Zweieinhalb Wochen noch: Burkhard Scheld bereitet sich auf das Bürgermeisteramt in Herleshausen vor

Das rote X rückt immer näher

Herleshausen. Zweieinhalb Wochen sind es noch, bis Burkhard Scheld sein Amt als Bürgermeister von Herleshausen antritt. Bis dahin macht er Praktikum beim Noch-Amtsinhaber Helmut Schmidt (SPD) und muss feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, vom normalen Bürger, dem Freund und Nachbarn von nebenan ins Rathaus zu wechseln.

„Mehrere Leute haben mich schon gefragt, ob sie mich als Bürgermeister auch noch duzen dürfen“, erzählt Scheld. Die Bambinis, der Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr Herleshausen, üben an der Sporthalle und brauchen Wasser. „Das haben sie bisher immer aus unserem Haus geholt, das kriegen sie auch jetzt“, fährt der 53-Jährige fort, der am 17. Juni als Parteiloser für die SPD angetreten und zu Schmidts Nachfolger gewählt worden war.

21 Jahre lang leitete Burkhard Scheld in Bad Salzungen die Finanzverwaltung des Wartburgkreises. Im Jonglieren von Geldern und dem Anleiten von Mitarbeitern, so sagt er, könne ihm keiner etwas vormachen. Allein die Bürger und ihre individuellen Probleme geben in Herleshausen den Ausschlag: „Als Bürgermeister kämpft man an allen Fronten“, so Scheld.

Der 20. September war sein letzter Arbeitstag in Thüringen, seither begleitet er den aktuellen Gemeindechef auf dessen Termine. Die Bürgermeister anderer Gemeinden und offizielle Abläufe wollen kennengelernt werden. Einen großen Chefkalender hat er schon. Termine stehen darin bis Weihnachten - von Sitzungen über Geburtstage und Hochzeitsjubiläen bis zu kulturellen Veranstaltungen.

Zur Sperrung der Durchfahrt in Frauenborn gibt es bald einen Ortstermin - eigentlich eine Baustelle des Landes. Aber für Gehsteige und Leitungen ist die Gemeinde zuständig. „Allein schon, dass die Leute ihren Müll rausstellen und sich um dessen Abholung nicht kümmern müssen ist Gemeindesache“, sagt Scheld. Darüber hatte er sich bisher keine Gedanken gemacht. Stunden könne ein solcher Termin dauern, und im Rathaus bleibe alles liegen.

Angst vor dem verantwortungsvollen Amt empfindet Burkhard Scheld nicht, Respekt der neuen Aufgabe gegenüber durchaus. „Zeit wird mein großes Problem sein“, wagt er eine Prophezeiung. Mit großem Selbstbewusstsein geht er an die Sache heran, aber zweiteilen kann sich auch ein Scheld nicht. „Es wird Termine geben, die ich nicht wahrnehmen kann“, sagt er mit der Bitte, ihm das nicht übel zu nehmen.

Trotzdem: „Ich bleibe ich selbst und gehöre weiter zum Dorf“, sagt er. Wer ihn bisher geduzt hat, könne das auch weiterhin gerne tun. „Mich werden die Menschen auch anpacken sehen“, verspricht er. Der 1. November, Schelds offizieller Amtsantritt, ist im Kalender mit einem roten X gekennzeichnet. An diesem Tag wird er sein neues Handy in Betrieb nehmen - eines mit echten Tasten und ohne Internet. „Das ist nur für den Notfall, alles andere läuft über das Büro“, sagt er dazu nur.

Jetzt geht es erst mal darum, innerhalb des vorgegebenen Budgets die Einladungen für die Amtsübergabe auszugeben und dabei niemanden zu vergessen. „Ich will nicht gleich mit einem Fauxpas ins Amt starten“, so Scheld.

Von Stefanie Bettinger

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