Sensibilität ist das oberste Gebot 

Schwindelfrei in die Höhe - Baumkletterer im Ruheforst Werraland unterwegs 

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Auf dem Weg nach oben: Johannes Böttcher klettert an einem Baum im Ruheforst Werraland, gesichert von einem Mitarbeiter, nach oben.

Der Wald ist ein Sinnbild für das Leben, für Ruhe und Frieden. Nicht verwunderlich also, dass mehr und mehr Menschen ihre letzte Ruhestätte im Wald finden möchten.

Allerdings stellt ein solcher Ruheforst auch ganz besondere Ansprüche an seine Pflege – Sensibilität ist hier oberstes Gebot.

Wenn herkömmliche Methoden der Aufforstung nicht zur Anwendung kommen können, dann ist eine ganz besondere Berufsgruppe gefragt: die der Baumkletterer. Johannes Böttcher (Hessisch Lichtenau) besitzt eben diese Qualifikation und war zu Wochenbeginn zwei Tage im Ruheforst Werraland auf dem Iberg bei Herleshausen im Einsatz. 

Alexis Prinz von Hessen: "Arbeiten waren spektakulär anzusehen"

„Die Arbeiten sind unkompliziert, zügig und mit besten Ergebnissen zum Abschluss gebracht worden – und waren nebenbei auch spektakulär anzusehen“, sagt Alexis Prinz von Hessen, der den Ruheforst Werraland seit nunmehr acht Jahren betreibt.

Mit einer Harpune schießt Johannes Böttcher zunächst ein Sandsäckchen in den Baum, idealerweise in einen Zwiesel – eine Astgabelung. Dann wird ein Kletterseil nachgezogen, an dem sich Johannes Böttcher, gut und mehrfach gesichert, wie an einem Flaschenzug auf die gut 20 Meter hohen Bäume zieht. 

Rund zehn Minuten benötigt er, bis er in der Baumkrone angekommen ist und dort Totholz und Äste herausnehmen kann.

Das Biotop steht in einem Ruheforst stets im Vordergrund

Schwindelfrei müsse man sein für diese besondere Tätigkeit, Kraft und „ein Gefühl für die Höhe haben“, lacht der Baumpfleger – „aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.“ Der Vorteil: der Baumkletterer schädigt den Baum nicht, wie es beispielsweise beim Schlagen von Widerhaken in die Rinde der Fall wäre. 

„Das Biotop steht in einem Ruheforst stets im Vordergrund. Wir gehen äußerst schonend mit den Bäumen um“, erklärt Alexis Prinz von Hessen. Sämtliches Astmaterial wurde zudem sofort aus dem Ruheforst transportiert, um die Wege stolperfrei begehbar zu halten. Gesichert wurde zusätzlich mit Schildern und Absperrband. 

Fläche des Ruheforstes Werraland wird erweitert 

Welche Bäume in welcher Form bearbeitet wurden, sei im Vorfeld mit einem Gutachter besprochen und ausgezeichnet worden, sagt Alexis Prinz von Hessen. Geachtet wurde unter anderem auf Trockenheitsschäden aus dem vergangenen Sommer.

Zusätzlich wurde im vergangenen Jahr damit begonnen, die Fläche des Ruheforstes Werraland von jetzt vier Hektar auf zukünftig sieben Hektar zu erweitern. „Die entsprechende Fläche war schon seit Beginn für diesen Zweck vorgesehen – nun setzen wir die Planung in die Tat um“, so Alexis Prinz von Hessen. 

Und auch hier waren die Dienste des Baumkletterers gefragt – etwa, um zu eng stehende Bäume herauszunehmen. „Insgesamt wurden 400 Bäume neu eingemessen.“

Weitere Informationen: Wegen der Coronakrise sind größere Führungen in Gruppen derzeit nicht möglich; Einzelbegehungen sind aber möglich. Kontakt: Telefon 0 56 54/92 30 42; E-Mail: info@ruheforst-werraland.de sowie unter ruheforst-werraland.de

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