Ein neuer Hut für die liebe Frau

Turm der Kirche in Willershausen bekommt eine Haube aus Nadelholz

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Langsam schwebt sie ein, die neue Haube für den Turm der Kirche „Unseren lieben Frau“ in Willershausen. Der Kirchturm wird seit Ende Mai saniert, nun wurden die neue Glockeneinhausung sowie das Dach installiert.

Willershausen. Die Skyline von Willershausen wird derzeit neu gestaltet: Der Turm der Kirche „Unserer lieben Frau“ ist wegen der umfangreichen Sanierungsarbeiten noch eingerüstet, aber die neue Laterne und Turmhaube stechen farblich schön hervor.

Ein neuer „Hut“ für die „Frau“. Ralf Eisenberg baute ihn aus Nadelholz mit den Männern seiner Firma in Nesselröden.

Die Landeskirche Kurhessen-Waldeck stellt für die Turmsanierung 210.000 Euro zur Verfügung. „Davon sind 10.000 Euro ein zinsloses Darlehen, das die Kirchengemeinde im Laufe von zehn Jahren zurückzahlt“, sagte Dirk Bachmann, Gebäudemanager der Landeskirche, als Kranmeister Steffen Kunze jetzt mit seinem 48-Tonnen-Autokran der Eisenacher Firma Daum anrollte. Mit 70 Tonnen Zugkraft hob er fast spielerisch die neue Holzkonstruktion in die Höhe. „Laterne und Turmhaube sind 7,50 Meter lang und wiegen 2,5 Tonnen“, erklärte Ralf Eisenberg sein Bauwerk. Pfarrer Martin von Frommannnshausen kam sportlich mit dem Motorroller zur „lieben Frau“ und stieg gut behelmt auch sofort auf den Turm, um in räumlicher Nähe zu seinem „Chef“ die Hebearbeiten fotografisch zu dokumentieren. Das war großes Kino in Willershausen.

Auch Fabian, Tom, Katja und Nicole hielten filmisch alles mit ihren Smartphones fest. Die Seniorinnen Marianne, Irma, Marga, Herta und Helga setzten sich lieber gemütlich auf eine Bank und schauten der Hebekraft von Steffen Kunze gelassen zu. Dirk Bachmann: „Im Sinne der Denkmalpflege werden noch alte, gut erhaltene Sparren in die neue Dachkonstruktion eingebaut.“

Ende Mai wurde mit der Turmsanierung angefangen. „Dabei hat die Gemeinde viel Eigenleistung erbracht“, erzählt Martin von Frommannshausen. Zehn Gemeindeglieder wirkten unter anderem bei der Glockeneinhausung mit. Ursula Rößler vom Kirchenvorstand weiß viel über die „liebe Frau“ von Willershausen: „Unsere Kirche ist eine Station am Elisabeth-Pfad.“ Die Anfänge der spätgotischen Hallenkirche gehen bis 1250 zurück. „Damals muss die Kirche wohl ein weitgehend leerer Saal mit Holzpfeilern, einer Holzdecke und einem niedrigen Chorraum gewesen sein.“

Erst im 15. Jahrhundert gab das Kloster Fulda den Ort Willershausen als Lehen an die Familie Treusch von Butlar, die dann mit dem Umbau der Wallfahrtskirche begann. Ursula Rößler: „So entstand das schöne gotische Kreuzgewölbe.“ Auffällig sind die Säulen, um deren glatte Rundungen sich zehn aus dem Stein gehauene armdicke „Taue“ ziehen. Das finde man auch in englischen Kirchen.

Die Nadelholzlaterne wird jetzt noch mit Schiefer und die Turmhaube mit Biberschwanz verkleidet. Zum Schuss bekommt der neue „Hut“ der „lieben Frau“ noch eine Kugel mit Wetterhahn und Stern. Dann ist die Skyline von Willershausen perfekt.

Von Ludger Konopka

Neues Dach für den Kirchturm in Willershausen

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