LANDRATSWAHL

Werra-Meißner: Nicole Rathgeber tritt für die Freien Wähler zur Landratswahl an

Blitzkarriere: Vor einem Jahr war Nicole Rathgeber (38) noch nicht politisch aktiv. Im März wurde sie Ortsvorsteherin von Meinhard-Grebendorf, im Juli Landratskandidatin für die Freien Wähler.
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Blitzkarriere: Vor einem Jahr war Nicole Rathgeber (38) noch nicht politisch aktiv. Im März wurde sie Ortsvorsteherin von Meinhard-Grebendorf, im Juli Landratskandidatin für die Freien Wähler.

Vier Kandidaten stellen sich am 24. Oktober zur Wahl, um Landrat oder Landrätin des Werra-Meißner-Kreises zu werden. Wir stellen sie einzeln vor. Heute: Nicole Rathgeber (Freie Wähler).

Grebendorf – Als der Anruf von Claus Wenzel, Vorsitzender der Freien Wähler im Werra-Meißner-Kreis kam, war Nicole Rathgeber einigermaßen überrascht: Gerade hatte er ihr das Amt der Kandidatin zur Landratswahl angetragen. Das musste sie erst mal sacken lassen. Sie war gerade mal ein Vierteljahr Ortsvorsteherin von Meinhard-Grebendorf und jetzt glaubten Menschen, sie könnte einem gesamten Landkreis vorstehen? Sie beriet sich. Mit der Familie, mit Freunden, Arbeitskollegen und Vorgesetzten. Dann stand die Entscheidung fest: Sie hatte so viel Zuspruch bekommen, dass sie sich auf das Abenteuer einlassen wollte. Jetzt, knapp zwei Wochen vor der Wahl, kann sie richtig einschätzen, worauf sie sich eingelassen hat.

Im Wahlkampf, den sie zusammen mit FW-Bundestagskandidat Rainer Janisch im August begonnen hat, habe sie viele tolle Menschen kennengelernt und viele Erfahrungen mitgenommen. „Dadurch bin ich gewachsen“, sagt sie, obwohl die 38-jährige Volljuristin schon in ihrem Beruf als Teamleiterin bei der Agentur für Arbeit einiges an Erfahrung in Sachen Auftreten und Kommunikation gelernt hat.

Vorurteile wegen geringer kommunalpolitischer Erfahrung

Dennoch sind ihr Vorurteile an den Wahlkampfständen entgegengeschlagen. Dass sie zu wenig kommunalpolitische Erfahrung habe, wurde ihr immer mal wieder vorgehalten. „Das weiß ich, aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern“, sagte sie dann ihrem Gegenüber und versuchte stattdessen mit Argumenten zu überzeugen. Über Schule und Bildung kann die Frau, die bei der Agentur für Arbeit Akademiker in den Beruf bringt, besonders gut sprechen. Hier sieht sie im Werra-Meißner-Kreis Entwicklungspotenzial: „Wir müssen als Schulträger auf jede einzelne Schule schauen, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt“, sagt sie. Dafür will sie in der Kreisverwaltung auch alte Strukturen aufbrechen. „Transparenz und Offenheit“ soll ihr Wirken als Landrätin begleiten. Das habe als Ortsvorsteherin bisher gut funktioniert.

Außerdem möchte sie eine Regionalmarke Werra-Meißner aufbauen. Der Slogan fehlt dazu noch. Eine Ideen-Plattform aus der bürgerlichen Mitte heraus könnte auch hier Impulse setzen. Bei der Ansiedelung von Ärzten müsse sich der Landkreis stärker einbringen. „Die jetzt beschlossenen Stipendien sind ein guter Ansatz, Ärzte müssen aber auch finanzielle Anreize bekommen.“ Insgesamt wirbt sie dafür, sich in ihrer Heimat niederzulassen. Wenn man dann noch ein Start-up-Unternehmen mitbringe, wäre das ideal.

Nach Studium in Marburg und Referendariat in Kassel in den Werra-Meißner-Kreis zurückgekehrt

Nicole Rathgeber ist selbst eine Rückkehrerin. Nach Studium in Marburg und Referendariat in Kassel kam sie vor fünf Jahren zurück in den Landkreis, pendelt seitdem mit dem E-Auto oder dem Zug zur Arbeit nach Kassel. In Grebendorf hat sie ein Haus gebaut. Ihr Heim war auch ausschlaggebend, sich politisch zu engagieren. „Ich war schon immer politisch interessiert, aber erst als ich angekommen war, war ich bereit, Verantwortung zu übernehmen“. Dass sie innerhalb eines Jahres, als sie erstmals von der ÜWG Meinhard für den Ortsbeirat von Grebendorf angefragt wurde, solch eine Karriere hinlegen würde, hätte sie nicht gedacht.

Ihre Chancen schätzt sie realistisch ein. Der Wahlsieg wäre ein Traum, die Stichwahl ein großer Erfolg. „Ich möchte ein möglichst gutes Ergebnis“, sagt sie. Der Wahlkampf hat ihr Interesse an der Politik verstärkt. „Das macht Lust auf mehr, ich will weiter politisch aktiv sein. Egal, wie es ausgeht.“ Mal sehen, wer sie als Nächstes mit einem Anruf überrascht.

Von Tobias Stück

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