Bürgerversammlung in Weißenborn bringt Licht ins dunkle Dickicht des kommunalen Schutzschirms

„Es muss erträglich bleiben“

Weißenborn. Auch Weißenborn, die kleinste Gemeinde in Nordhessen, muss ihren Wunschzettel in nächster Zeit eindampfen und ihre Einwohner zur Kasse bitten. In einer Bürgerversammlung hat Bürgermeister Thomas Mäurer ihnen die Sparvorschläge präsentiert, die die Schutzschirmkommission erarbeitet hat.

Erst seit 2008 macht die Verwaltung der Dörnermänner und Mattenklicker Schulden. Die Straßen in der Gemeinde sind zu 80 Prozent saniert, es gibt keine über die Maßen verschuldete Eigenbetriebe, Gemeinschaftshäuser und gesellschaftliche Treffpunkte sind im Dorferneuerungsprogramm. Fast fehl am Platz erscheint Weißenborn inmitten der hochverschuldeten Kommunen. Sparen muss die Gemeinde trotzdem.

„Ich war noch zu schöneren Zeiten Bürgermeister.“

Arno Mäurer

Fragebögen, auf denen die Bürger ihre Sparvorschläge mitteilen konnten, hatte der Bürgermeister verteilt. Zum Teil sei wirklich Konstruktives herausgekommen, resümiert er. Manches sei aber auch weit unter der Gürtellinie gewesen. Fest steht: Die Bürger wollen ihrem Chef helfen, die Null auf dem Haushaltskonto bis 2017 zu erreichen. Und fest steht auch: Thomas Mäurer will sie nicht bis aufs Letzte ausquetschen. „Es muss erträglich bleiben“, sagt er.

Freiwillige finanzielle Leistungen einzuschränken, wie beispielsweise der Druck des Gemeindebriefs, Städtepartnerschaften und die Beteiligung an wichtigen Gesellschaften und Gremien, lehnt Mäurer ab: Eine gewisse Lebensqualität im Dorf müsse erhalten bleiben.

„Unter welchen Schutzschirm sollen wir Bürger denn schlüpfen?“

Eine Zuhörerin

Noch ist nichts beschlossen. Ob Weißenborn den Schutzschirm-Vertrag unterschreibt, entscheiden die Gemeindevertreter am Dienstag, 11. Dezember, ab 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Weißenborn, wie auch die geplanten Steuererhöhungen. So sollen die Grundsteuern A und B auf die vom Land mindestens geforderten 450 Prozent steigen. An Gewerbesteuer würden dann 380 Prozent fällig werden. Hunde kosten jeweils zehn Euro mehr. Zweitwohnsitz und Pferdesteuer stehen noch zur Diskussion. Die Gebühr für den Kindergarten soll von 120 auf 150 Euro pro Kind und Monat steigen. Ab 2014 erhöht sie sich automatisch jedes Jahr um drei Prozent. Wasser- und Abwasserpreis steigen alle zwei Jahre um jeweils 30 Cent.

Mit diesen Einsparungen und der Million, die vom Land käme, wäre der Haushalt in fünf Jahren auf Dauer ausgeglichen.

Von Stefanie Bettinger

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