Mal uncool sein ist cool

Aktion BOB: Suchtprävention für Achtklässler

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Sie kennen jetzt die Aktion BOB: Bei der Präventionsveranstaltung im Rathaus ließen sich die Schüler dreier Klassen 8 der Johannisberg-Schule auch über die Aktion BOB informieren.

Witzenhausen. "Cool sein fahren ohne Alkohol!" Das war ein Aspekt einer Informationsveranstaltung, mit der sich das Lokale Bündnis für Familie in Witzenhausen zusammen mit der Johannisbergschule am Dienstag an die Schüler dreier Klassen 8 wandte.

Auch Mitglieder des Seniorenbeirates und interessierte Bürger folgten der Einladung zum Mit- und Einmischen, Position beziehen und Aktiv-Nein-Sagen, wie es in der Ankündigung hieß.

In den zwei Stunden im Rathaussaal berichtete Elke Bölling von der Anonymen Suchthilfe "Die Chance" über ihr eigenes Leben und die Schicksale von Mitbewohnern in der Selbsthilfegruppen-Wohngemeinschaft für trockene Suchtkranke. Für Bölling, die sich seit 22 Jahren für die Suchthilfe engagiert, ist Prävention "ganz wichtig".

Bei dem heute 22-jährigen Joshua Hirschschläger hat die Vorbeugung einst nicht gefruchtet. Dafür engagiert sich der früher von mehreren Substanzen Abhängige heutzutage auch stark für die Prävention. Er erzählte den 13- bis 15-Jährigen von seinem Weg in die Sucht, von Konsum, von Obdachlosigkeit und die Hilfe durch die Witzenhäuser "Chance". "Das kann mir nicht passieren", denke wohl jeder. Doch wem Anerkennung und Liebe fehlten, der sei doch anfällig, sagte Joshua Hirschschläger. Er hatte keinen Kontakt zu den Eltern, ihm fehlten jegliche Menschen, mit denen er sich austauschen konnte.

Das Problem fange in der Schule an durch Ausgrenzung, wenn jemand in der Gruppe diskriminiert wird, weil er keine Markenklamotten trägt, nicht raucht oder nicht mitkifft. "Dann musst Du uncool sein", riet Personal- und Businesscoach Béatrice Windus den Achtklässlern, und eine eigene Gruppe aufmachen nach dem Motto "Liebe dich selbst, damit die anderen dich gern haben können." Denn das Vergleichen mit anderen sei das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit, zitierte Windus ein bekanntes Sprichwort. Ihr Bestreben: Die Jugendlichen stark machen, sich Versuchungen zu widersetzen und nicht erniedrigen zu lassen.

Verantwortungsbewusstsein können die Jugendlichen auch schon in einem anderen Bereich beweisen. Darauf machte Klaus Herwig, der Leiter des Beratungscenters der AOK in Eschwege, aufmerksam, als er die Aktion BOB "Wer fährt, trinkt nicht" vorstellte. Auch schon als Beifahrer könnten die Jugendlichen darauf achten, dass der Fahrer nach dem Disco-Besuch nüchtern ist und wenn nicht, so uncool sein und sich beispielsweise per Taxi heimbringen lassen.

Auch könnten sie, so schlug Herwig vor, den knallgelben BOB-Anhänger, den die AOK samt blauem Schlüsselband jedem Schüler spendierte, an Vater oder Mutter weitergeben, wenn es zu einer Familienfeier geht. (sff)

Info: Das Präventionsprojekt des Lokalen Bündnisses kann gern auch von anderen Schulen, Klassen und Gruppen gebucht werden. Anfragen an: Katja Eggert, Tel. 0 55 42/ 50 81 05, und Béatrice Windus, Tel. 0 55 42 / 5 03 15 31.

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