Turbulentes Leben vor 500 Jahren

Ruine Brandenburg: Das Leben des Herleshäuser Ritters Reckrodt auf der Bühne

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Im Zwiegespräch: Philipp Melanchhton (links; gespielt von Manfred Gerland) und Luther (Martin von Frommannshausen). Das kleine Bild zeigt Felix Köppe als Reckrodt.  

Lauchröden. Ein eindrückliches Mittelalter-Spektakel mit Laienschauspielern aus Herleshausen, Eisenach, Lauchröden, Wutha-Farnroda und Ruhla wurde jetzt in der Ruine Brandenburg aufgeführt: gezeigt wurde das Stück „Luther und Reckrodt“.

Es beginnt im strömenden Regen – zum Glück kommt der jedoch nur vom Tonband. Über derBurgruine Brandenburg bei Herleshausen steht ein sternenklarer Himmel. Ideale Bedingungen herrschen also für eine Freiluft-Aufführung. Und wie sie es alle zwei Jahre tun, haben sich die Werra-Löwen auch dieses Mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, um das Mittelalter auf der Burg lebendig werden zu lassen. Darüber hinaus haben sie sich mit der Schultheatergruppe „Kreuz-AS“ aus Ruhla (Thüringen) Verstärkung gesucht, sodass am Ende über 40 Darsteller auf der Bühne stehen.

Im Luther-Jahr darf Luther nicht fehlen

Im Luther-Jahr muss es natürlich Luther sein, immerhin ist die Wartburg in Eisenach ganz nah. Doch Autor und Regisseur Harry Weghenkel hat dankenswerterweise eine Perspektive gewählt, die die lokale Geschichte in den Vordergrund rückt: die Biografie des Ritters Georg II. von Reckrodt, der 1500 auf der Westburg der Brandenburg geboren wurde. Doch da man nur Eckdaten über diesen Mann kennt, kamen gleich sämtliche berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit mit auf die Bühne.

Ritter Reckrodt mit militärischen Qualitäten

So verfolgt man Reckrodts Werdegang von dem Moment an, als er als schöner, schwarz gelockter Jüngling (Felix Köppe) um die hübsche Luuschen von Creuzburg freit. Im Turnier in Thorgau tut er sich im Gesellenstechen hervor und macht damit auf seine militärischen Qualitäten aufmerksam. Da schauen Kurfürst Friedrich der Weise ebenso wie Landgraf Philipp von Hessen (Alexis von Hessen) natürlich ganz genau hin. Letzterer bindet den jungen Recken auch sogleich an sich, indem er ihn mit dem Gut Herleshausen belehnt, auf dem Reckrodt das Schloss errichtet. Derweil ist Luther (Martin von Frommannshausen) mit seiner Reformation durch und muss die Nachwehen in Form des Bauernkriegs ausbaden, während Lukas Cranach und Philipp Melanchthon – wenigstens im Stück – wie Satelliten um seine Familie kreisen. Und wer könnte den Reformator besser verkörpern als ein waschechter Pfarrer, Herleshausens Hirte nämlich, der den gravitätischen Kanzel-Ton nicht erst einstudieren muss.

Alsbald findet sich Ritter Reckrodt, inzwischen seines wallenden Haupthaars verlustig (nun Dieter Schuchardt), als Schachfigur der Mächtigen im politischen Spiel seiner Zeit wieder. Der Druck setzt ihm zunehmend zu, da liegt der Griff zum Humpen nicht fern.

Doch offenbar war der Ritter bei vielen wichtigen Ereignissen seiner Zeit in vorderster Linie dabei. Auf dem Reichstag von Augsburg, als Obrist unter dem König von Frankreich, als Teilnehmer im Schmalkaldischen Krieg. Der ging für ihn gleichwohl nicht besonders gut aus. Erst nach dem Tod Kaiser Karls V. kann Reckrodt nach Herleshausen zurückkehren, um in der Heimat zu sterben. Regisseur Harry Weghenkel platziert den Landgrafen getreulich an seinem Totenbett.

Ereignisreicher Schwenk durch die Geschichte

Dreieinhalb Stunden lang schlugen die Schauspieler einen ereignisreichen Bogen durch das 16. Jahrhundert. Und damit nicht allein ein Lehrstück in Geschichte daraus wurde, schmückte der Autor das Geschehen mit kleinen Nebenplots aus, in denen auch die kleinen Leute aus Herleshausen und Lauchröden auftreten durften. Am Ende gab es kräftigen Applaus für eine sehr gelungene und trotz der Länge kurzweilige Aufführung im beeindruckenden nächtlichen Ambiente der Brandenburg.

Theaterstück Reckroth auf der Ruine Brandenfels

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