Agrarmeteorologe stellt alternative Bodenbearbeitung vor

Wie Bauern zukünftig ihre Felder bestellen

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Informationen direkt vor Ort: Dr. Johannes Heyn erklärt den Teilnehmern des Feldtages, wie sich die Bodenbearbeitung für die Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren verändern wird.

Willershausen – Die Winter werden feuchter, die Sommer trockener hat der Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) durch Langzeituntersuchungen ab dem Jahr 1881 herausgefunden.

Wie sich Landwirte auf die „saisonale Verschiebung der Niederschläge“ einstellen können, erklärte der Wissenschaftler jetzt bei einem Feldtag in Willershausen. Hier wurde vor 20 Jahren durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) ein Bodenbearbeitungsversuch angelegt, um über einen langen Zeitraum Aussaattechniken zu erforschen.

Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität einzelner, teilweise sehr lokal begrenzter Niederschlagsereignisse werden zunehmen. „Insgesamt werden die Regenmengen steigen und die Regenheftigkeit wird zunehmen“, sagt Böttcher. Dieser Sachverhalt werde sich insbesondere auf das Wasserangebot für die Pflanzen im Boden bemerkbar machen. Zu wenig Wasser, das die Pflanzen in den Hauptwachstumsperioden im April, Mai und Juni nutzen können, werde das Wachstum zukünftig immer mehr begrenzen, sagt Böttcher. Er verweist dabei exemplarisch auf das Wettergeschehen des letzten, extrem trockenen Jahres. Hier war die sogenannte nutzbare Feldkapazität, bedingt durch ausbleibende Niederschläge, in dem für die Landwirte so wichtigen Monat Mai nur äußerst gering. Dies führte in der Konsequenz zu erheblichen Ertragseinbußen in der letztjährigen Ernte.

Die Lösung? Die präsentierte Böttcher rund 60 Besuchern am Versuchsstandort in Willershausen. Landwirte können die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen beeinflussen. Durch den Verzicht auf den Pflug und durch Anwendung der Direktsaat- oder Mulchsaattechnik kann Wasser im Boden gehalten werden, schlägt Böttcher vor. Insbesondere in Mulchsystemen könne die Infiltration von Regenmengen dadurch gesteigert werden, dass nicht etwa wie in den Pflugvarianten der Boden sehr rasch zum Verschlämmen neigt. Die Poren des Bodens werden daraufhin quasi verstopft“, sagt Böttcher. Im Falle von auch nur leichter Neigung könne es zu einem Abschwemmen von Oberbodenmaterial beziehungsweise einem flächigen Erosionsgeschehen kommen. Die Speicher des Bodens werden so nicht aufgefüllt, das abgeflossene Wasser steht den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung. Eine weitere Lösung: „Bei einer Bedeckung der Bodenoberfläche mit Mulch wird die kinetische Energie des auftreffenden Regentropfens effizient gebrochen und das Niederschlagswasser kann langsam in den Boden infiltrieren.“ Zudem stelle die Mulchdecke sogar noch einen Verdunstungsschutz dar.

Auf dem Versuchsacker in Willershausen konnten in den vergangenen 20 Jahren „wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung von Unkräutern, Ungräsern, Pilzerregern und Schadinsekten gesammelt werden“. Das berichtete Fricke-Müller. Unter anderem wurde die Menge an Regenwürmern im Boden untersucht, die für ein verbessertes Vermögen des Bodens verantwortlich sei. Fazit: Je weniger intensiv der Boden bearbeitet wird, desto mehr Regenwürmer waren im Boden vorzufinden.

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