Anbindung der Südringgauschule mangelhaft

Schulbus-Ärger: Eltern gehen auf die Barrikaden

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Ärger um Busverbindung an Südringgauschule in Herleshausen

Herleshausen. Der Ärger um den geänderten Busfahrplan des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) reißt nicht ab: Nun macht der Elternbeirat der Südringgauschule gegen die vermeintlich unzulänglichen Anbindungen mobil.

 

Ihr Protest gipfelt in einem Brandbrief, adressiert an Stefan Reuß, Landrat des Werra-Meißner-Kreises.

„Vorausgegangen ist eine wahre Beschwerdewelle der Eltern“, sagt Sabine Lorey, Vorsitzende des Schulelternbeirates. „Weil die Südringgauschule seit Dezember durch keine einzige Linie mehr passgerecht angefahren wird, geht jedem Kind durch Verspätungen eine Unterrichtsstunde pro Woche verloren.“

Auch Kinder, die nicht auf einen Bus angewiesen sind, würden durch die zu späte Ankunft ihrer Mitschüler gestört. „Klassenarbeiten können so in der ersten Stunde nicht mehr geschrieben werden“, sagt Klassenlehrerin Andrea Springer.

Die Leitung der Südringgauschule hat ihrerseits auf die Probleme reagiert: Der Unterrichtsbeginn wurde um fünf Minuten auf nun 8 Uhr nach hinten verlegt. Ein zusätzlicher zweiter Pausengong am Nachmittag soll vor allem die Grundschüler beruhigen: Weil diese fürchteten, ihren Bus zu verpassen, wurden sie in den letzten Unterrichtsminuten unruhig. „Gebracht“, sagt Silke Deist vom Schulelternbeirat, „hat das aber noch nichts.“

Sabine Herms, Pressesprecherin des NVV in Kassel, sind die Probleme bekannt. „Mitarbeiter werden nun regelmäßig mit den betroffenen Linien fahren und die Angaben der Eltern überprüfen“, sagt Herms. Erste Ergebnisse würden in zehn bis 14 Tagen erwartet. Auf wenig frequentierten Strecken, wie zum Beispiel zwischen Rittmannshausen und Herleshausen, sei ein zusätzlicher Bus allerdings zu teuer. „Eltern können sich deshalb ihre Fahrtkosten erstatten lassen“, rät Herms.

- Linie 240, Datterode – Herleshausen: Statt wie im Fahrplan angegeben um 7.58 Uhr erreicht der Bus die Südringgauschule erst um 8.05 Uhr. Da hat der Unterricht bereits begonnen. Außerdem haben Kinder aus Rittmannshausen nach der 6. Stunde keine Möglichkeit mehr, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Morgens stehen die Rittmannshäuser Kinder eine halbe Stunde ohne Aufsicht und Bushäuschen in Netra, um den Anschlussbus nach Herleshausen zu erreichen.

- Linie 241, Markershausen – Herleshausen:  Ankunft dieser Linie ist um 7.30 Uhr an der Schule. Die Kinder müssen 30 Minuten auf den Unterrichtsbeginn warten. Oft fällt der Bus komplett aus.

„Es muss dringend etwas passieren“

 

Gern, sagt Sechstklässlerin Julia, nimmt sie ihren täglichen Schulweg nicht mehr auf sich. Um 7.15 Uhr verlässt sie ihr Zuhause im Ringgauer Ortsteil Grandenborn und macht sich auf den Weg zur Haltestelle des Ortes. Der Bus, der sie zur Südringgauschule in Herleshausen bringen soll, fährt dort laut Fahrplan um 7.28 Uhr ab. „Meist kommt er aber zu spät“, sagt Julia. Mit Zwischenstopp in Röhrda, wo sie noch einmal umsteigen muss, gelangt sie zur Schule – dort hat der Unterricht üblicherweise schon längst begonnen.

„Stressig“, sei das, berichtet Julia, und ihre Freundin Helena aus Datterode pflichtet ihr bei. Nachmittags sei sie durch die komplizierte Anbindung erst gegen 15 Uhr zuhause: „Und dann muss ich ja auch noch Hausaufgaben machen.“

„Unsere Kinder haben mittlerweile einen Arbeitstag, der dem von berufstätigen Erwachsenen gleicht“, sagt Myriam Gisselmann, Elternbeirat der Klassenstufe vier. Es dürfe nicht sein, dass die Jüngsten derart unter dem Fahrplan des NVV zu leiden hätten – „da muss dringend etwas passieren“. Ein weiterer Punkt, den die Eltern bemängeln, ist die Reduzierung der Sitzplätze in den Bussen. „Unsere Kinder stehen in den jetzt kleineren Fahrzeugen zusammengepfercht, teilweise ohne die Möglichkeit, sich eines Haltegriffs bedienen zu können“, sagt Silke Deist vom Schulelternbeirat. „Selbst bei einem Tiertransport ist der Anspruch auf einen Platz gesetzlich geregelt.“

Auf den Vorwurf angesprochen, sagt Sabine Herms, Pressesprecherin des NVV: „Tatsächlich werden seit Dezember nun Busse eines anderen Typs auf den betroffenen Linien 240 und 241 eingesetzt. In den Niederflurwagen gibt es fünf Plätze weniger als vorher.“

Grundsätzlich sei aber jeder Sitz mit Greifringen und Haltestangen ausgestattet. „Selbstverständlich wird das zuständige Busunternehmen aber hinsichtlich Kapazität und Auslastung erneut befragt“, sagt Herms. Um eine Verbesserung der Schulbus-Situation herbeizuführen, wolle das Verkehrsunternehmen mit Sitz in Kassel die Aussagen der Eltern zunächst prüfen – und dann gegebenenfalls nachbessern.

Von Emily Spanel

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