Werra-Meißner-Kreis

Wolf streift umher: Schäfer verkauft schweren Herzens alle Tiere

Abschied: Manuela und Leo Dunkelberg bei ihren Tieren, kurz bevor die Herde abgeholt wird.
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Abschied: Manuela und Leo Dunkelberg bei ihren Tieren, kurz bevor die Herde abgeholt wird.

Weil im Werra-Meißner-Kreis immer häufiger Wölfe gesichtet werden, hat ein Hobbyschäfer jetzt seine kleine Herde abgegeben. Die Entscheidung fiel ihm schwer.

Breitzbach – Nach seiner Konfirmation wünschte sich der damals 14-jährige Leo Dunkelberg aus Breitzbach Schafe. Mit einem Mutterschaf und einem Lämmchen beginnt der Teenager sein Hobby. Seine Tiere weiden mal nahe der Bundesstraße, mal auf den Hanglagen hinter dem Dorf. Heute, gut zehn Jahre später, ist aus den beiden Tieren eine kleine Herde geworden.

Am vorigen Donnerstag wurden die Kamerunschafe mit einem Lkw abgeholt. Leo Dunkelberg hat seine Hobbyschäferei aufgegeben und alle Tiere verkauft.

Schäfer verkauft Tiere: „Immer nur noch Angst und Sorge um seine Tiere“

Der Grund für seinen Entschluss: die vielen Wolfssichtungen rund um den Herleshäuser Ortsteil. „Das ergibt keinen Sinn mehr. Wenn man immer nur noch Angst und Sorge um seine Tiere hat, macht das keinen Spaß“, sagt Dunkelberg. Er habe jetzt nicht mehr warten wollen, bis er seine Tiere vom Wolf zerfleischt auf der Weide findet. Zwar haben sich gerade in den vergangenen Wochen die Wolfssichtungen um Breitzbach im Werra-Meißner-Kreis* gehäuft, doch bereits 2019 war ein Wolf nahe des Dorfes von einer Wildkamera erfasst worden, im vorigen Jahr hatten Walkerinnen Wölfe bei der benachbarten Berlitzgrube gesehen.

„Da kamen meinem Sohn schon Zweifel, wenn die Wölfe so nah an die Weiden kommen“, sagt Leo Dunkelbergs Mutter Manuela. „Und die Lage wird ja nicht besser“, sagt sie und wischt sich ein paar Tränen aus den Augen, als sie und ihr Sohn wohl vorerst zum letzten Mal im Schafstall stehen. „Unsere Schafe werden mir sehr fehlen“, sagt sie. „Jetzt bleiben uns nur Katze und Hund.“

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Verkauft haben sie die Tiere an einen Schafhalter nahe der tschechischen Grenze bei Dresden. Dort könnten seine Tiere als Herde zusammenbleiben. Wölfe gibt es dort allerdings des Nabu-Wolfsmonotorings auch. „Wenn ich immer lese und höre, wie die Rückkehr des Wolfes verherrlicht wird, fühle ich mich für dumm verkauft“, sagt Manuela Dunkelberg.

Da grasen sie noch friedlich: Die Schafe von Familie Dunkelberg auf einer der Weiden nahe des Herleshäuser Ortsteils Breitzbach. Jetzt wurden die Schafe verkauft, weil die Halter sie gegen Wölfe nicht schützen können.

Wolf im Werra-Meißner-Kreis: Bisher keine nachgewiesenen Wolfsrisse

Trotz der häufigen Sichtungen von zum Teil mehreren Wölfen gab es um Breitzbach bisher keine nachgewiesenen Wolfsrisse. Und die werde es auch nicht geben, ist sich Leo Dunkelberg sicher. „Keiner bringt hier aus dem Ort mehr seine Tiere auf die Weide.“

Seine Schafe mit wolfssicheren Gattern einzuzäunen oder sie jeden Abend in den Stall zu holen, wäre für die Dunkelbergs trotz eines transportablen Schafstalls nicht zu leisten – er arbeitet Vollzeit bei der Straßenmeisterei in Eisenach. „Das ist mit dem Job nicht zu machen.“

Wolf im Werra-Meißner-Kreis: Angst unter Tierhaltern macht sich breit

Aber auch andere Weidetierhalter im Ort haben aufgegeben, so wie Frank Reckelmann, der im letzten Haus des Dorfes wohnt – dort, wo kürzlich einmal zwei und am nächsten Tag drei Wölfe zusammen gesehen wurden. Er hielt Hühner, Gänse und Enten. „Die halte ich wegen des Wolfes nicht mehr“, sagt er. „Hier muss man ja Angst haben, wenn man abends noch mal rausgehen will“, sagt er.

Wer die Wiesen um Breitzbach nun beweidet, ist unklar. Kein Schäfer hat nach Informationen unserer Zeitung Interesse an den Flächen. (Stefanie Salzmann)*werra-rundschau.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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