Radeln gegen den Südlink

Stephan Schulz will Energie-Thema wieder mehr ins Bewusstsein rufen

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Startete in Herleshausen die zweite Etappe: Der Bad Sooden-Allendorfer Stephan Schulz will mit der Tour das Thema Südlink wieder mehr ins Bewusstsein rufen.

Stephan Schulz radelte an der von der Bundesnetzagentur vorgestellten Vorzugsvariante des Südlink-Kabels entlang von Schleswig-Holstein bis nach Bayern. 

Brunsbüttel in Schleswig-Holstein, Garbsen in Niedersachsen, Everloh bei Hannover und die Kurstadt Bad Sooden-Allendorf lauteten am Samstag die Stationen von Stephan Schulz. Der 52-Jährige radelte an der von der Bundesnetzagentur vorgestellten Vorzugsvariante des Südlink-Kabels entlang. „Die Energiewende, die uns verkauft wird, ist nur eine große Atomstromlüge“, sagt Stefan Heuckeroth-Hartmann (Vorsitzender Bürgerinitiative Werra-Meißner gegen Südlink). „Mit der Tour de Südlink wollen wir das Thema Südlink und Energiewende wieder mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung bringen.“

Bei der ersten Station am Sonntag am Anger in Herleshausen erhielt Heuckeroth-Hartmann viel Zuspruch für seine Aussagen, ehe Schulz unter viel Applaus auf die Strecke in das 300 Kilometer entfernte Ziel im unterfränkischen Greßthal geschickt wurde. „Das Projekt ist völlig unsinnig, meine Natur wird zerstört“, sagte Schulz wenige Minuten vor dem Start.

„Wir sind die Ausgleichsflächen für viele Großprojekte in Hessen, wir haben aber die meisten europäischen Naturschutzgebiete Hessens“, sagte Heuckeroth-Hartmann, der es als unverständlich ansieht, dass schmale Korridore die Entwicklungsfähigkeit des Kreises aus „wirtschaftlicher und urbaner Sicht“ noch weiter einschränken. „Wir haben von der Trasse nichts und verkaufen unsere Natur. Nein, wir verkaufen sie nicht. Sie wird uns enteignet“, brachte Heuckeroth-Hartmann seinen Unmut zum Ausdruck. Einen dezentralen Ausbau unter Hinzunahme von mehr Bürgerbeteiligung ist für ihn eine Alternative: „Dann ist die Akzeptanz in der Politik und der Bevölkerung größer.“

Ein strategischer Schachzug?

Dass die Erörterungstermine in Einbeck, Gotha und Rotenburg stattfinden, sorgte bei Heuckeroth-Hartmann für Kopfschütteln. Um die betreffenden Regionen wird ein weiter Bogen gemacht: „Das ist ein strategischer Schachzug von allen Beteiligten, es wird unsauber gespielt.“

Neben Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix war auch Herleshausens Verwaltungschef Lars Böckmann vor Ort. „Durch die ICE-Trasse, eine Autobahn, eine sich im Bau befindliche Autobahn und zwei Hochspannungsleitungen“ sieht Böckmann eine hohe Einschränkung für die Bevölkerung, „der Südlink wäre eine weitere, auch weil die Trasse direkt an Wohngebieten vorbeigehen würde.“

Torsten Möller, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, kann sich mit den Planungen nicht anfreunden: „Unsere Bereitschaft, unsere Äcker zur Verfügung zu stellen, hält sich in Grenzen, weil nicht nur grüner Strom, sondern auch schmutziger Strom durch die Kabel fließen soll.“ Laut dem Archfelder Landwirt bekommen Menschen in Netra die Kabel zwei Meter neben den Gartenzaun gelegt: „Der Mensch spielt in den Planungen keine Rolle.“

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