Prozess vor dem Landgericht

Sex mit 13-Jähriger: Witzenhäuser gesteht Vorwürfe

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Kassel. Vor dem Landgericht in Kassel steht ein Mann aus Witzenhausen, der mit einer 13-Jährigen Sex hatte. Das Mädchen ist seitdem in psychologischer Behandlung.

Kassel/Witzenhausen. Die Frage, die sich wohl jeder im Saal stellt, vermag auch der Angeklagte nicht zu beantworten. „Was haben Sie denn in dem Mädchen gesehen?“, will die Staatsanwältin wissen. „Ein Kind oder eine Frau?“ Der 32-Jährige auf der Anklagebank druckst, nuschelt, dann sagt er nur: „Ich wusste, wie alt sie war.“ Gerade 13 Jahre nämlich. Ein Kind also. Und trotzdem hat er mit ihr Sex gehabt.

Seit Dienstag muss sich der Witzenhäuser deshalb wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Es ist ein ungewöhnlicher Fall. Vorbehaltlos räumt der Mann ein, was ihm vorgeworfen wird. Dass er die Tochter von Bekannten erst in ihrem Kinderzimmer angefasst und geküsst hat. Und dass es dann zwei Tage später an einem Badesee zu sexuellen Handlungen zwischen ihnen gekommen sei. Aber, so betont er, alles sei einvernehmlich geschehen.

„Ich hab immer gefragt, ob sie das wolle“, sagt der Familienvater. Sie habe nicht nein gesagt. „Und es waren keine Ängste zu sehen.“ Wenn er von den Blicken des Mädchens erzählt, durch die er sich zu den ersten Berührungen aufgefordert gefühlt habe, dann klingt es, als rede er von einer erwachsenen Frau. Und nicht von einer unsicheren, sexuell unerfahrenen 13-Jährigen.

Dass es ein sexuelles „Einvernehmen“ zwischen einem Kind und einem Erwachsenen gar nicht geben kann, ist dem Mann erst hinterher klar geworden. Dann allerdings mit aller Macht. „Ich wusste, was ich da für einen Mist gebaut habe“, sagt er. Er habe Selbstmordgedanken gehegt und sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Und auch wenn er beteuert, nichts gegen den Willen des Mädchens getan und schon gar keine Gewalt angewendet zu haben: An seiner Schuld lässt er keinen Zweifel.

Seit einem halben Jahr zahlt er dem Kind monatlich 100 Euro, als Versuch der Wiedergutmachung. Und als Anzahlung auf das Schmerzensgeld, zu dem er neben einer Strafe wohl verurteilt wird. Denn weit mehr als ihn selbst hat seine Tat das Mädchen aus der Bahn geworfen. Monatelang wurde die 13-Jährige stationär in der Psychiatrie behandelt, weil sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Sie zeigte depressive Symptome und war suizidgefährdet.

Viel scheint dafür zu sprechen, dass das Treffen am Badesee kein Zufall, sondern eher eine Verabredung war. So ähnlich hat es das Mädchen bei der Polizei auch selbst erzählt. Später aber sprach sie davon, dass sie der Mann verfolgt und dass sie Angst vor ihm gehabt habe. Ein Versuch, die eigene Verantwortung loszuwerden? Vielleicht, meint die als Zeugin vernommene Vernehmungsbeamtin. „Dabei kann sie diese Verantwortung als 13-Jährige ja gar nicht tragen. Aber das weiß sie nicht.“

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Von Joachim F. Tornau

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