Babbel-Yoga anstelle von Botox

Komiker Martin Schneider trumpft im Kongresszentrum Bad Sooden-Allendorf auf

Martin Schneider sucht gern den Kontakt mit dem Publikum: Hier versucht er, Zuhörerin Sabrina das Unaussprechliche nachsprechen zu lassen. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Lachen mit und über „Maddin“ war angesagt bei einem unterhaltsamen Abend am Freitag in einer Veranstaltung des Stadtmarketings im Kultur- und Kongresszentrum der nordhessischen Kurstadt.

Über 400 heiter und erwartungsvoll gestimmte Menschen wollten Martin Schneider, den Schauspieler und Komiker mit südhessischem Migrationshintergrund, nicht nur sehen, sondern vor allem auch babbeln hören.

Schon optisch kommt der 52-Jährige aus Burgholzhausen daher wie eine leibhaftige Karikatur. Für jede Grimasse gut, springt ihm der Schalk förmlich aus dem Gesicht: Auf dem etwas zu lang geratenen Hals ein markanter Schädel mit einer Mundhöhle, als passten da „logger“ zwei XXL-Burger zwischen die Kauleisten. Wen wundert’s, wenn er dann achselzuckend einräumt, auch der vielfach beschworene Schönheitsschlaf bringe ihm nichts und scheinbar selbstkritisch gesteht: Wenn er morgens in den Spiegel schaut, komme ihm das ganze Elend entgegen. Der Erfinder des Aschäbäschä bezieht im neuesten Bühnenprogramm seine Weisheiten gern aus dem fernen Indien, jenem Kontinent, der sich einst „von Hessen abgespaltet“ habe.

Dabei unterrichtet er seine Zuhörer mit launigen Worten in Babbel-Yoga und vermittelt so kostenlos spezielle Wohlfühltechniken: Botox ade. Man müsse die Vokale nur lang genug dehnen für eine straffe, jugendliche Haut. Schnute-Stretching nennt er das.

Heiterkeitsausbrüche produziert Maddin vor allem dann, wenn er sich verbal in die unteren Regionen des menschlichen Körpers begibt, über Kamasutra doziert und das weibliche Publikum in Chor stöhnen lässt zu Brunftlauten der Männer, die sich „eher anhören wie erkältete Eichhörnchen“ als das röhrende Werben eines liebestollen Hirsches. Oder wenn er so ganz nebenbei erzählt, neulich sei ihm sein Handy ins Klo gefallen, und jetzt habe er einen „Scheiß-Empfang“.

Für einen Brüller im Saal bemüht der Maddin den sparsamen Wortschatz des Fußball-Denkmals Franz Beckenbauer. Der sei bei der Kommentierung eines Länderspiels zu der Erkenntnis gelangt: „Die Schweden sind keine Holländer. Das hat man gesehen.“ Da habe der ungekrönte Kaiser wohl „sein Gehirn im Leerlauf gehabt“. Auch wenn nicht jede Pointe in die Kategorie des feinsinnigen Humors gepasst hat: Donnernder Applaus und Schlange stehen für ein Autogramm mit Meister Maddin.

• Am Freitag, 7. April, tritt Maddin Schneider ab 20 Uhr im Bürgerhaus Sontra auf. Karten kosten im Vorverkauf 21 Euro; an der Abendkasse 23 Euro. (zcc)

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