Zeugnisse eines Lebens: Vortrag über Spätheimkehrer Dr. Erich Marsch

Zogen die Zuschauer in ihren Bann: (von links) Harry Weghenkel, Sabine Heinz, Birgit Lehmann und Dr. Hans-Peter Marsch erinnerten liebe voll an den Arzt Dr. Erich Marsch. Foto: Eden Sophie Rimbach

Der letzte der fünf Vorträge über den Spätheimkehrer Dr. Erich Marsch wurde am Sonntag in Herleshausen gehalten und fiel damit auf den 70. Jahrestag seiner Heimkehr.

 „Was er für uns getan hat, ist unermesslich“, schreibt einer der Männer, die Dr. Erich Marsch während der Kriegsgefangenschaft kennenlernten. Ein anderer erzählt von ihm als beliebtem und fürsorglichem Arzt im Lager. Gebannt hören die zirka hundert Besucher im Grenzbahnhof für Zeitgeschichte, wie die Briefe von Erich Marschs Zeit in Uljanowsk und seiner eigenen Geschichte zeugen.

Sein jüngster Sohn Dr. Hans-Peter Marsch berichtete mit der Unterstützung von Sabine Heinz und Birgit Lehmann, die Dr. Erich Marsch kannten, sowie Harry Weghenkel, der die letzten drei Vorträge dramaturgisch aufgearbeitet hatte, aus den sechs Jahren der Kriegsgefangenschaft in Uljanowsk (1945 bis 1950), dem Leben der Familie während dieser Zeit und seiner Heimkehr im Januar 1950.

Anhand dessen, was Dr. Erich Marsch aufgeschrieben hatte, wurde sein Weg nachgezeichnet und gleichzeitig gehörten Erinnerungen des jüngsten Sohnes sowie lyrische Texte, die sich mit seiner Geschichte und der der Spätheimkehrer allgemein beschäftigten, zum Vortrag.

Briefe, die Heimgekehrte an seine Frau Ilse Marsch schrieben und denen er selbst später die Überschrift „Die schönsten Zeugnisse meines Lebens“ gab, zeugten stets von großer Dankbarkeit ihm gegenüber. Neben ihnen stellte Dr. Hans-Peter Marsch dem Museum weitere Exponate zur Verfügung, zu denen auch die wattierte Jacke gehört, die Dr. Erich Marsch bei seiner Heimkehr trug. Mit Blick auf diese und die ebenfalls ausgestellte wattierte Hose, die von einem Freund seines Vaters aus Eschwege stammt, erklärte Dr. Hans-Peter Marsch, dass die Heimkehrer in ihren letzten Tagen im Lager neu eingekleidet worden seien und zudem mehr Essen erhalten hätten.

Er erinnerte dabei auch an den Rücktransport aus Uljanowsk und den 10. Januar, an dem es seiner Mutter mithilfe eines Telegramms des Vaters gelang, den Zug in Herleshausen kurz außerplanmäßig anhalten zu lassen.

Hier wurde er bereits von ihr und den vier Kindern begrüßt, wobei der jüngste Sohn ihn nur aus den liebevollen Erzählungen der Mutter kannte, er für ihn durch diese jedoch nicht fremd gewesen war. Über das Leben nach der Heimkehr zwei Tage später sprach Dr. Hans-Peter Marsch ebenfalls, erzählte davon, wie Menschen aus dem Ort binnen kurzer Zeit das Haus für die Ankunft seines Vaters herrichteten. Auf die Einladung von Dr. Kristina Bayer, Vorsitzende des Grenzbahnhof, für Zeitgeschichte, dass Betroffene ihre Geschichten mit dem Museum teilen können, meldete sich bereits eine Besucherin.

Zudem konnte Dr. Hans-Peter Marsch Oxana Stärke begrüßen, die an der Brüder-Grimm-Schule Russischunterricht anbietet und mit einigen Schülern im Oktober die Partnerschule in Uljanowsk besuchen wird. Diesem Austausch möchte er sich anschließen und erklärt, dass er es seinem Vater schuldig sei, den Ort zu besuchen, an dem dieser sechs Jahre lang gebangt und gelitten habe.

Wegen des großen Interesses an dem Vortrag soll der fünfte und letzte Vortrag ein zweites Mal angeboten werden.

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