„Als Dienerin abgestempelt“

Respektlos, frech und unverschämt: Servicekraft beklagt immer mehr unfreundliche Gäste

„Jeder sollte mal im Service gearbeitet haben“: Die 19-jährige Hoang Nhung Pham bedauert, dass immer mehr Gäste unfreundlich sind. Das kann auch ein Grund dafür sein, dass immer weniger Menschen bereit sind, in den Service zu gehen.
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„Jeder sollte mal im Service gearbeitet haben“: Die 19-jährige Hoang Nhung Pham bedauert, dass immer mehr Gäste unfreundlich sind. 

Einen Aspekt, warum Servicepersonal immer schwieriger zu gewinnen ist, hat die 19-jährige Hoang Nhung Pham benannt: das Verhalten der Gäste.

Hoang Nhung Pham berichtet über ihre (schlechten) Erfahrungen als Servicekraft in Bad Sooden-Allendorf. Grundsätzlich habe sie mit netten Gästen zu tun, sagt die 19-Jährige, die zuletzt in einer Gaststätte und einem Eiscafé in Sooden beschäftigt war. 

Doch der Anteil der „gemeinen Gäste“ sei enorm gestiegen, findet die junge Frau. Früher fünf, heute bis zu zehn „unfreundlichere“ registriert sie an einem Tag durchschnittlich. Hoang Nhung Pham, die schon während ihrer Zeit als Schülerin der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf gekellnert hat, ist froh, dass dieses ihr letztes Jahr im Service ist. Künftig studiert sie in Göttingen, kellnern will sie dann nicht mehr.

Hoang Nhung Pham beschreibt Arbeit in der Gastronomie als "grundsätzlich wunderbar"

Dabei ist Hoang Nhung Pham in den Job rein geboren, wie sie selbst sagt – durch ihre aus Vietnam nach Deutschland gekommenen Eltern und das China-Restaurant, das diese in der Badestadt betreiben. Und diese Tätigkeit in der Gastronomie beschreibt sie auch als „grundsätzlich wunderbar“, weil man sich dabei entwickeln und Erfahrungen fürs Leben sammeln könne – „die sind unbezahlbar“.

Doch als Kellnerin werde man „als anderer Mensch angesehen“, von manchen gar „als Dienerin abgestempelt“, sagt die 19-Jährige, die mit 15 Jahren anfing, sich als Servicekraft nebenbei ein Taschengeld zu verdienen.

Kellner-Job ist schwierig und anspruchsvoll

Dabei ist der Kellner-Job schwierig und anspruchsvoll, wie Hoang Nhung Pham schildert: Täglich habe man mit neuen Menschen Kontakt, um deren Wohl man sich bemühe. Von den Gästen werde erwartet, dass man alles möglichst perfekt macht. Doch die Ansprüche würden so hoch, dass man sie als Kellner gar nicht mehr erfüllen kann. „Man macht immer das Beste daraus und versucht, immer freundlich zu bleiben – auch bei einem Gast mit schlechter Laune.“ 

Das schlechte Benehmen einiger Gäste kann auch ein Grund dafür sein, dass immer weniger Menschen bereit sind, in den Service zu gehen. Im Landkreis Kassel mussten einige Betriebe aus Personalnot die Öffnungszeiten einschränken.

Mittlerweile würden immer mehr Gäste respektlos, frech und unverschämt

Kein „guten Tag“, kein „Bitte“ und kein „Danke“ komme ja häufiger vor, manchmal beleidigten die Gäste aber bis „unter die Gürtellinie“. Ihr gegenüber habe es sogar schon rassistische Äußerungen gegeben, berichtet Hoang Nhung Pham.

Ihr Chef hat der 19-Jährigen für diese Fälle aber den Rücken gestärkt, dass sie sich das nicht gefallen lassen muss. Sie darf diese Leute dann gleich bitten zu gehen.

Früher hat sich Hoang Nhung Pham jeden Tag auf ihre Arbeit gefreut, wie sie sagt. „Entweder steht man mit vollem Herzen hinter diesem Job oder man macht ihn nicht.“ Heute freut sie sich darauf, ins Studium zu gehen. Eine Idee, die wie ein Wunsch klingt, damit die Gäste Verständnis für ihr Gegenüber im Lokal bekommen, hat Hoang Nhung Pham noch: „Jeder sollte mal im Service gearbeitet haben.“

Wandel in der Gastronomie hat viele Gründe

Der Wandel in der Gastronomie hat mehrere Gründe, wie Dehoga-Kreisvorsitzender Christian Pelikan (Bad Sooden-Allendorf) ausgemacht hat. Einer der Hauptgründe ist, dass es immer weniger Personal in Küche und Service gibt.

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