Stolpersteine für Opfer von Euthanasie und Verfolgung in Herleshausen  verlegt 

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Spendeten etwas, das bleibt: Die Schüler der Abschlussklasse der Südringgauschule engagierten sich bereits während ihrer gesamten Schullaufbahn für die Stolpersteinverlegungen in Herleshausen.  

In Herleshausen wurden  Stolpersteine verlegt und der Opfer von Euthanasie gedacht.

Herleshausen – In Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen sind nun weitere Stolpersteine in Herleshausen verlegt worden – erstmalig auch für Opfer der Euthanasie. Es wurden auch vier Stolpersteine für die jüdische Familie Wolf verlegt. An der sechsten Stolperstein-Verlegung nahmen rund 100 Menschen teil – inklusive Angehörige aus Israel.

Karl Biehl: Karl Biehl wurde 1889 in Herleshausen geboren. Über den Lebensweg von Karl Biehl ist nur wenig bekannt. Dass er Opfer der T4-Aktion wurde, wurde zufällig entdeckt. Er litt unter Epilepsie und wurde vermutlich am 1. April 1941 in Hadamar getötet. Die Finanzierung des Steins am Goldgraben 4 haben die Enkel Biehls übernommen.

Paul Hohmann: Paula Hohmann wurde 1903 in der Gartenstraße 12 geboren, wo nun auch für sie ein Stolperstein verlegt worden ist. Ihre Behinderung ist unbekannt. Sie wurde am 1. April 1941 im Zuge der T4-Aktion in Hadamar ermordet. Pfarrerin Katrin Klöpfel spendete für den Stolperstein

Karl August Frölich: Karl August Frölich wurde 1911 in Metzebach geboren und zog mit seiner Familie in 1919 nach Archfeld. Bei ihm wurde Schizophrenie diagnostiziert und nach mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Einrichtungen wurde er am 26. Mai in Hadamar ermordet. Sein Stolperstein befindet sich vor dem ehemaligen Schulhaus in Archfeld.

Julie, Hermann, Hedwig und Max Martin Wolf: Julie wurde 1874 in Herleshausen geboren, in 1942 nach Thersienstadt deportiert und dort am 15. März 1943 ermordet. Hermann wurde 1901 geboren. Mit seiner Frau Hedwig und dem zweijährigen Sohn Max Martin emigrierte er 1933/1934 nach Palästina. Die Stolpersteine befinden sich vor der Bahnhofsstraße 11 und wurden von dem heutigen Besitzer des Grundstücks, Jürgen Deubener, Christoph Wetterau und der Abschlussklasse 2019 der Südringgauschule gespendet.

Die Kinder von Max Martin Wolf, Dana und Omry, wohnten mit ihren Ehepartnern Gil und Sigal der Verlegung der Steine ihrer Familie bei. Sie leben heute in Kadima, Israel. Dana Levanon, geborene Wolf, hielt eine Rede.

Aaron Adolf, Julius und Martha Müller: Aaron Adolf wurde 1879 geboren und erhielt vor der Bahnhofsstraße 6 einen Stolperstein. Er wurde im Oktober 1940 in das Internierungslager nach Gurs deportiert und von dort aus in 1942 nach Portet sur Garonne gebracht und ermordet. Seine Frau Lydia wurde in Auschwitz ermordet. Der Stolperstein wurde von Heiko und Iris Wenk finanziert. Julius Müller erhält einen Stolperstein am gleichen Ort. Den Stolperstein haben Jens und Markus Müller gespendet.

Martha Müller wurde 1893 geboren und wurde mit ihrer Familie im Januar 1942 in das Ghetto Riga deportiert. Sie wurde am 1. Oktober 1942 ermordet. Finanziert wurde ihr Stein von Eric Brück.

Dr. Curt Meyer: Dr. Meyer überlebte den Holocaust. Er wurde 1981 geboren und 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er als Häftlingsarzt tätig war. Danach wurde er in das KZ Neuengamme deportiert und arbeitete dort ebenfalls als Häftlingsarzt. Er überlebte danach das Seuchenlager Mecklenheide und den Todesmarsch im April 1945 nach Sandbostel.

Clementine Goldschmidt:Clementine Goldschmidt, geborene Bud, zog nach Berlin und wurde 1941 nach Theresienstadt und am 16. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie sofort ermordet. Der Stein wurde von Christoph Wetterau gespendet.

Jeanette und Aron Goldschmidt: Jeanette Goldschmidt, geborene Spangenthal, erhält einen Stolperstein vor ihrem Geburtshaus in der Lauchröderstraße 7. Sie wurde im September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 6. Februar 1943. Ihr Neffe Aron Goldschmidt wurde 1890 geboren und erhält an der Stelle einen Stolperstein. Seine Deportation erfolgte 1940 nach Buchenwald, wo er am 12.8.1941 ermordet wurde. Die Steine wurden von Traudel und Uwe Hartmann gespendet. (ej) 

Weitere Fotos zur Stolperstein-Verlegung unter werra-rundschau.de

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