Werratalverein Südringgau

Tagebucheintrag aus dem Jahr 1830 gibt Aufschluss über Umgang mit Cholera in der Region

Ein rundes Glas mit Punkten in einer Hand
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Symbolfoto: 1830 war noch nicht bekannt, wie Cholera übertragen wird. Inzwischen hat sich die Situation verändert. In Laboren können Proben untersucht werden.

Ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 1830 ist beim Zweigverein des Werratalvereins Südringgau aufgetaucht.

Herleshausen/Ringgau – „Darin findet sich eine kurze Mitteilung über die Cholera-Epidemie“, erklärt der Vereinsvorsitzende Helmut Schmidt. Geschildert werde, wie man vor fast 200 Jahren die bakterielle Infektionskrankheit des Darms in den Dörfern der Werraregion behandelte:

mit Abwehrmaßnahmen wie Desinfektion durch „Räucherwerk“, Gesundheitspässe, Kontrollen an den Grenzen sowie Seuchenhäuser.

Die Seuchenhäuser, die unter anderem für Durchreisende gedacht waren, seien hier jedoch kaum genutzt worden, erklärt der Historiker und ehemalige Leiter des Eschweger Stadtarchivs Dr. Karl Kollmann. Denn die Cholera, die durch den starken Elektrolyteverlust zum Kollaps des Körpers führte, traf den heutigen Werra-Meißner-Kreis nicht so hart wie etwa Mühlhausen, wo 200 Menschen starben, weiß Kollmann.

„Es gab ein paar Einzelfälle in Eschwege.“ Ansonsten habe der Umgang mit der Cholera in „unserer Ecke gut geklappt“. Geholfen hätten dabei die Abwehrmaßnahmen an der Landesgrenze. „Die Leute wurden abgefangen“, erklärt er.

Seuchenhäuser als Mittel gegen die Ausbreitung

Damals lag der heutige Werra-Meißner-Kreis im Königreich Preußen. Die Nachbarn gehörten zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Schreiber des Tagebuchs, Johann Sebastian Altenbrunn, lebte im Großherzogtum. Er entstammte einer alten bäuerlichen Familie, die in Wartha ansässig war. Geboren wurde er im Jahre 1793, gestorben ist er 1870 in Göringen.

„Von 1818 an hat er tagebuchartig wichtige Ereignisse aus seiner näheren und weiteren Umgebung notiert und kommentiert“, so Schmidt. „Diese Aufzeichnungen sind heute im Besitz seiner Ururenkelin, Frau Ilse Altenbrunn, die in Wartha lebt.“

In einem Eintrag von 1830 heißt es über die Cholera: „Diese Krankheit herrschte in Deutschland, wo in jedem Ort in unserem Großherzogthum eine Stube zurecht gemacht wurde und man Kranken-Wärter, Betten und alles darzu bestellte, im Fall, dass ein Reisender in den einen oder andern Ort kam. Sogar in Hessen wurden Häuser ganz neu erbaut (welches ich in Ritzhausen selber gesehen habe). Sie wurden vor das Dorf gebaut, unweit der Chaussee, um darin die Kranken zu bepflegen.“

Ein Tagebuch von 1830 gibt Aufschluss über den Umgang mit Cholera in der Region.

„Bei Ritzhausen“, erklärt Schmidt, „handelt es sich sehr wahrscheinlich um Rittmannshausen, das im Dialekt noch heute Ritshüsen genannt wird.“ Bekannt ist das Seuchenhaus. Doch steht es längst nicht mehr am Ortsausgang Richtung Ifta. „Das alte Fachwerkhaus wurde abgetragen und im Ort wieder aufgebaut.“ Zuordnen, sollte dieses Haus noch existieren, können es bislang aber weder er noch Kollmann.

Kein Durchkommen ohne Gesundheitspass

Was an der Landesgrenze passierte, lässt sich ebenfalls aus dem Eintrag entnehmen: „Und wenn ein Fremder auf der Landstraße von Creuzburg aus nach Cassel zu marschieren wollte und kam in das erste Dorf von Hessen, so ließ ihn die Wache nicht durch, wenn er keinen Gesundheitspass hatte. Er wurde ohne alle Vorstellung geräuchert, und dann gaben sie ihm auf seine Kosten einen Gesundheitspass und schickten denselben weiter.“

Schmidt vermutet, dass damals mit Räucherwerk desinfiziert wurde: „Wie es bereits in den Pestjahren praktiziert wurde.“ Damals, erklärt Kollmann, dachten die Menschen, Cholera würde über die Luft übertragen. „Es war aber im Wasser.“ Der Tagebuchschreiber schließt mit folgenden Worten: „Diese Krankheit war weiter nichts als Durchfall, sie wurde von den Doktoren die Collera genannt, die ansteckend sey.“

Von Hanna Maiterth

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