Höhere Kosten, größerer Aufwand

A44-Tunnelbauarbeiten: B7 ist für Schwertransporte dicht

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Schwertransporte nicht zugelassen: Die Bundesstraße 7 bei Helsa (Foto) ist zurzeit für Lastwagen mit mehr als 44 Tonnen gesperrt. Grund ist die Untertunnelung der B 7 für die Autobahn 44. Betroffen ist vor allem die Firma Richter in Hessisch Lichtenau.

Helsa / Hessisch Lichtenau. Die B 7 darf wegen der A44-Tunnelbauarbeiten bei Eschenstruth zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau zurzeit nicht von Lastwagen mit mehr als 44 Tonnen befahren werden. Für Betriebe wie die Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau hat dies große Auswirkungen.

"Das ist ein Riesenproblem für uns“, sagte Mitarbeiter Gert Popis, der für die Schwertransporte der Firma zuständig ist, auf Nachfrage. Ein- bis zweimal pro Woche werden die bis zu 300 Tonnen schweren Maschinen – zum Beispiel Pressen für die Automobilindustrie oder riesige Anlagen für den Tunnelvortrieb – vom Firmensitz an der Industriestraße in Hessisch Lichtenau zu den Kunden weltweit auf die Reise geschickt. Die Transporte führen meist auf der Straße zu den Seehäfen in Bremen, Rotterdam oder Antwerpen oder per Schiff von Hann. Münden auf der Weser zur Küste.

Seit 12. Juni dürfen die langen Schwertransporter nicht mehr wie bisher die B 7 nutzen, sondern fahren über Melsungen auf die A 7. Die Firma Richter beklagt höhere Kosten und einen größeren Aufwand. So müssten bei einer Baustelle in Spangenberg die Ampeln jeweils ab- und wieder aufgebaut werden, sagte Popis.

An der Sperrung für hohe Lasten führe kein Weg vorbei, meinte Horst Sinemus, Sprecher der Verkehrsbehörde Hessen Mobil, auf Nachfrage. Grund seien die schwierigen geologischen Verhältnisse beim Bau des Tunnels Hirschhagen. Der nach seiner Fertigstellung mit 4,2 Kilometer längste Straßentunnel in Hessen unterquert bei Eschenstruth in 20 Meter Tiefe die B 7, die Lossetalbahn und auch die Losse. Die Nordröhre wurde bereits unter der Bundesstraße durchgetrieben, die Südröhre folgt demnächst.

Da die Tunnelbauer in diesem Bereich nicht auf Felsen, sondern auf feinen Sand stoßen, musste das Vortriebsverfahren geändert werden. Nun werden zunächst 15 Meter lange Rohrschirme aus hochfestem Stahl unter der Erde eingebaut und mit Zement verpresst. Zusammen bilden sie ein Gewölbe, das setzungshemmend wirkt und ein Abrutschen des Bodens verhindern soll, so Sinemus. Erst wenn der Schirm tragfähig ist, wird das innenliegende Material entfernt und aus dem Tunnel transportiert. Wie lange die Tonnage-Begrenzung auf der B 7 notwendig sei, könne man noch nicht sagen, sagte der Hessen-Mobil-Sprecher. Bei Richter stellt man sich auf Ende des Jahres ein.

Von Holger Schindler

Hintzergrund

Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen 

Um Reisende auf der B 7 und der Lossetalbahn nicht zu gefährden, wurden bei den A44-Tunnelarbeiten umfangreiche Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Autofahrer werden mit Schildern „Unebene Fahrbahn“ auf mögliche Bodenwellen durch Setzungen aufmerksam gemacht. Die Gleise der Lossetalbahn werden durch hochsensible Messgeräte überwacht. Sollten sich die Gleise durch Erdbewegungen infolge der Tunnelarbeiten senken, wird automatisch Alarm ausgelöst. Die Tramstrecke wird dann umgehend gesperrt, ein Busersatzverkehr eingerichtet. Die Losse, die ebenfalls untertunnelt wird, wurde in dem Abschnitt mit einer Folie ausgekleidet. (hog)

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