Lichtenauer Stadtteil feiert

Märchensammler Wilhelm Grimm war vor genau 200 Jahren in Hollstein zu Besuch

Vor genau 200 Jahren war Wilhelm Grimm vom Rittergut Glimmerode nach Hollstein gewandert, am Samstag erinnerten die Hollsteiner daran: Ortsvorsteherin Bianka Dücker (von rechts), Markus Exner (Grimmheimat Nordhessen), Gerhard Hilwig (Maler der Gedenktafel) und Bürgermeister Michael Heußner mit weiteren Teilnehmern.
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Vor genau 200 Jahren war Wilhelm Grimm vom Rittergut Glimmerode nach Hollstein gewandert, am Samstag erinnerten die Hollsteiner daran: Ortsvorsteherin Bianka Dücker (von rechts), Markus Exner (Grimmheimat Nordhessen), Gerhard Hilwig (Maler der Gedenktafel) und Bürgermeister Michael Heußner mit weiteren Teilnehmern.

Vor 200 Jahren war Wilhelm Grimm (1786 – 1859), der jüngere Brüder der beiden Märchensammler, bei seinen Ausflügen in die Region nachweislich am 24. Juli 1821 in Hollstein unterwegs.

Hollstein – Den Besuch von Wilhelm Grimm vor 200 Jahren nahm der Ortsbeirat des Lichtenauer Stadtteils am Samstag zum Anlass, den Jahrestag angemessen zu feiern.

Der Eintrag im Gedankenbuch des seinerzeit 35-Jährigen zum 24. Juli 1821 ist eindeutig: „ Mittags ging ich mit Frau von Slicher nach einem Brunnen spazieren, wo schöne Felsen stehen, nach Art der Externsteine“. Dass es sich dabei nur um den Ort Hollstein mit den beiden Hollensteinen handeln kann, belegt sein Eintrag vom 20. Juli: „Nach drei Uhr in Malsburgs Equipage nach Glimmerode abgereist“. Mit der Kutsche von Otto von der Malsburg, dem damaligen Besitzer des Ritterguts oberhalb von Hopfelde, war er aus Kassel angereist. Am 22. Juli, zwei Tage vor seinem Abstecher nach Hollstein, schreibt Grimm: „Um neun Uhr auf einem Leiterwagen nach dem Meißner … wir besahen dort vor dem Essen einen Stollen und einen Wasserfall … Nachmittag zwischen prächtigen Buchen zum Frau Hollenteich, der jedes Jahr kleiner wird, dann die Kalbe hinauf…“.

Dass es Wilhelm Grimm schon in den Jahren zuvor immer wieder auf Gut Glimmerode zog, ist etwa in einem Brief an Paul Gerlin vom 24. Juli 1817 überliefert. „Ich wollte mit Hummel, seiner Frau und der Räthin Pfeiffer den Meißner besuchen, wir bekamen aber so viel Regen, dass wir uns begnügten, zwei Tage in Glimmerode, ... welches am Fuße des Berges liegt, zu bleiben, wo wir uns ganz wohl vergnügten“. Dass Grimm kein Freund von Traurigkeit war, wird im Brief an Frau von Zuydtwyck vom 12. Juni 1818 deutlich, in dem er über eine Geburtstagsfeier auf dem Gut berichtete: „ … indessen machten wir uns keine Sorgen und fingen gar noch an, nach dem Fortepiano zu tanzen. Da der Damen zu wenig waren, so wurde etlichen von uns hübsche Häubchen aufgesetzt, damit wir als Damen gelten sollten.“

Die Wilhelm-Grimm-Grill-Hütte, mit der die Hollsteiner dem Märchensammler ein Denkmal gesetzt haben, war der ideale Standort für die Veranstaltung mit Grill und Getränken, Kaffee und Kuchen. Am Vormittag war eine 25-köpfige Gruppe mit Bürgermeister Michael Heußner und Markus Exner (Grimmheimat Nordhessen) auf dem Weg, den Wilhelm wahrscheinlich damals gegangen war, zum ehemaligen Rittergut Glimmerode gewandert. An der Gedenktafel informierte Hopfeldes Ortsvorsteher Udo Eberhardt über die 656-jährige Geschichte des Guts mit 170 Hektar Feldflur. Es war 1318 erstmals urkundlich erwähnt worden und wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Letzter Eigentümer war Hermann Kreye, der 1962 mit Einrichtung des Standortübungsplatzes der ehemaligen Blücher-Kaserne das Areal an die Bundesvermögensstelle verkaufte. Die Gebäude, die nach früheren Bränden noch übrig waren, wurden zwölf Jahre später gesprengt.

Nach der Begrüßung in Hollstein unterhielt Jörg Kispert die Gäste mit dem Akkordeon, Ingrid Pee informierte zu den Hollensteinen. Für die Hochwasseropfer in Westdeutschland wurden 500 Euro gespendet. (Lothar Röß)

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