Auftraggeber nicht schwer gestört

Versuchter Auftragsmord: Gutachter hält 23-Jährigen für straffähig

Kassel/Werleshausen. Eine „kombinierte Persönlichkeitsstörung“ attestierte im Prozess vor dem Landgericht Kassel am Montag der Göttinger Neurologe und Psychiater Dr. Georg Stolpmann dem Anstifter der Messerattacke von Werleshausen. Weil er den neuen Liebhaber seines Ex-Geliebten aus dem Weg räumen wollte, hatte ein 23-jähriger Rosenheimer einen ehemaligen Berufssoldaten und Metzger mit dessen Ermordung beauftragt.

Bei dem Angriff im Mai 2014 wurden der 27-jährige Werleshäuser schwer und der 26-jährige Ex-Geliebte leicht verletzt.

Wenn es Schwierigkeiten in seinem Leben gab, dann habe der Angeklagte diese immer auf die Umstände oder auf andere Personen geschoben, aber nie in seinem eigenen Verhalten gesucht. Das sagte der Facharzt über den 23-Jährigen. Er benannte in seinem Gutachten ein ganzes „Konglomerat“ von Persönlichkeitsstörungen, sprach von egozentrischem, theatralischem, narzistischem Verhalten des jungen Mannes aus Bayern, der ein besonderes Verhältnis zu seiner „Mutti“, aber kein Vorbild im Vater gefunden habe. Alles zusammen ergibt nach Ansicht des Experten aber „keine schwere Störung“, auch keine erhebliche Einschränkung der Steuerungsfähigkeit, was sich strafmindernd auswirken würde. Weder Denken und Urteilsvermögen noch die Intelligenz des gelernten Personaldienstleistungsfachmannes seien gemindert. Insofern seien keine Voraussetzungen für eine Einweisung des Angeklagten in eine psychiatrische Einrichtung gegeben. Dabei blieb der Gutachter selbst auf mehrfache Nachfrage von Strafverteidiger Sven Schoeller.

Zum ersten Mal während des seit Mitte Dezember laufenden Prozesses vor der 6. Strafkammer meldete sich der geständige Mordanstifter selbst zu Wort. Er beschwerte sich massiv über den Gutachter, der sich „aggressiv und fordernd und laut“ ihm gegenüber gebärdet habe. „Der wollte immer, dass ich sage, was er denkt.“

15 000 Euro Schmerzensgeld

In einem Vergleich sagten die Angeklagten den Opfern Schmerzensgeld zu, auch wenn beide in Untersuchungshaft einsitzende Männer zurzeit nicht zahlen können. Unabhängig von einem Urteil, das für kommenden Dienstag erwartet wird, vereinbarten die Anwälte als Zeichen der Reue die Zahlung von 15 000 Euro für das schwer verletzte und 2500 Euro für das leicht verletzte Opfer. (and)

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