60 Jahre nach dem Mauerbau

Gedenken an deutsche Teilung: Spatenstich für den neuen Werra-Grenzpark in Herleshausen

Spatenstich für Werra-Grenzpark: (von links) Marco Wanderwitz (Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder), Peter Wellach (Planungsbüro), Gero von Randow (Vorsitzender der Werra-Grenzpark-Kommission) und Herleshausens Bürgermeister Lars Böckmann.
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Spatenstich für Werra-Grenzpark: (von links) Marco Wanderwitz (Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder), Peter Wellach (Planungsbüro), Gero von Randow (Vorsitzender der Werra-Grenzpark-Kommission) und Herleshausens Bürgermeister Lars Böckmann.

60 Jahre nach dem Bau der Mauer entsteht mit dem Werra-Grenzpark bei Herleshausen eine Gedenkstätte, die an die deutsch-deutsche Teilung lebendig erinnern soll.

„Es ist eine begehbare Erkenntniswelt“, fasst Gerstungens Bürgermeisterin Sylvia Hartung zusammen, was an dieser Stelle, an der sie ihre Worte an zahlreiche Gäste richtet, entstehen soll. Am 13. August und damit auf den Tag genau, an dem vor 60 Jahren der Bau der Mauer begonnen hatte, der Deutschland für Jahrzehnte trennen und teilen sollte, hatte der Verein Werra-Grenzpark den Festakt zum Spatenstich für den Gedenkort gelegt.

Dieser Ort solle dafür sorgen, dass die Besucher einen Teil der Geschichte mit allen Sinnen erfahren können. „Gerne hätten wir heute mit Ihnen schon die Einweihung des Grenzparks gefeiert“, sagte Gero von Randow, Vorsitzender der Vereins-Kommission. Dies sei aber aufgrund bürokratischer Hürden nicht möglich gewesen.

Entstehen soll hier an der Salzwiese sowohl ein Ort des Lernens als auch des Erinnerns: ein Anlaufpunkt zur deutsch-deutschen Geschichte. Er soll jedoch weit mehr sein als ein weiteres Grenzmuseum. Hier sollen die Unterschiede und Gegensätze von Demokratie und Diktatur an konkreten Beispielen, wie sie zu DDR-Zeiten an der Grenze passiert sind, behandelt werden.

Zahlreiche Redner und Vertreter aus der Politik Hessens und Thüringens, Sponsoren des Projekts sowie Vertreter anderer Gedenkorte und mit der Werra verbundener Verbände konnte Bürgermeister Lars Böckmann begrüßen. Danach verdeutlichte von Randow noch einmal die Rolle des Ortes, der für viele Menschen mit prägenden Erinnerungen verbunden ist, die in Interviews festgehalten und durch Bilder ergänzt wurden.

Sowohl in seinen Worten als auch in weiteren Reden, wie in des des thüringischen Landtagsmitgliedes Raymond Walk, Vorsitzender der Gedenkstätte Point Alpha, wurden die Rolle der Demokratie, die immer wieder erkämpft werden müsse, und ihre Gefährdung angesprochen. Die Zusammenarbeit mit weiteren hessischen und thüringischen Gedenkstätten wie Schifflersgrund und Point Alpha laufe an. Außerdem bemühe man sich um die Aufnahme in den Naturpark Frau-Holle-Land und die Einbindung in das „Grüne Band“. Der Werra-Grenzpark soll knapp 310 000 Euro kosten. Zwei Drittel der Ausgaben, der „Löwenanteil“, wie von Randow erläutert, wird von einem europäischen Leader-Programm finanziert. Das letzte Drittel solle ebenfalls durch Fördermittel aufgebracht werden. Hauptförderer mit rund 200.000 Euro sind die Europäische Union (173 600 Euro) und der Bund (26 700 Euro). Das Leader-Programm schüttet Geld an Projekte im ländlichen Raum aus. Auch die Sparkassenstiftung will 10.000 Euro geben.

Marco Wanderwitz, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, erinnerte daran, dass für einen Teil Deutschlands nach der NS-Zeit auf eine Diktatur mit der der DDR die nächste folgte, Schmerzen aus der Vergangenheit jedoch kein Grund sein sollten, um heute demokratiegefährdende Parteien zu wählen. „Es liegt an uns, die Demokratie mit Leben zu erfüllen“, knüpfte Walk an die von ihm zitierten Worte Wolf Biermanns an und sagte, dass dies nun in Herleshausen geschehe.

Auf die Frage, was es bedeutet, sich in der Gegenwart für die Zukunft an die Vergangenheit zu erinnern, ging Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Historiker und Staatssekretär a.D., ein. Er betonte nach einem geschichtlichen Rückblick, wie relevant es sei, dass an mehreren Stellen nicht nur an die Mauer, sondern auch an den Zaun erinnert werde, an dem viele Menschen starben.

Freiheit und die Würde des Menschen sollten im Fokus der europäischen Wertevermittlung stehen. „Es war ein europäisches Ereignis“, sagte Europastaatsminister Michael Roth über den Mauerfall und die Faktoren, die zur Freiheitsbewegung in der DDR beigetragen haben.

Kommunikation und Wertschätzung über Unterschiede hinweg thematisierten Pfarrerin Katrin Klöpfel von Herleshausen-Nesselröden und Pfarrer i. R. Joachim Kramer von Gerstungen. „Es kommt auf den Geist an“, erklärten sie mit Blick darauf, dass der Werra-Grenzpark durch die Menschen und deren Umgang miteinander zum Segen werden kann.

Zu Gesprächen nach dem Festakt luden ehemalige „Grenzer“ beider Seiten und Vertreter des Planungsbüros Beier und Wellach ein. Musikalisch untermalt wurde der Festakt von Jörg Sauer und der zwölfjährigen Tessa Schlägel, die mit dem Lied „Weiße Fahnen“ zum Nachdenken anregte. (Eden Sophie Rimbach)

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