Ortsteilwehr Herleshausen gewinnt trotzdem 14 neue Mitglieder

Düstere Prognose für Zukunft der Wehren

Werra-Meißner. Die Feuerwehren im Landkreis Werra-Meißner versuchen verstärkt, den Mitgliederschwund zu kompensieren. Denn der gibt laut Kreisbrandinspektor Christian Sasse Grund zur Sorge: Allein in den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der aktiven Einsatzkräfte im Kreis um 66 auf nun 2899.

„Um für die Zukunft gerüstet zu sein, ist technisch und organisatorisch ein Umdenken erforderlich – sowohl in der Politik als auch den Wehrführungen“, sagt Walter Schäfer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes.

So würden beispielsweise Überlegungen, Stützpunktstrukturen zu bilden, intensiviert. „Die dürfen aber keineswegs übergestülpt werden“, sagt Schäfer. Organisiert werden solle eine engere Zusammenarbeit zwischen von der Auflösung bedrohten kleinen Ortsteilwehren. Vergleichbare Modelle werden auf freiwilliger Basis bereits erfolgreich in Herleshausen und Sontra praktiziert.

Auch die Beschäftigung von hauptamtlichen Kräften, etwa auf der Führungsebene, bei der Gerätewartung oder den organisatorischen Aufgaben, sei denkbar. „Das ist für die Kommunen natürlich ein Kostenfaktor“, sagt Schäfer, der auch den Arbeitskreis Zukunft Feuerwehr leitet. „Durch Kostenersparnis an anderer Stelle könnte der Mehraufwand aber teilweise wieder ausgeglichen werden.“

Zu kämpfen hat die Feuerwehr zurzeit nicht nur mit dem Nachwuchsmangel, sondern auch mit der teils nicht ausreichenden Qualifizierung der Wehrführer. Laut einer vom Kreisfeuerwehrverband in Auftrag gegebenen anonymen Umfrage bewerten zehn Wehrleiter die Anforderungen an Führungskräfte als „zu hoch“, nur sieben als „richtig“. Ernüchternd auch die Einschätzung zur Personalsituation in fünf bis sieben Jahren: Sieben Wehrführer entschieden sich für „schlecht“, acht bewerteten sie als „mittel“ – nur ein Einziger entschied sich für „gut“.

Ortsteilwehr Herleshausen erlebt Ansturm

Einen wahren Ansturm erlebt zurzeit die Ortsteilfeuerwehr Herleshausen – und trotzt damit dem kreisweiten Abwärtstrend: Insgesamt 14 neue Mitglieder hat die Wehr innerhalb der vergangenen zwölf Monate hinzugewonnen. Die Zahl der Aktiven wuchs damit auf 41 an.

„Ein solch enormer Personalanstieg ist ungewöhnlich“, sagt Herleshausens Wehrführer Mario Mißler. Denn engagierte Nachwuchskräfte zu finden sei schwierig; auch der Übergang von Heranwachsenden aus den Jugendwehren in die Einsatzabteilungen gestalte sich problematisch. Den Unterschied zu anderen Wehren mache laut Mißler das Herleshäuser Gesamtpaket: „Junges Führungsteam, Aufgabenverteilung auf mehrere Schultern, wöchentlicher und abwechslungsreicher Übungsdienst“.

Aufgaben besser verteilt 

So sind seit dem Jahr 2012 die Ämter des Vorsitzenden des Feuerwehrvereins (André Fehr) und des Wehrführers getrennt. Zuvor hätten beide Ämter in einer Hand gelegen und den Betreffenden an seine Leistungsgrenze geführt. Das neue Führungsteam Fehr/Mißler trieb zudem den Aufbau eines eigenen Internetauftritts voran: „Damit haben wir unser Ansehen drastisch verbessert – und nicht zuletzt auch auf uns aufmerksam gemacht“, sagt Mißler.

Die persönliche Ansprache sei laut André Popp nicht zu unterschätzen: „Hier haben wir die größte Möglichkeit, Nachwuchskräfte zu finden.“ Hervorragend funktioniert hat das etwa bei Tobias Hauss – der Quereinsteiger folgte einer Einladung zum Übungsdienst und ist seitdem engagiertes Mitglied der Ortsteilfeuerwehr. Auch Frauen wurden im vergangenen Jahr verstärkt auf das Angebot der Ortsteilfeuerwehr aufmerksam.

Mit dem Eintritt von Lisa Deist, Laura Carl und Rebecca Behrend hat sich der Frauenanteil in Herleshausen sogar verdoppelt. Kosten steigen Durch den Mitgliedergewinn wachse aber auch der Aufwand für die Führungskräfte, erklärt Mißler: „Die Übungsvorbereitung nimmt nun mehr Zeit in Anspruch, und auch der Verwaltungsaufwand steigt damit automatisch.“ Auch die Kosten wachsen – beispielsweise mussten die Brandschützer neue Spinde sowie persönliche Schutzbekleidung anschaffen.

Die getätigten Investitionen sollen sich nunmehr langfristig auszahlen: „Wir müssen den gewohnt hohen Stand halten und die neuen Mitglieder auch bei Laune halten“, sagt der Wehrführer.

Von Emily Spanel

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