass Bilder von einer eingeklemmten Frau, die am Unfallort verstarb, vor seinem inneren Auge auftauchen.

Die Einsatzleitung übernehme in solchen Fällen eine Schlüsselfunktion. Denn sie sei es, die ihre Mannschaft für die Aufgaben einteilen. „Wir müssen abschätzen, wer mit der Situation zurechtkommt“, sagt Sömmer. Doch meist habe man einen guten Überblick und im Anschluss gäbe es dann auch die Einsatz-Cola, um die erlebte Situation gemeinsam und gegebenenfalls mit einem Seelsorger zu reflektieren.

Katastropheneinsatz

Außergewöhnliche Hilfe: Im Gedächtnis ist auch der Einsatz zu Beginn der 2000er- Jahre geblieben, als aus dem gesamten Werra-Meißner-Kreis im Sommer Feuerwehrkräfte zur Bekämpfung des Hochwassers an der Elbe Richtung Osten aufbrachen, sagt Schulz. „Etwa 70 Fahrzeuge aus dem Kreis waren unterwegs. Aus Herleshausen sind wir mit 21 Leuten hin“, erinnert sich der 60-Jährige. Drei Tage waren sie im Einsatz und hätten Sandsäcke geschleppt. So einen außergewöhnlichen Katastropheneinsatz habe es weder vorher noch nachher gegeben, sind sich Schulz und Sömmer einig. (Von Hanna Maiterth)

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