Bauer Udo Zimmermann schießt das Fleisch für seine Produkte selbst / Auf den Weiden stehen Angusrinder

Wilde Wurst aus Willershausen

Daisy, Anika und Doreen: Die Angus-Kühe von Bauer Udo Zimmermann tragen alle Namen. Da sie nicht gemolken werden, leben sie die meiste Zeit des Jahres auf ihrer Weide oberhalb von Willershausen. Foto: Bettinger

Willershausen. Ein Pfiff - und die komplette Herde Rindviecher samt Bulle Oskar galoppiert Bauer Udo Zimmermann entgegen. Seit zwölf Jahren züchtet er in Willershausen Deutsche Angus, eine Rasse, die nicht der Milchgewinnung, sondern allein der Fleischproduktion dient.

In der vierten Generation ist Udo Zimmermann schon Landwirt. Die Milchkühe schaffte er vor zwölf Jahren ab, als seine Ehefrau eine Rinderhaarallergie bekam. „Da die Deutsche Angus nicht gemolken wird, muss meine Frau nicht mehr so nah an die Tiere heran“, begründet der Bauer den Wechsel.

25 Mutterkühe besitzt er. Die meiste Zeit weiden sie auf den Anhöhen oberhalb des Hofes. Geschlachtet werden sie im Alter von zwei Jahren, immer in den Wintermonaten, in der ehemaligen Molkerei. Nur Annabelle, die einzig verbliebene schwarz-weiß-gefleckte Milchkuh, bleibt vom Messer verschont. Sie gehört Jungbauer Jan (15), der im August seine landwirtschaftliche Lehre in Philippsthal antritt und den Hof später übernehmen will.

 Getreideanbau und Fleischviehhaltung reichten dem passionierten Jäger Udo Zimmermann aber nicht. Vor vier Jahren gründete er die Firma ToQua, abgeleitet von dem Wort Topqualität. Unter diesem Namen verkauft er in seinem Hofladen und mittwochs auf dem Wochenmarkt in Eschwege Produkte aus selbst geschossenem Wild. „Gerade an Festtagen oder zu Feiern“, so Zimmermann, „wollen die Menschen gerne etwas Besonderes essen. Für die meisten ist das Wildfleisch.“

Das gesamte Areal links von Willershausen, von Archfeld herkommend, ist Jagdgebiet. Dort schießt Udo Zimmermann Wildschweine und Rehe. Leberwurst, Stracke und Vesperfleisch entstehen nach eigenem Hausrezept in einer Metzgerei in Herleshausen. Mit seiner Idee hat Udo Zimmermann eine Marktnische entdeckt. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass er Fleisch von anderen Jägern aus der Region zukauft. „Vor allem kurz vor Weihnachten wird es knapp“, sagt er.

Viele stünden dem Wildfleisch aber auch skeptisch gegenüber. Dabei geht mehr „Bio“ eigentlich gar nicht. Der ganze Hof trägt seit diesem Jahr das Bioland-Label. Doch Wildfleisch ist teurer als das herkömmliche - der Aufwand ist ein höherer: „Es kann sein, ich sitze ganze Nächte im Wald und kriege nichts vor die Flinte“, sagt Zimmermann. In solchen Fällen kann er nicht einfach in den Stall.

„Skeptiker lassen wir immer ein Stückchen von unserer Wurst probieren. Danach sind die meisten überzeugt“, so Zimmermann. Das Angusfleisch, sagt er, sei ganz fein marmoriert und zart. Neben der Landwirtschaft bietet der Nordhof Platz für Pensionspferde und eine Jagdhütte, in der übernachtet werden kann.

• Der Hofladen ist donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Bestellungen unter Tel. 0 56 54/302.

Von Stefanie Bettinger

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