Rosen zum Gedenken

Angehörige von Kriegsgefallenen nehmen beim interreligiösen Friedensgebet Abschied

Die Akteure des ersten interreligiösen Friedensgebetes in Herleshausen: (von links) Pfarrer Martin von Frommannshausen, Pfarrer Joachim Hartel, Journalistin Galina Michajlovna, Imam Eyöp Örcen, Angehörige Nina Petrowna sowie Pastor Mike Zacharias. Fotos: Spanel

Herleshausen. Mit einem Bund frischer weißer Rosen in der Hand steht Anna Hundeshagen aus Eschwege vor den langen Reihen bronzener Gedenkplatten der sowjetischen Kriegsgräberstätte Herleshausen. Obwohl sich an diesem Freitagnachmittag, dem Tag, an dem sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal jährt, über 200 Menschen zum ersten interreligiösen Friedensgebet auf dem Friedhof am Waldesrand eingefunden haben, hält sie jedesmal inne, bevor sie eine der Blumen ablegt.

„Mein Vater ist auch im Krieg geblieben“, sagt die 75-Jährige mit Tränen in den Augen. Gefunden, sagt die Eschwegerin, habe sie ihn trotz intensiver Suche nie. „Eine Gedenkstätte wie in Herleshausen, an der die Gefallenen unter Angabe ihres Namens bestattet worden sind, ist ein unvorstellbares Geschenk“, sagt Hundeshagen. Genau deswegen sei es ihr eine Herzensangelegenheit, gemeinsam mit politischen Würdenträgern, Angehörigen und Zeitzeugen gemeinsam zu beten – und an alle Kriegsgefallenen zu erinnern.

Die Hoffnung, einmal am Grab ihres im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vaters zu stehen, trieb auch Nina Petrowna aus Moskau ihr ganzes Leben lang um. In Begleitung der russischen Journalistin Galina Michajlovna, gestützt von Bürgermeister Burkhard Scheld, geht die 80-Jährige nun nach Jahrzehnten der Sehnsucht auf die Grabplatte zu, unter welcher der russische Soldat Peter Prjachim begraben liegt.

„Was eine solche Begegnung in einem Menschen auslöst, ist unvorstellbar“, sagt Sängerin Elvira Fink, die den Nachmittag nicht nur als Solistin mitgestaltet, sondern auch als Dolmetscherin fungiert. Petrowna verstreut derweil Erde aus ihrer Heimat über dem Grab des Vaters. Erzpriester Mihail Rahr betet gemeinsam mit der in Tränen aufgelösten Tochter, die Kerzen entzündet und auch Erde vom Grab des Vaters in einem Beutel verstaut. Die will sie in ihrem Heimatdorf über dem Grab der Mutter verstreuen. Erst dann habe der Vater seinen ewigen Frieden gefunden, glaubt sie – 70 Jahre nach Kriegsende.

Von Emily Spanel

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